24 Pernecker Strehn:

Als „Strehn“ bezeichnet der Salzbergmann alle unter und über Tage installierten Rohrleitungen zum Transport der Sole vom Gewinnungspunkt in der Grube („Werk“) zur Saline („Sudhütte“).

Die Sudhütten wurden zum günstigeren Antransport des nötigen Brennholzes sowie zum Abtransport des gewonnenen Salzes am Talboden in der Nähe von schiffbaren Gewässern errichtet. Die, wegen der leichteren Erreichbarkeit der Salzlager, auf Berghängen angesetzten Stollen waren seit jeher mit den Sudhütten über Rohrleitungen („Strehn“) verbunden.

Die Soleleitungen baute man anfangs aus Holzrohren. Dazu wurden dünne, astfreie Baumstämme, meist Lärchen, mit Bohrern („Deichelbohrer“) der Länge nach aufgebohrt. Der Innendurchmesser der Holzrohre lag bei 80 – 100 mm, deren Länge zwischen 2,0 und 4,5 m. Jede Röhre wurde an einem Ende zugespitzt und am anderen Ende erweitert, so dass das zugespitzte Ende der einen in die Erweiterung der anderen Röhre hineingetrieben werden konnte. Das zugespitzte Ende wurde durch Einfetten mit tierischen Fetten („Unschlitt“) und durch Umwickeln mit Flachs („Werch“) dicht gemacht. Die eigentliche Befestigung erhielten die Holzröhren an der Verbindungsstelle durch einen eisernen Ring, welcher am Kopf, der mit der Ausweitung versehenen Röhre, getrieben wurde.

Nach dem Auffinden des Salzlagers durch den 1563 angeschlagenen Mitterbergstollen gab Kaiser Maximilian II. am 23. März 1569 den höchsten Befehl zur Errichtung eines Sudhauses in Ischl. Bereits im Jahr 1571 konnte das erste Salz in Ischl gesotten werden.

Zur Versorgung des Ischler Sudhauses wurde vom Alten Steinbergstollen 1571 der erste Strehn errichtet.

Der, zur Ableitung der Sole aus den Stollen des Steinbergrevieres (Mitterberg-, Alter und Neuer Steinbergstollen) sowie aus den oberen, auf das Pernecker Lager angeschlagenen Stollen (Lipplesgraben-, Johannes-, Matthias- und Neubergstollen) vom Salzberg zum Ischler Sudhaus errichtete Solestrehn führte bis 1775 entlang des Törlbaches über den sogenannten „Sandpichl“ in die Au bei Perneck. Der Strehn wurde zur Leistungssteigerung um 1715 verdoppelt, wozu 997 Röhren von je 10 Fuß (3,2 m) Länge erforderlich waren.

Nach Inbetriebnahme der tiefergelegenen, nordseitig auf das Pernecker Lager angeschlagenen Stollen (ab Frauenholzstollen) wurde entlang des Sulzbaches ein zweiter Leitungsast gelegt, der im Bereich des heutigen Maria Theresiastollens auf den Steinbergstrehn getroffen sein dürfte. Ab hier verlief die Soleleitung über den „Perneckfuß“ in die Au, über die Pernecker Felder zum Jodlbühel und entlang der Luckenleiten oberhalb des Gasterbühels auf der alten Perneckerstraße nach Reiterndorf. Schließlich führte der Strehn entlang der heutigen Grazerstraße zum Ischler Sudhaus.

Der Ischler Salzberg besaß die längste Zeit hindurch keine Einschlagwerker, so dass die Sole unmittelbar von den Ablässen der Erzeugungswerker aus der Grube floss. Es mussten daher ober Tags Behältnisse geschaffen werden, um die trübe Sole zu klären, bevor man sie den Sudhütten zuleiten konnte. Die zwei dazu bestimmten Solebehälter befanden sich in der Solestube in der Au am Perneckfuß und wechselten in der Füllung und Entleerung ab. 1834 wurde eine weitere Solestube mit mehreren Behältern errichtet.

Weitere Sulzstuben entlang des Pernecker Strehns befanden sich beim Linzerkogel (heute Haus Eck 30, Fam. Gschwandtner) sowie am Buchen Bichl (heute Bestattung Anlanger, Wiesbühel).

1934 war die Pernecker Soleleitung bereits mit einem Eisenrohr DN 100 ausgestattet. Das maximale Liefervermögen betrug 13 m³ Sole/h. Die Länge lag bei 4269 m und das Gesamtgefälle bei 151 m.

Der neben der Soleleitung verlegte Klebelsbergstrehn war eine Eisenrohrleitung DN 50 mit einem maximalen Liefervermögen von 0,5 m³/h. Die in der Klebelsbergkehr des Maria Theresiastollens gefasste Selbstsole diente für Trinkzwecke in den Kur- und Badehäusern Ischls.

Die Soleleitung von Perneck zum Sudhaus in Bad Ischl war bis zum Jahre 1957 in Betrieb. Ab diesem Jahr waren alle Laugwerke der Pernecker Stollen bis zum Niveau des Leopold Stollens ausbenützt. Die in den tieferliegenden Horizonten erzeugte Sole wurde seither über Schächte in den Franz Josef Erbstollen abgegeben und in einem eigenen Strehn zum Ischler Sudhaus geleitet.

Verwendete Quellen:

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen vom Beginne des 16. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts“, Wien 1932

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1750 bis zur Zeit nach den Franzosenkriegen“, Wien 1934

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936

L. Janiss „Technisches Hilfsbuch für den österreichischen Salzbergbaubetrieb“, Wien 1934

Ischler Heimatverein „Bad Ischl Heimatbuch 2004“, Bad Ischl 2004                                                                                                                                 

Kurt Thomanek „Salzkörner“, Leoben 2007