Nutzung der Salzburger Wälder am Abersee durch die Saline Ischl

JOHANN OSTERMANN österreichische Forstzeitung 12/1988

Durch die politische Entwicklung in den ersten Regierungsjahren FERDINANDS I. (1521 bis 1560) entstand ein enormer Aufschwung im Salzhandel und damit verbunden der Salzproduktion. Wie kam es dazu? In der Schlacht von Mohacs 1526 fiel der letzte Jagellone LUDWIG II., König von Böhmen und Ungarn, Im Kampf gegen die Türken. Da er keine Nachkommen hinterließ, fiel Böhmen und Ungarn seinem Schwager Ferdinand zu, der mit Anna von Böhmen verheiratet war. Damit konnte der österreichlache Salzhandel auf das Königreich Böhmen ausgedehnt werden. Durch die erhöhte Salzproduktion wurden die Salzpfannen vergrößert und Ihre Zahl vermehrt.

Auf der Suche nach neuen Salzlagern

wurde man in lschl fündig und am 25. Juli 1563 wurde der Mitterbergstollen eröffnet. Das Hauptproblem aller Salinen war, immer genügend Holz für die Sudpfannen zu haben. So versuchte man entweder genügend Holz zu den Salinen zu bringen oder, wie in späteren Jahren, durch Soleleitungen das Salz zum Holz zu leiten, wie es bei der Errichtung der Saline Ebensee der Fall war. Lag der Salzberg und die Saline von lschl, 1571 in Betrieb genommen, in einer sehr waldreichen Gegend, so musste doch rechtzeitig nach Holzreserven Ausschau gehalten werden und auch darauf Rücksicht genommen werden, die eigenen Waldungen zu schonen. Lange bevor man aus den erzbischöflichen Wäldern am Abersee Holz für die Saline in lschl lieferte, wurde von den lschler Salzfertigern, es waren bürgerliche Unternehmer, Kufhoz und Schiffholz aus den Waldungen des Klosters Mondsee bezogen, aus einem Gebiet, das zwischen Königsberg und lschl liegt.

Die Holzversorgung der Salinen wird gesichert

Als man nun von seiten des österreichischen Obersalzamtes in Gmunden an Salzburg herantrat, um den Holzverbrauch in lschl durch die Nutzung der Aberseer Wälder zu sichern, wurde damit beiden Seiten geholfen. Waren doch die Salzburger Hüttenwerke wie die Saline Hallein oder die Eisenhütten im Rupertiwinkel zu weit entfernt, um eine wirtschaftliche Nutzung zu gewährleisten. So kam es im Jahre 1579 zum Vertrag zwischen Kaiser RUDOLF II.  (1576-1612) und Fürsterzbischof JOHANN JAKOB VON KUEN-BELASY (1560-1586). Am Anfang des Vertrages wurde noch auf weiland Kaiser MAXIMILIAN II. (1564-1576) verwiesen, der bereits 1565 einen Vertrag mit Salzburg schloss, der die Nutzung der Salzburger Wälder, die im Bereich des heutigen Försterbezirks Rußbach der Forstverwaltung Gosau liegen, für die Saline in Hallstatt regelte.

Salz für Holz

Im Vertrag von 1579 verpflichtet sich Salzburg, fürs erste aus den Waldungen des Pfleggerichts Hüttenstein, das spätere Gericht St. Gilgen, den „lschlerischen Salzstätten",  "siebenhundert Pfann Widt" entsprechen 32.900 fm Holz zum Verfeuern bei den Sudpfannen, 1 Pfann wird mit 67 rm bzw. 47 fm berechnet. Das Holz soll aus folgenden „Waldorthen" genommen werden: „.... anzufachen am Rinpach, und von da mann auf die Wildten Cammer bis ab den gassengraben bis auf den Kürchweg." Dann von der anderen Seiten des  „Rünpach" bis auf den „Kaltenpach". Sollte in diesem Gebiet die 700 Pfannen nicht erreicht werden, soll man die Schlägerungen bis zum „Unckhenpach" ausdehnen. Dies entspricht dem Gebiet vom Rettenkogel, über den Rinnkogel bis zur Wilden Kammer, das im Westen vom Weissenbach begrenzt wird. Im Gegenzuge wurde dem Erzstift Salzburg gestattet, Salz aus der Saline Hallein in das Königreich Böhmen auszuführen und in die Reichsfürstentümer und Reichsstädte, die daran interessiert waren.

Holznutzung wird geregelt

Zu den Holzschlägerungen durften nur Holzmeister und Holzknechte herangezogen werden, die Salzburger Untertanen waren. Um Schaden am übrigen Wald und an der Verjüngung zu verhindern, war genau vorgeschrieben, in welcher Weise die Schlägerungen vorgenommen werden mussten:  „Zum sechsten sollen die vorermelten Waldörther von underristen bis zum obristen und von hinderisten biß zum vorderisten und waldmannisch hergehackt und verarbeith werden damit es den khonftigen holzwachs khein schaden und hinternuß bringet."

Schutz für Untertanen

Durch die Lieferung des  „Hall Widts" an die Saline durfte aber den Untertanen kein Nachteil in ihrem Holzbezug entstehen, auch durfte das Weiderecht, der sogenannte  „Pluembesuch" nicht beeinträchtigt werden. Das Bringen und Trifften musste mit „solcher fürsorg beschechen, damit dieselben mit wenigsten schaden gesezt werden", und entstand den Salzburger Untertanen aus den Holzlieferungen an ihrem Grund ein Schaden, „sollen in Ihrer Kay:(selichen) May:(estät) Nammen dieselbigen schaden ergennzt und abgetragen werden“.

Im Vertrag war vorgesehen, dass im ausgewiesenen Gebiet jährlich zwanzig bis dreißig Pfannen Holz, also 1340 rm bis 2010 rm Holz geschlägert wurden.

Erste Holzordnung Im Jahr 1581

Zwei Jahre nach dem Vertrag über die Nutzung der Aberseer Wälder durch das Salzamt in lschl wurde 1581 für das Pfleggericht Hüttenstein eine „Holz-Ordnung" erlassen, die eine kontrolliertere Nutzung der Salzburger Wälder im Gericht garantieren sollte. In der Einleitung der neuen Holzordnung wird festgestellt, dass die Salzburger Untertanen nach Belieben aus den landesfürstlichen Waldungen Holz für den Eigenbedarf, aber auch für den Verkauf als Schiff- oder Kufholz für lschl, nach eigenem Gutdünken entnommen haben und dabei die Waldpflege völlig vernachlässigt wurde, so dass  „auch die Holzwachs merckhlich verhindert worden, unnd also großr Mangl an Holz ist".

Holz wird zugewiesen

In der neuen Waldordnung wurde nun festgelegt, dass von den Untertanen nur noch das Holz gehackt werden durfte, das ihnen vom Oberwaldmeister bzw. Unterwaldmeister am Stock vorgezeigt wurde. Vierzehn Tage vor oder nach Weihnachten wurde vom Oberwaldmeister, im Beisein des Pflegers von Hüttenstein, in St. Gilgen bekanntgegeben, wieviel jährlich und wo die Untertanen Holz schlägern durften. Dabei musste der Oberwaldmeister die „Armen heusseßigen Unndterthonen, die Ir notturfft Traidt auf Ihren Güetern nit erzügeln“, bei der Vergabe von Holzarbeiten besoders berücksichtigen.

Überschlägerung wird streng bestraft

Da von den Ischler Salzfertigern den Aberseer Holzlieferanten oft mehr Geld vorgestreckt wurde, als für die geleistete Arbeit nötig war, kam es, dass mehr Holz und unvorsichtiger geschlägert wurde, was von nun an unter schwere Strafe gestellt wurde. Die Untertanen hatten für ein Pfund (Pfanne) Kufholz 45 kr., Schiffholz für eine Fünferin (Schiffstyp) und Sechserin 12 kr., für eine Siebnerin 24 kr. und für eine Pfann Brennholz 16 kr. Stockrecht zu zahlen. Um den unterschiedlichen Arbeitsaufwand bzw. Verdienst, der bei den drei verschiedenen Holzarten auftrat, auszugleichen, musste die Zuteilung jedes Jahr gewechselt werden. Zur Ausfuhr nach lschl wurde jährlich Holz für 150 Zillen und 100 Pfund Kufholz bewilligt. Brennholz war nicht limitiert.

Holzreserven werden gebildet

Ledigen Knechten und Bauernsöhnen war es nicht gestattet, selbständig „Holzwerch" zu betreiben. Sie durften nur von Bauern, die eine Bewilligung hatten, als Holzknechte, mit Löhnung angestellt werden. Windwurfe und aus Überalterung im Wald liegendes Holz durfte für den Hausgebrauch von den Untertanen aufgearbeitet werdern, wurde es aber nach lschl verkauft, musste zuerst das Stockrecht bezahlt werden. Damit für die eigene Saline Hallein genügend Holzreserven blieben und des Wildes wegen, war der Oberwaldmeister angewiesen, den Hüttensteiner Untertanen in den Hoch- und Schwarzwäldern, „fürnemblich den Praitenperg, Wislwald . .. dergleichen in den Wäldern, so im Hintersee Tall ligen" keine Schlägerungsbewilligung zu erteilen.

Das erste Forsthaus

Als eine Vorläuferin der heutigen Forstverwaltung Strobl kann die Errichtung der „Behausung" für einen „undter Waldmaister" (Förster) in Abersee angesehen werden. Dieser war für die forstlichen Angelegenheiten in den Gerichten Hüttenstein, Wartenfels und Mondsee, soweit sie Salzburger Interessen betrafen, zuständig.

Laubholz den Schwarzwäldern schädlich

Den Holzwarenerzeugern und Wagnern, wie auch den Schmieden der Gerichte Hüttenstein und Wartenfels, war es gestattet, aus den Schwarzwäldern Ahorn, Ulmen und Buchen zu entnehmen, „da ohnedies solch Laubholz den Schwarzwäldern schädlich ist". Als Österreich 1596 eine eigene Salzlagerstätte in Passau errichtete, um Salz nach Böhmen zu liefern. wurde das Gericht Hüttenstein angewiesen, die Holzlieferung nach lschl einzustellen, worauf Österreich die Lieferung von Getreide und Wein aus lschl nach Salzburg sperrte. Der Streit wurde aber 1600 von Erzbischof Wolf Dietrich (1587-1612) und Rudolf II. beigelegt.

Die Bauern machten aus den freien Waldflächen Almen,

wogegen Österreich erfolglos protestierte. Da infolge der Almengründungen  kein Jungwald nachwuchs, wurden die Holzschlägerungen immer weiter ausgedehnt: 1646 am Breitenberg, in die Kögl und Eichenbrunnwaldungen, 1695 im Schreinbach und Zinkenbachtal, 1734 in den Zwerchenberg- und Ruprechtsgrabenwaldungen, 1770 die Waldungen im Kammersbach, am Scharfen, Schnitzhof, Sonntags-Kendl und wiederum am Breitenberg. Zum Schluss bleibt noch zu vermerken, dass die großen Almflächen in der heutigen Forstverwaltung Strobl nicht auf die Waldnutzung durch die lschler Saline zurückzuführen sind, sondern auf „impertinente Almfahrer". wie es in einem Bericht einer 13 Tage dauernden Waldbeschauung von Forstleuten aus dem Jahre 1819 heißt.

Verwendete Quellen:

JOHANN OSTERMANN österreichische Forstzeitung 12/1988