Sieden:

Unter „Sieden“ versteht der Bergmann das Abdampfen der Sole in großen Pfannen zur Salzgewinnung. Die Erzeugung von Sole als erster Produktionsschritt der Salzherstellung ist nötig, da in den alpinen Salzlagerstätten fast kein reines Steinsalz („Kerngebirge“), sondern Haselgebirge (Mischgebirge aus Ton- Gips-, Anhydrit-, Steinsalz- und Nebensalzschichten) mit lediglich 20 – 70% Salzgehalt vorkommt.

 

Die prähistorischen Bergleute bauten in Hallstatt (1.500 – 350 v. Chr.) und am Dürrnberg bei Hallein (700 – 150 v. Chr.) mit Bronzepickeln reiches Kerngebirge ab. Ab der Zeitenwende gerieten die alpinen Salzbergbaue in Vergessenheit.

 

Vermutlich ab dem 10. Jh. begann man die natürlichen Solequellen des Salzkammerguts in kleinen Pfannenbetrieben wieder zu nutzen.

 

Urkunden weisen nach, dass bereits 909 die Nonnen der Abtei Traunkirchen Renten von einer Ischler Salzpfanne bezogen.

 

Der Ort der Salzsiederei lag vermutlich im heutigen Ortsteil Pfandl. Das „Pfännlein im Yschlland“ wurde wahrscheinlich mit natürlicher Quellsole im Bereich der „Maria Louisen Quelle“ betrieben. Diese Solequelle wurde, urkundlich belegt, im 13. Jahrhundert zur Salzerzeugung benützt, aber nach Entdeckung des Ischler Salzberges verschüttet und erst 1839 wiederentdeckt.

 

Aus dem Jahr 1192 gibt es die urkundliche Meldung von einer mit Aussee gemeinschaftlich, wenigstens zum Teil auf kaiserliche Rechnung betriebenen Saline („Salzkoktur“) bei Ischl. Aus dieser Saline schenkte Herzog Leopold VI dem Kloster Garsten jährlich 62 kleinere Fuder Salz.

 

1262 erscheint Ischl abermals in einer Urkunde, die besagt, dass schon damals unter König Ottokar von Böhmen ein Salzmeister in Ischl war. König Ottokar befahl seinem Mundschenk Dobra, darüber zu wachen, dass weder der Salzmeister von Ischl, noch sonst jemand den Abt von Mondsee in seinem Besitz erschwere.

 

Von der Saline Ischl vermindern sich die Nachrichten zu Ende des 13. Jahrhunderts immer mehr, vermutlich weil sie damals zu wenig reichhaltig war und wegen des neu aufgeschlossenen Salzberges zu Hallstatt ganz vernachlässigt wurde.

 

Albrecht II.  erlaubte am 14. März 1335 der Äbtissin des Klosters Traunkirchen, das „Pfännlein im Yschllande“, welches wegen mangelnden Betriebes und aus anderen unbekannten Ursachen gänzlich verfallen war, wiederaufzubauen.

 

Obwohl die Ischler Saline wiederum nur mittelmäßige Erträge abwarf, dürfte das Stift dennoch bis zum Jahre 1412 Salz gesotten haben. In diesem Jahr schenkte Albrecht V. dem Kloster neuerdings aus der Saline Hallstatt ein jährliches Quantum, dass 30 Fuder Salz umfasste.

 

Manche Historiker vermuten, dass die in den Urkunden des 14. Jh. als „Pfännlein im Ischlland“ bezeichnete Salzgewinnungsstätte nicht in Ischl stand, sondern dass damit die von alters her bekannte Salzstätte in Hallstatt gemeint war. Urkundlich belegt ist der Bau der ersten Salzpfanne in Hallstatt zu Beginn des 14. Jahrhunderts unter Königin Elisabeth.

 

Im 16. Jh. kam es durch die Eingliederung der Kronen von Ungarn und Böhmen ins Habsburger Reich und der erfolgreichen Zurückdrängung der Einfuhr fremden Salzes zu einem enormen Anstieg des Salzbedarfes. Nachdem 1562 das am Fuß des Sandlings gelegene Salzbergwerk am Michelhallberg durch gewaltige Muren verschüttet wurde, musste rasch ein geeigneter Ersatz gefunden werden.

 

Die erste Idee war, in Hallstatt eine dritte Pfanne zu errichten. Zur Planung wurde eine eigene Kommission gebildet. Die Kommission wies darauf hin, dass die Waldungen um Hallstatt für das dortige Salzsieden nicht immer ausreichen würden und man deshalb an anderen Orten Salzberge zu suchen habe.  Man erinnerte sich, dass einst in den Vorzeiten bei Ischl solche Berge gefunden und sogar zum Teil bebaut worden waren.

 

Dieser Beschluss fand wesentliche Unterstützung durch Hans Adam Praunfalk, damaliger Verweser zu Hallstatt. Praunfalk hatte schon früher entdeckt, dass im Gaigental „herunter der schwarzen Wand“ nicht weit von Ischl viele „gesalzene Lacken“ zu finden seien und ebenso oberhalb des Reinfalz - Angers derartige „Lacken“ vorkommen. Da die Umgebung von Ischl bedeutenden Sudholzbestand darbot und günstige Plätze zur Erbauung eines Pfannhauses sowie der Wohnungen für Arbeiter vorhanden waren, machte Praunfalk den Vorschlag, die projektierte dritte Salzpfanne nicht in Hallstatt sondern in Ischl zu errichten.

 

Nach einem, durch den damaligen Gmundner Salzamtmann Georg Neuhauser rasch erteilten Auftrag, wurde am 25. September 1562 unter der Leitung von Hans Adam Praunfalk ein Lokalaugenschein („Beschau“) vorgenommen. Die anwesenden Fachleute fanden das Salzlager als abbauwürdig („benutzbar“). Ein gemeinsam verfasster Bericht wurde am 25. Oktober 1562 an Kaiser Ferdinand I. nach Wien geschickt. Der Kaiser nahm den erstatteten Bericht positiv auf und veranlasste Anfang 1563 die folgende allerhöchste Anordnung:

„Dieser neu entdeckte Salzberg ist sogleich mit Arbeitern zu belegen, das wahre Salzlager aufzusuchen, die Waldungen am Reinfalz, Mitterberg und in diesen Umgebungen fleißig zu hauen, alles Schmelzen und Sieden des Vitriols (im Erzbergbau am Rainfalz) gänzlich allda abzustellen und keine Waldschwendung mehr zu dulden.“

Diesem höchsten Auftrag gemäß, wurde am 25. Juli 1563 der Mitterbergstollen als der erste und ursprünglichste Salzstollen am Ischler Salzberg eröffnet. 

Am 23. März 1569 gab Kaiser Maximilian II. den höchsten Befehl zur Errichtung eines Sudhütte in Ischl. Dieses wurde 1571 erbaut und noch im selben Jahr konnte das erste Mal in Ischl Salz gesotten werden.

Eine Saline („Sudhütte“ oder „Pfannhaus“) ist die Produktionsstätte von Kochsalz. Herzstück des Pfannhauses war eine durch Feuergase beheizte, runde, aus geschmiedeten, starken Eisenblechen zusammengenietete Pfanne für die Gewinnung von Kochsalz aus Sole. Die Pfanne ruhte auf vielen Ziegelsäulen („Pfannsteher“) zwischen denen ein ständiges, starkes Holzfeuer die Siedehitze aufrechterhielt. In die Pfanne wurde in Zeitabständen gesättigte Sole aus den Salzbergen eingeleitet und durch die Feuerung in steter Siedehitze gehalten. Das Wasser verdampfte und das Kochsalz blieb in kristalliner Form am Pfannenboden zurück. Die Salzkristalle wurden mit hölzernen Krücken abgezogen („ausgepehrt“), vorgetrocknet, in hölzerne Formen („Kufen“) eingestoßen und letztlich in Trockenkammern („Pfieseln“ oder „Dörrstuben“) gedarrt.

Die erste Ischler Pfanne wog 1200 Zentner (67,2 t), sie besaß eine Fläche von ca. 340 m² und fasste 2000 Eimer Sole (113,2 m³).

 

1656 betrug die Salzerzeugung auf der Ischler Salzpfanne um 500 Fuder (6 720 t) im Jahr. Die dafür nötige jährliche Soleerzeugung kann auf 200 000hl (20 000 m³) geschätzt werden. Dazu waren am Ischler Salzberg 25 Schöpfbaue und 5 Grubenwehren nötig.

 

Ischl besaß bis ins 19. Jahrhundert nur eine Pfanne. Die eingebaute „Österreicher Pfanne“ war eine kreisrunde, aus ovalen Blechstücken überlappt zusammengesetzte Pfanne von 12m Durchmesser mit einem Solestand von ca. 0,5m Tiefe, die in der Mitte mit einem Bündel eiserner Stangen gegen die Dachfirstbalken abgestützt bzw. daran aufgehängt ist. Den Pfannenumfang entlang standen Bänke, von denen aus die Pfannhauser mittels langer Krücken das am Boden der Pfanne ausgefallene Salz radial auszogen. Die Sole wurde bereits ununterbrochen in der Bedarfsmenge über Rinnen zugeleitet. Das Sudhaus war ein einziger Raum, in dem auch gleich das Salz in die Form, „Füderl“ genannt, geschlagen wurde. Eine Etage tiefer befanden sich die Feuerstellen, die tagaus, tagein mit stückig geschnittenen Baumstämmen befeuert wurden. Die Ischler Pfanne benötigte 38.500 Raummeter Holz pro Jahr und brachte dafür 6.000 Tonnen Salz. Bei einem Raumgewicht für lufttrockenes Fichtenholz von 400 kg/m³ ergab sich ein Jahresverbrauch von 15.400 t Holz. 100 kg Brennstoff lieferten somit lediglich 39 kg Salz.

Der enorme Holzverbrauch und die daraus resultierenden hohen Kosten für den oft weiten Antransport des Brennholzes führten im 18. Jh. zu Rationalisierungsmaßnahmen beim Salzsieden.

 

1766 legte der Kammergutphysikus Dr. Lebzelter einen Plan zur gründlichen Umgestaltung der Ischler Pfanne vor. Der Befeuerung sollte in die Pfannenmitte verlegt werden, weiters sollten 2 Pehrstätten zum Ausziehen des Salzes sowie eine Abdeckung der Pfanne errichtet werden.

 

Kaiserin Maria Theresia genehmigte den 3000 Gulden teuren Umbau der Ischler Pfanne, den das Verwesamt im Sommer 1768 beendete. Der erste einwöchige Sud lieferte auf 1 Klafter Brennholz um 36 Pfund mehr Salz wie sonst, das aber sehr feinkörnig war. Die Vorteile waren durch den vermehrten Mannschaftsbedarf viel zu teuer erkauft. Das Auspehren an zwei Orten erforderte je Schicht um einen Mann mehr, das Schüren bei der großen Hitze des mitten unter der Pfanne befindlichen Ofens war die ganze Schicht über ohne Aushelfer kaum erträglich und mühsamer, weil das Holz auf den Rost gehoben werden musste. Da die bis März 1769 verlängerten Versuche keine besseren Ergebnisse zeitigten, wurden diese eingestellt und die Pfannenfeuerung auf die alte Form zurückgebaut. Lediglich die 2 Pehrstätten und die Abdeckung der Sudpfanne blieben bestehen.

 

Bereits 1760 gelang dem Salinendirektor von Hall in Tirol, Josef v. Menz ein neues Salzerzeugungsverfahren zu entwickeln. Mit der neuen rechteckigen „Tiroler Pfanne“ war durch Solevorwärmung und Dörren des Salzes in eigenen Pfannen eine weitgehende Ausnutzung der Verbrennungswärme möglich. Außerdem wurden die Heizgase in den Dörrkammern durch Kanäle und Kamine geführt und konnten so das Salz nicht mehr durch Ruß und Staub verunreinigen. Erstmalig war es nun auch möglich mineralischen Brennstoffe wie Kohle zu verfeuern. Der Einbau eines Dunstfanges erleichterte das Arbeiten in dem früher dampfgeschwängerten, heißen Innenraum. Durch die vertikale Gliederung der Arbeitsvorgänge konnte viel an Zeit und Menschenkraft eingespart werden.

 

Die Pfannhauser befürchteten einen massiven Abbau von Arbeitsplätzen.  Sie verzögerten deshalb erfolgreich die Einführung dieser neuen Technologie. Erst 1796 konnte sich das neue Verfahren mit der Errichtung einer „Tiroler Pfanne“ in Ebensee, auch im Salzkammergut durchsetzen.

 

Bis um 1750 wurde das Salzsieden bei allen drei Verwesämtern (Hallstatt, Ischl und Ebensee) zur Vornahme der gewöhnlichen Wartungsarbeiten („Zuricht“) am Samstag jeder Woche unterbrochen. Bei der Zuricht wurde die in der Pfanne zurückgebliebene Mutterlauge abgelassen, dann der Pfannenboden von der anhaftenden, gipshältigen Salzkruste befreit, anschließend die Pfanne mit Kalkbrei zur Abdichtung bestrichen und wieder mit frischer Sole gefüllt.

 

Versuche das Sieden über den Sonntag hinaus in die zweite Woche fortzusetzen, mussten beendet werden, weil der zu starke Pfannkernansatz den Salzausfall behinderte. Die Hofkammer entschied sich für einen Versuch und ordnete 1783 bei allen drei Verwesämtern Proben mit ununterbrochenem zweiwöchigem Sieden an. Die Ergebnisse waren gut und so blieb fortan bei der zweiwöchigen Siedeperiode mit einer kurzen Unterbrechung bloß an jedem zweiten Sonntag. Die länger dauernde Hauptzuricht der Pfannen kehrte in der Regel nur einmal im Jahr wieder.

 

Die guten Erfolge mit der von Lenoble gebauten Tiroler Doppelpfanne in Ebensee bewogen die Hofkammer im Jahre 1823 auch in Ischl ein ähnliches Sudhaus ausführen zu lassen und Lenoble mit der Bauleitung zu betrauen. Nach dem Erwerb des Grundstückes im Jahr 1826 schritten die Bauarbeiten nur langsam voran, erst 1829 war der Rohbau fertiggestellt. 1831 kam es in Hinblick auf technische Verbesserungen der Sudanlage zu einer Abänderung des ursprünglichen Bauvorhabens. Schließlich konnte das neue Sudhaus, das sogenannte Tiroler Werk, 1833 in Betrieb genommen werden. Zur Erleichterung der Brennholzanlieferung wurde von der Klubhütte an der Traun zum Sudwerk eine eigene Eisenbahn gelegt.

 

Die Tiroler Pfanne, später auch „Erzherzog Franz Carl Werk“ genannt, war gerade rechtzeitig betriebsfähig geworden, als die alte österreichische Pfanne ihren Dienst versagte. Sie war in allen Teilen baufällig und besonders der Dachstuhl so morsch und schlecht, dass er täglich zusammenzubrechen drohte. Eine Wiederherstellung stand außer Frage, nur ein ganz anders gearteter Neubau konnte den geänderten Zeitverhältnissen Rechnung tragen. Als Baufrist war der Spätherbst 1834 angesetzt.

 

1833 wurde das 262 Jahre alte Sudhaus abgerissen. Nach den Plänen des Ischler Verwesers Karl von Plentzner entstand ein zweites Sudwerk mit einer Doppelpfanne, dass man nach dem Minister Graf Kolowrat benannte. Gleichzeitig errichtete man ein neues Dörrhaus und ein Salzmagazin (heute Pfarrheim).

 

Ein nach Fertigstellung der zweiten Pfanne des nunmehrigen „Kolowrat Werks“, im Juni 1835 durchgeführter Probesud entsprach den hohen Erwartungen. Der technischen Entwicklung entsprechend wurde die neue Produktionsstätte laufend modernisiert. So wurde 1845 ein neuer Pfannofen eingebaut und 1847 lieferte der Wiener Mechaniker Fletscher eine Solepumpe, eine Aufzugsanlage sowie eine hängende und eine liegende Eisenbahn zum Transport der Füderl in das Magazin und von dort weiter zum Verladeplatz („Auslände“) an der Traun.

 

Bereits 1840 erfolgte an das Tiroler Werk der Anbau eines eigenen Dampfbades für Inhalationen auf Initiative von Dr. Wirer.

 

Eine förmliche Umwälzung im Bau der Sudpfannen bedeutete die Einführung der Kesselnietung. Den ersten Anstoß dazu gab der Ischler Verweser Plentzner im Jahre 1840, der diese Blechverbindung in der badischen Saline zu Rappenau angetroffen hatte. Ihr gegenüber war die bisherige Stuckarbeit der Grobschmiede schwerfällig, teuer und verschwenderisch. Die Feuerstücke über dem Ofen wurden mit dreifachem Übergriff der Bleche geschlagen. Selbst damit war ein wasserdichter Abschluss der Bleche nicht zu erzielen, die Fugen mussten noch dazu nach jeder Zuricht mit Kalkbrot (Gemisch aus gelöschtem Kalk, Sole und Werg) gut übergossen werden.

 

Das Kolowrat Sudwerk war ganz auf Füderlsalzerzeugung (Füderl = ca. 12,5 kg schwere Salzstöcke in Kegelform) eingestellt, wohingegen das Erzherzog Franz Carl Werk ausschließlich Halbzentner Fuder (Fuder = ca. 60 kg schwere Salzstöcke in Kegelstumpfform) zur Fassabfüllung lieferte. Jedes Sudhaus hatte sein eigenes Personal, im Kolowrat Werk waren 88, im Tiroler Werk 20 Mann beschäftigt. Der größere Mannschaftsbedarf bei der Füderlsalzerzeugung ergab sich aus den vielen Nacharbeiten, dem Stoßen, Dörren und Putzen der Füderl, deren Eintragen in das Magazin, Wägen und Nummerieren.  Der Wochensud endete in beiden Sudwerken Samstag ½ 6 Uhr abends und begann Montag zur selben Zeit. Die sonntäglichen Zurichtarbeiten beschränkten sich auf die Reparatur der Öfen und Pfannsteher und das das Setzen von Spreizen in den Pfannen.

 

1848 entschloss sich die Hüttenverwaltung auch die Pfannenöfen im Kolowrat Sudwerk auf Pultfeuerung einzurichten.  Die Pultfeuerung war eine Feuerung mit geneigten Roststäben, bei der die Verbrennungsluft von oben auf das Brennmaterial traf und die rauchlose Flamme nach unten schlug. Damit war die Verfeuerung von Braunkohle möglich. Die Saline in Ebensee ging mit großem Eifer vor, vermehrte die Pultöfen und verbrauchte im Jahre 1851 wöchentlich 4000 Zentner (224 t) Kohle, die sie von der Bergbaudirektion in Wolfsegg bezog.

 

Einen völligen Umschwung der wirtschaftlichen Verhältnisse des Salzkammergutes brachte die im Jahre 1877 erfolgte Eröffnung der „Kronprinz Rudolf Bahn“ von Stainach/Irdning nach Schärding. Damit war die Braunkohlenzufuhr aus dem Wolfsegger Kohlenrevier möglich und gleichzeitig die Verschiffung des Salzes auf der Traun überflüssig geworden. Am 29. Oktober 1877 wurde zum letzten Mal Salz auf Traunschiffe verladen. Am 6. November 1877 wurde erstmals Salz mit der Eisenbahn von Ischl aus verfrachtet.

 

Die Sudhütte Ischl arbeitete seit 1888 durchwegs mit Kohle und erzeugte auf drei Pfannen mit einer gesamten Bodenfläche von 547 m², und zwar auf den zwei Pfannen des Kolowrat Werkes Formsalz („Füderlsalz“) und auf der Pfanne des Erzherzog Franz Carl Werkes seit 1892 loses, grobkörniges Salz („Blanksalz“). Ein Teil des letzteren wurde mittels einer im Jahre 1895 aufgestellten hydraulischen Salzbrikettpresse auf 1 bis 5 kg schwere Salzziegel umgearbeitet.

 

Aus dem Jahre 1897 liegen Betriebsdaten des Ischler Salzberges und der Ischler Saline vor:

Betriebsdaten Ischler Salzberg 1897:                      

Natürliche Sole   1,165.610 hl

Betriebsdaten Ischler Sudhütte 1897:                    

Speisesalz                         126.386 q                                                                                                                                    

Nebensalze                           4.783 q                                                                                           

Gesamtsalzerzeugung    131.169 q                                                                                                                       

Davon Formsalz   76.043 q, Blanksalz 48.648 q, Fabriksalz 1.903 q, Dungsalz 2.664 q                            

Solebedarf                        416.412 hl                                                                                                                                 

Kohlebedarf                     100.963 q                                                                                                                                      

Betriebszeit einer Pfanne  278,7 Tage

 

Im Zuge der Hauptzuricht 1912 wurden im Kolowrat Sudwerk beide Pfannen abgetragen und erneuert.

 

Die Ischler Saline war wie alle anderen Salzproduktionsstätten im Salzkammergut von den Entwicklungen nach dem Ersten Weltkrieg stark betroffen. Der Sudbetrieb konnte nur noch mit einer Pfanne weitergeführt werden, viele Salinenarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Warum die Ischler Saline nicht gänzlich aufgelassen wurde, dürfte mehrere Gründe gehabt haben: Einer davon war sicherlich, dass die Soleleitungen von Bad Aussee, Hallstatt und dem Ischler Salzberg zusammenliefen, über die auch das Solvay Werk in Ebensee seit 1900 beliefert wurde. Außerdem brachte man die Einrichtungen des Ischler Sudbetriebes knapp vor Beginn des Ersten Weltkrieges auf dem neuesten Stand der Technik (Einbau von Solewärmöfen, Auswechslung der Kohlengasfeuerung durch Treppenrostfeuerung, Bau von Kanaldörren und eines Salzaufzuges usw.). Ein wesentlicher Punkt war weiters, dass die Holztriftanlage des Rettenbaches nach wie vor intakt war und man kurzfristig auf Holzfeuerung umstellen konnte.

 

1926 förderte der Ischler Salzberg mit 150 Beschäftigten rund 80.000 Kubikmeter Sole pro Jahr. Im Sudhaus befeuerte man 2 Pfannen und erreichte so eine Jahresproduktion von zirka 10.000 Tonnen Salz.

 

Ab 1926 stand davon nur eine Pfanne in Betrieb. Durch Exportlieferungen nach Ungarn und Jugoslawien konnte im Herbst 1933 auch die zweite Pfanne wieder unterfeuert werden. Im gleichen Jahr begann auch der Abriss des stillgelegten, veralteten Erzherzog Franz Carl Sudhauses.

 

Im Jahre 1932 erfolgte die Auflassung der ehemaligen k.u.k. Schmiede und des k.u.k. Sägewerkes in der Götzstraße. Die Schmiede und Tischlerwerkstätten verlegte man in den Osttrakt des Kolowrat Sudwerkes.

 

Im Jahre 1938 verlor Österreich durch den Anschluss an das Dritte Reich das staatliche Salzmonopol. Damit waren jene Betriebe, die infolge hoher Gestehungskosten der aus armen Haselgebirge gewonnenen Sole und infolge Versiedens in veralteten Feuerpfannen das Salz zu teuer erzeugten, der Konkurrenz deutscher Salinen nicht gewachsen. Auch die Saline Bad Ischl war in ihren Einrichtungen veraltet, weshalb der Betrieb eingeschränkt wurde. Im April 1944 erfolgte die Stilllegung des Sudbetriebes. Die geeigneten Räume des Sudhauses fanden als Ausweichlager der Wehrmacht Verwendung. Es ist ungeklärt, ob außer der Hütte auch der Salzbergbau stillgelegt werden sollte.

 

Es waren politische und soziale Gründe die zur Wiederinbetriebnahme der in der NS Zeit geschlossenen Sudwerke Hall in Tirol, Hallstatt und Bad Ischl führten. Bereits im Herbst 1945 wurde daher auch das Ischler Sudwerk wieder reaktiviert, obwohl den Verantwortlichen durchaus klar war, das auf Dauer eine wirtschaftlich vertretbare Betreibung dieser drei kleinen, veralteten Salinen, nicht möglich sein würde.

 

Die zu geringe Produktivität und die ständig steigenden Kosten für Energie und Löhne führten zu Rationalisierungsmaßnahmen, die ohne Umbau des Sudbetriebes nicht durchzuführen waren. 1951 erfolgte die Einstellung des Sudbetriebes bei der Pfanne 1, acht Monate später wurde auch die veraltete Pfanne 2 stillgelegt und mit der Abtragung des ganzen Traktes begonnen. Eine Befeuerung nach dem neuesten Stand der Technik und eine Teilmechanisierung des Sudbetriebes konnte beim Neubau der Pfannen verwirklicht werden. Der Salzauszug aus den Pfannen rechteckiger Form, der Salztransport im Sudhause sowie die Kohlebeschickung der Feuerungen wurden weitgehend mit Kratzern, Schleuderbändern und Hebevorrichtungen mechanisiert.

 

Finanzminister Dr. Kamitz übergab 1954 das neue, moderne Sudhaus seiner Bestimmung.

 

Obwohl die bekannten Verdampferanlagen mit geschlossenen Apparaten nach dem Vakuumprinzip oder dem der Wärmepumpe, wärmetechnisch und damit wirtschaftlich ungleich günstiger arbeiteten, hatte man in Ischl bewusst wieder offene Feuerpfannen aufgestellt. Dieses Verdampfungsverfahren gestattete alleine die Herstellung von Grobsalz bis 3 mm Körnung. Das glasklare Grobsalz war vor allem als Speisesalz sehr beliebt und gefragt.

 

1964 erzeugten der Ischler Salzberg mit 87 Mitarbeitern 108 100 m³ Sole und die Ischler Sudhütte mit 76 Mitarbeitern 7 303 t Salz.

 

Am 2. April 1965 wird nach 394 Jahren die Ischler Sudhütte endgültig geschlossen.

 

Nur 11 Jahre nach dem Umbau wurden beide Pfannen in Ischl kaltgestellt und die Sudeinrichtungen demontiert. Das Salzmagazin im Westtrakt wurde bereits drei Jahre zuvor an die Pfarre Bad Ischl verkauft und durch das Pfarrheim ersetzt.

 

Einer der ersten Maßnahmen zur Betriebskonzentration des Bundesbetriebes Österreichische Salinen war die Schließung der in ihrer Produktion kleinsten Pfannensalinen Hallstatt und Ischl im Sommer des Jahres 1965. Die Produktion dieser beiden Salinen zusammen betrug im Jahresdurchschnitt der letzten 10 Betriebsjahre (1955 – 1966) nur noch 10,9 % der damaligen Gesamtsalzproduktion der Österreichischen Salinen.

 

Ein Grund für die Betriebskonzentration war, dass den Salinen seit 1951 die Preishoheit entzogen war. Die Verkaufspreise bestimmte der Hauptausschuss des Nationalrates. Die Preise blieben von 1951 bis 1974 über 25 Jahre unverändert. Betriebe der chemisch - salzverarbeitenden Industrie, wie etwa die Solvay – Werke in Ebensee und Hallein sowie die Donauchemie in Brückl, setzten Sole- und Salzpreise durch, die weit unter den tatsächlichen Gestehungskosten lagen. Außerdem ging der Anteil des besonders ertragreichen Speisesalzes am Gesamtabsatz von 78% im Jahre 1910 auf nur mehr 10% im Jahr 1985 zurück.

 

Wegen der schwierigen Rahmenbedingungen wurde im Herbst 1966 auch in Hall in Tirol die Salzproduktion eingestellt.

 

Mitte der 1970er Jahre wurde mit der Planung einer neuen, zentralen Salzproduktionsstätte in Ebensee begonnen. Die Grundzüge der als Neubau in Steinkogel bei Ebensee geplanten Saline waren eine Kapazität von 400.000 t/a bei etwa 307 Vollbetriebstagen (damaliger Salzbedarf: 250.000 t/a), eine Lagerhalle für 20% der Kapazität (80.000 t Inhalt), vor allem für Tausalz, und die Errichtung zwei gleich große Verdampfer mit Axial – Kompressoren. Die Baukostenschätzung lag bei etwa 50 Mio €.

 

Der feierliche Spatenstich erfolgte am 15.08.1976. Bereits am 06.06.1979 konnte das erste Salz aus der Saline Ebensee – Steinkogel erzeugt werden.

 

In der Saline Ebensee - Steinkogel wird das moderne und energiesparende Thermokompressionsverfahren zur Salzerzeugung angewandt.                                      

 

Bei diesem Verfahren erfolgt zunächst die Reinigung der angelieferten Sole, das heißt, die enthaltenen Härtebildner werden entfernt. Dies ist notwendig, um die Sole eindampfen zu können, ohne dass sich in den Anlagen Kesselstein bildet, der Rohrleitungen verkrustet und dadurch den Energieverbrauch stark ansteigen ließe. Durch Zugabe von Kalk und Soda erfolgt in einem zweistufigen Prozess die Entfernung der Härtebildner.

 

Dann wird die gereinigte Sole zu den beiden Verdampfern geführt, wo sie siedet. Bei diesem Siedevorgang verdampft der Wasseranteil der Sole, so dass infolge der Lösungsübersättigung das Salz auskristallisiert. Da Salzkristalle spezifisch schwerer als Sole sind, sinkt das Salz nach unten und wird als Salzbrei, der je zur Hälfte aus Salz und Sole besteht, abgezogen. Nach dem System der Wärmepumpe, das Peter Ritter von Rittinger 1856 in der Saline Ebensee entwickelte, entweicht dabei der heiße Dampf nicht an die Atmosphäre, sondern die darin enthaltene Wärmeenergie wird im Prozess weiter genutzt. Zwei Elektromotoren mit je 4000 kW Leistung verdichten den aus der siedenden Sole aufsteigenden, sogenannten Dampf („Brüdendampf“) und erwärmen in dadurch um ca. 20°C. Der erhitzte Dampf hält über Wärmetauscher die Sole am Sieden. Mit diesem System benötigt man nur mehr ein Siebzehntel jener Energie, die früher in den offenen, direkt beheizten Pfannenanlagen benötigt wurde.

 

Der aus den Verdampfern abgezogene Salzbrei wird in Zentrifugen ausgeschleudert, dabei wird das Salz von der verbleibenden Sole getrennt. Anschließend wird es mittels Heißluft getrocknet oder als Feuchtsalz mit einer Restfeuchtigkeit von knapp 2% in die Salzlagerhalle oder zum Versand gefördert.

 

Nach dem Ausbau der Saline Ebensee von 400.000 auf nahezu 500.000 Jahrestonnen im Jahre 1987 wurde auch die Produktion im Bergbau und in der Saline Hallein 1989 gänzlich eingestellt.

 

Im Juni 1999 konnte in der Saline Ebensee – Steinkogel der Verdampfer III in Betrieb genommen werden. Die Soleerzeugungskapazitäten der Bergbaue mussten dafür von etwa 2,3 Mio m³ auf 3,5 Mio m³ gesteigert werden.

 

Wegen des verstärkten Tausalz – Absatzes musste die Salzlagerhalle bereits 1986 von 80.000 t auf 100.000 t vergrößert werden. Im Jahr 2000 errichtete man eine zweite Lagerhalle für weitere 100.000 t Salz.

 

Mit der Errichtung des Verdampfers IV erreichte die Saline Ebensee – Steinkogel ab 2008 eine Produktionskapazität von etwa 1.150.000 t.

Verwendete Quellen:

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen vom Beginne des 16. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts“, Wien 1932

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1750 bis zur Zeit nach den Franzosenkriegen“, Wien 1934

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936

A. Klein „Die Salzsudwerke in Ebensee“, Werkszeitung Österreichische Salinen, 4. JG, 11. H, Wien 1931

Carl Schraml „Alte Sudhäuser im Salzkammergut“, Heimatgaue, 9. Jg., Linz 1928

Ischler Heimatverein „Bad Ischl Heimatbuch 2004“, Bad Ischl 2004                                                                                                                                 

Kurt Thomanek „Salzkörner“, Leoben 2007

F. X. Mannert „Von Ischl und den Ischlern …“, Bad Ischl 2012