Bergbau und Frauen

Das Thema „Bergbau und Frauen“ ist unter Bergleuten ein sehr heikles.

Einerseits könnte man glauben, dass die Bergleute über ihren Beruf recht eng mit der Frauenwelt verbunden sind, da ihre Schutzpatronin, die hl. Barbara, ja eine Frau ist.

Andererseits strotzt das Gedankengut von traditionellen Bergleuten nur so von Vorurteilen gegenüber Frauen im Bergbau:

Einige der häufigsten Phrasen zu diesem Thema sind:

  • Frauen bringen in der Grube generell Unglück.

  • Die Gefahr, die Schwere und der Schmutz der Bergarbeit sind für Frauen nicht geeignet.

  • Die enge Zusammenarbeit von Männern und Frauen untertage ist unschicklich und unmoralisch. Sie führt zu Sittenverfall!

Vielleicht das markanteste Vorurteil prägte niemand geringerer als Friedrich Engels um die Mitte des 19. Jh:

  • Frauen, die im Bergbau arbeiten, vermännlichen und werden so zu „Hyänen der Revolution“.

 

Wo liegen die Wurzeln dieser Vorurteile?

Die 1. Darstellungen über im Bergbau beschäftigte Frauen stammen aus dem frühen Mittelalter. Altarbilder, Liederbücher und Titelblätter von Bergordnungen zeigen neben Bergmännern sehr wohl auch Bergfrauen.

Diese Frauen wurden vor allem bei der Verrichtung obertägiger Arbeiten dargestellt.

Solche Tätigkeiten waren das Säubern, Zerkleinern und Sortieren von Erzen; Fuhr- und Tragearbeiten zur Versorgung der Bergbaue sowie die Bedienung von Blasbälgen und Haspelaufzügen.

Aus mittelalterlichen Urkunden wissen wir, dass oft bis zu 30% der im Bergbau Tätigen Frauen waren.                                                                         

Häufig arbeiteten ganze Familien gemeinsam im Bergbau. Die Männer untertage im Abbau, die Kinder in der Förderung und die Frauen obertagein der Erzaufbereitung.

Bereits 1545 beschwerten sich Schwazer Silberbergleute über ihre im Bergbau tätigen Kolleginnen. Sie fürchteten sich vor einer Ausweitung der Frauenarbeit und der daraus drohenden Männerarbeitslosigkeit.

Dieselbe Urkunde nennt aber auch den Grund für diese Ängste:                                                                   

Bereits damals bekamen Frauen nur 1/3 des Männerlohnes für gleiche Tätigkeiten bezahlt.

Frauenarbeit war auch bei den Salinen im Salzkammergut üblich. Frauen zerkleinerten das Salz, befeuerten die Sudpfannen und übernahmen Transportarbeiten in den Salzmagazinen.

Aus Hallstatt ist bekannt, dass die „Kerntragweiber“ Salzsteine in 40kg schweren Rückenkraxen vom Salzberg bis ins Tal trugen. Erst Ende des 19 Jh wurde diese schwere Tätigkeit von Männern übernommen.

 

Im 16. Jh. kam es zu einem enormen Technologieschub im Bergbau.

Die leicht erreichbaren Lagerstätten waren abgebaut und billige Rohstoffe wurden aus der neuen Welt angeliefert. Als Reaktion darauf musste im Bergbau erstmals umfassend rationalisiert werden.                                         

Dies schaffte man damals wie heute nur durch die Einführung neuer Technologien. Aber mit der zunehmenden Technisierung gingen die Arbeitsplätze vieler ungeschulter Frauen verloren.

Ein Beispiel dafür:                                                                                                                                        

Ursprünglich wurden Erzstücke mühsam vorwiegend von Frauen mittels Schlägel und Klopfsteinen händisch zerkleinert. Nach der Erfindung der wasserradbetriebenen Pochwerke zur Erzzerkleinerung wurde diese Tätigkeit sofort von Männern übernommen.

Die Technisierung hatte aber auch für die Männer Schattenseiten:                                                              

Neben den Frauen verloren auch immer mehr Männer ihre angestammte Arbeit. Die Angst um den Arbeitsplatz war im 16. Jh. allgegenwärtig.

Wie reagierte die Männerwelt von damals? Nicht viel anders als wir es heute tun:                                                                                                             

Die Bergleute, schlau wie sie waren, erfanden die Geschichte von, im Bergbau Unglück bringenden Frauen. Tatsächlich gingen damals viele Lagerstätten zur Neige. Und schon hatte man die Schuldigen dafür gefunden! Die Bergleute fanden vor allem in kirchlichen Kreisen offenes Gehör mit ihrer Forderung Frauen aus dem Bergbau auszuschließen.

Somit war die unliebsame weibliche Konkurrenz ausgeschaltet.

 

Ab dem 17. Jh. kam es nach Aufständen zur Einführung militärischer Ordnung im Bergbau. Bergleute mussten streng reglementierte Trachten mit Rangabzeichen tragen, sie bekamen Waffen und wurden vom Militärdienst befreit.

All diese Privilegien gestand man den Frauen natürlich nicht zu und so mussten wiederum viele Frauen ihre Arbeitsplätze im Bergbau verlassen.

In den folgenden Jahrhunderten wurde es ruhig um die wenigen noch im Bergbau verbliebenen Frauen.

 

Erst mit der Blüte des Kohlebergbaues im 19. Jh. wurden die Frauen als billige Arbeitskräfte wieder interessant. 10.000 e Frauen und Kinder mussten unter unmenschlichen Bedingungen vor allem in den Kohlegruben Englands und Frankreichs schuften. Sie wurden untertage bei der Kohleförderung in engen, heißen, schlecht bewetterten Strecken eingesetzt.

 

Die Arbeitsbedingungen waren so katastrophal, dass auf Druck der Öffentlichkeit die untertägige Frauen- und Kinderarbeit bis Ende des 19. Jh. in fast allen europäischen Staaten verboten wurde.

 

Der Ausbruch des 1. Weltkrieges änderte die Situation schlagartig. Während des Krieges wurden die Schutzbestimmungen für Frauen und Kinder aufgehoben. Alleine in Deutschland waren kurzzeitig bis zu 100.000 Frauen im Bergbau beschäftigt. Sie mussten neben der Kindererziehung auch die Rolle der zum Militär eingerückten Männer übernehmen.

Mit Ende des Krieges kamen die Männer zurück. Die Frauen mussten ihre Plätze im Bergbau räumen und an den heimischen Herd zurückkehren.

Im 2. Weltkrieg spielten Frauen im Bergbau nur mehr eine untergeordnete Rolle. Grund dafür war der massenhafte Einsatz von Zwangsarbeitern, Kriegsgefangenen und Wehrdienstbefreiten.

1946 wurde durch eine UNO Resolution die Untertagearbeit von Frauen weltweit verboten. Trotzdem ist sie in Ländern wie China und Thailand, aber auch in Südamerika bis heute noch weit verbreitet.

In anderen Ländern hat im Zuge der Frauen - Emanzipation sogar eine Gegenentwicklung stattgefunden.

1974 wurde in den USA die untertägige Frauenarbeit im Rahmen von „Antidiskriminierungs - Gesetzen“ wieder zugelassen.  Heute gibt es dort bereits mehr als 6.000 selbstbewusste Bergfrauen.

Seit 1994 dürfen auch in Deutschland Frauen unter gewissen Bedingungen wieder untertage arbeiten. Ihr Anteil an den Bergleuten lag 2010 bei lediglich 0,6%.

Auch in Österreich wurde nach dem EU Beitritt die Frauenarbeit im Bergbau unter gewissen Bedingungen wieder erlaubt.