Strehn

Als „Strehn“ bezeichnet der Salzbergmann alle unter und über Tage installierten Rohrleitungen zum Transport der Sole vom Gewinnungspunkt in der Grube zur Saline („Sudhütte“).

Die Sudhütten wurden zum günstigeren Antransport des nötigen Brennholzes sowie zum Abtransport des gewonnenen Salzes am Talboden in der Nähe von schiffbaren Gewässern errichtet. Die, wegen der leichteren Erreichbarkeit der Salzlager, auf Berghängen angesetzten Stollen waren seit jeher mit den Sudhütten über Rohrleitungen verbunden.

Die Soleleitungen baute man anfangs aus Holzrohren. Dazu wurden dünne, astfreie Baumstämme, meist Lärchen, mit Bohrern („Deichelbohrer“) der Länge nach aufgebohrt. Der Innendurchmesser der Holzrohre lag bei 80 – 100 mm, in Ausnahmefällen bis 130 mm, die Länge von 1 Klafter (1,9 m) bis 15 Fuß (4,7 m). Die Rohrverbindungen wurden durch Einfetten mit tierischen Fetten („Unschlitt“) und durch Umwickeln mit Flachs („Werch“) dicht gemacht.

Nach dem Auffinden des Salzlagers im 1563 angeschlagenen Mitterbergstollen gab Kaiser Maximilian II. am 23. März 1569 den höchsten Befehl zur Errichtung eines Sudhauses in Ischl. Bereits im Jahr 1571 konnte das erste Salz in Ischl gesotten werden.

Zur Versorgung des Ischler Sudhauses wurde vom Alten Steinbergstollen 1571 eine hölzerne Soleleitung errichtet.

Die vom Salzberg nach Ischl führende Soleleitung nahm bis 1775 ihren Weg von den Stollen im Steinbergrevier (Mitterberg-, Alter und Neuer Steinbergstollen) sowie von den oberen, nord- und westseitig auf das Pernecker Lager angeschlagenen Stollen (Lipplesgraben-, Johannes-, Matthias- und Neubergstollen) entlang des Törlbaches über den sogenannten „Sandpichl“ in die Au bei Perneck. Sie wurde um 1715 verdoppelt, wozu 997 Röhren von 10 Fuß Länge erforderlich waren.

Nach Inbetriebnahme der tiefergelegenen, nordseitig auf das Pernecker Lager angeschlagenen Stollen (ab Frauenholzstollen) wurde entlang des Sulzbaches ein zweiter Leitungsast gelegt, der im Bereich des heutigen Maria Theresiastollens auf den Steinbergstrehn getroffen sein dürfte. Ab hier verlief die Soleleitung über den „Perneckfuß“ in die Au, über die Pernecker Felder zum Jodlbühel und entlang der Luckenleiten oberhalb des Gasterbühels auf der alten Perneckerstraße nach Reiterndorf. Schließlich führte der Strehn entlang der heutigen Grazerstraße zum Ischler Sudhaus.

Der Ischler Salzberg besaß die längste Zeit hindurch keine Einschlagwerker, so dass die Sole unmittelbar von den Ablässen der Erzeugungswerker aus der Grube floss. Es mussten daher ober Tags Behältnisse geschaffen werden, um die trübe Sole zu klären, bevor man sie den Sudhütten zuleiten konnte. Die zwei dazu bestimmten Solebehälter befanden sich in der Solestube in der Au am Perneckfuß und wechselten in der Füllung und Entleerung ab. Die Bergmeisterschaft bezeichnete 1780 den Bau eines dritten Reservoirs als dringend nötig, dem Antrag wurde jedoch wegen der hohen Kosten nicht stattgegeben.

Bei der großen Länge der Hauptschachtrichten am Ischler Salzberg war es zweckmäßig, den Soleabfluss aus der Grube in den jeweils tiefsten Horizont zu verlegen und in der Nähe des Stollenmundloches die Solemess- und Vorratsstuben zu erbauen. Dies traf auch für die Ausleitung der ganzen erzeugten Sole aus dem Maria Theresiastollen zu. Die Bergverwaltung wählte aber unter Bedachtnahme auf die Zukunft für die Solestube einen Bauplatz unterhalb des Leopold Stollens aus. Die 1834 errichtete Solestube wurde mit mehreren Behältern ausgestattet.

Weiters wurden entlang des Strehns die Linzerkogel Sulzstube (heute Haus Eck 30, Fam. Gschwandtner) und die Buchen Sulzstube (heute Bestattung Anlanger, Wiesbühel) gebaut.

In den insgesamt 8 Solestuben entlang der Ischler Soleleitung konnten 7.900 hl Sole eingeschlagen werden.

Die Soleleitung von Perneck nach Ischl war 1934 mit einem Eisenrohr DN 100 für Sole ausgestattet. Das maximale Liefervermögen betrug 13 m³ Sole/h. Die Länge lag bei 4269 m und das Gesamtgefälle bei 151 m.

Der neben der Soleleitung verlegte Klebelsbergstrehn war eine Eisenrohrleitung DN 50 mit einem maximalen Liefervermögen von 0,5 m³/h. Die in der Klebelsbergkehr des Maria Theresiastollens gefasste Selbstsole diente für Trinkzwecke in den Kur- und Badehäusern Ischls.

Die Soleleitung von Perneck zum Sudhaus in Bad Ischl war bis zum Jahre 1957 in der Pernecker Straße verlegt. Ab dem Jahr 1957 waren alle Laugwerke der Pernecker Stollen ausbenützt und die in den tiefer liegenden Horizonten erzeugte Sole wurde seither über den Franz Josef Erbstollen abgegeben. Die Leistung konnte auf 30m³ /h gesteigert werden.

Der Ischler Salzberg wird heute durch das Sondenfeld Sulzbach ersetzt. Die Produktionsleistung des Sondenfeldes liegt derzeit bei ca. 90m³/h. Die hier gewonnene Sole wird über einen eigenen 3,4 km langen Strehn mit der Solemess- und Verteilstation („Zimentierung“) im Bereich der ehemaligen Ischler Sudhütte verbunden und auf die Rohrstränge zur Saline Steinkogel verteilt.

Ende des 16. Jh. konnte die Hallstätter Salzproduktion wegen massiven Brennholzmangel nur mit Mühe aufrecht gehalten werden. Aber die Staatskassen waren wegen kriegerischer Ereignisse leer und der Kaiser benötigte dringend die Einnahmen aus der Salzproduktion. Aus dieser Zwangslage heraus kam man auf die Idee, die Sole aus den entlegenen, holzarmen Tälern in holzreichere Gebiete zu leiten. Nur so war die Salzproduktion nachhaltig gesichert.

Kaiser Rudolph sandte 1591 eine Kommission nach Hallstatt, um den vom Hofschreiber Zacharias Kuttner und Bergmeister Hans Kalß eingebrachten Vorschlag, eine Soleleitung von Hallstatt nach Ischl und weiter nach Ebensee zu einem noch zu errichtenden Sudhaus zu bauen, zu prüfen. Als große Vorteile sah man den Wegfall des am „Wilden Lauffen“ bei Ischl recht gefährlichen Salztransportes auf der oberen Traun sowie die Einsparung des teuren Brennholztransportes mit Pferden und Schiffen über den See nach Hallstatt an.    

Nach längeren Verhandlungen ordnete Rudolf II. von Prag aus am 16. Oktober 1595 die Ausführung des Baues einer Soleleitung von Hallstatt zuerst nach Lauffen und dann bis Ischl an, schließlich befahl er ein Jahr später deren Fortsetzung nach Ebensee.

Der Ischler Bergmeister Hans Kalß erklärte sich am 17. September 1593 bereit, den Bau der Soleleitung zu übernehmen. Nach seinem Überschlag waren 6000 bis 7000 Röhren zu je 15 Fuß Länge (4,7 m) oder 3000 Stämme für die Leitung nötig.

Am 15. August 1596 erging das Generalmandat, in Ebensee ein neues Sudhaus zu errichten, 1599 wurde der Baugrund dafür aus dem Besitz der Stadt Gmunden erworben, 1604 mit dem Bau begonnen und 1607 das erste Salz gesotten.

1613 wurde die fast 30 km lange Soleleitung von Hallstatt bis Ebensee endgültig fertiggestellt.

Da die bestehende Soleleitung von Ischl nach Ebensee für die Versorgung auch der zweiten Pfanne in Ebensee nicht ausreichte, wurde gleichzeitig mit der Errichtung des neuen Sudhauses ab 1690 ein zweiter Rohrstrang gelegt, wozu 13 000 Holzröhren erforderlich waren.

Um die Soleverrechnung und Soleverluste im Durchrinnen wahrzunehmen beantragte der Oberhüttenmeister Schmidt 1769 die Einschaltung von 53 Mesströgen in die gesamte Soleleitung von Hallstatt bis Ebensee und in die Zuleitung vom Ischler Salzberg. Die an der Rückseite der Mesströge einströmende Sole floss an der Vorderwand durch eine oder mehrere kreisrunde Öffnungen von gleicher Weite und gleichen Bodenabstand in die angeschlossene Leitung wieder ab. Da die stündliche Durchflussmenge einer großen und einer kleinen Röhre in Eimern (1 Eimer = 56,6 l) bekannt war, genügte die Angabe der offenen großen und kleinen Röhren, um daraus die Abflussmenge berechnen zu können.  Die Einführung der Mesströge war ein großer Fortschritt, weil die in kurzen Abständen aufeinanderfolgenden Messstationen Soleverluste durch Leitungsgebrechen rasch auffinden ließen.

In den Jahren 1751 und 1752 fand auf der ganzen Soleleitungsstrecke von Hallstatt bis Ischl die Legung eines zweiten Rohrstranges statt, wobei stärkere Röhren von 15 Fuß Länge verwendet wurden. Der neue Rohrstrang lieferte in der Woche 16 Stuben (3.912 m³) gegenüber 12 bis 13 früher. Zur gleichen Zeit wurde auch die Umleitung des schwierigsten Teilstückes der ganzen Leitung, die Überquerung des Gosaubaches in Angriff genommen. Die Sole floss bisher in drei, aus starken, mit eisernen Ringen bewehrten Rohrsträngen von der rechten Talseite herab, übersetzte auf einem Holzgerüst den Bach und stieg dann unter Druck („im Zwange“) die jenseitige Steilböschung wieder hinauf. Nunmehr wurden Quaderpfeiler aufgeführt und über deren Köpfe in luftiger Höhe eine massige Brücke gelegt, über welche die Soleleitung im natürlichen Gefälle führte.

1800 war die Kälte so groß und anhaltend, dass die in der Sole enthaltenen Nebensalze, Glaubersalz und Gips auszuscheiden begannen und die Leitung verstopften,und zwar so stark, dass in der Hinlauf – Solestube in Goisern überhaupt keine Sole mehr ausrann. Dieser Vorfall gab wahrscheinlich Anlass zum Einbau von Solewärmstuben längs der ganzen Leitungsstrecke.

Je rascher die Sole durchfloss, desto geringer war natürlich die Gefahr des Einfrierens in den Leitungen; am größten daher im Talboden zwischen Ischl und Ebensee, wo auch genügend Wärmstuben zur Vorsorge standen. In diesen goss die Sole in langgestreckte Pfannen aus, unter welchen während der Frostgefahr ständig ein Feuer brannte. Als 1849 die Sole trotzdem einfror, schaltete das Verwesamt Ebensee in den Wärmstuben versuchsweise Gußeisenrohre in die Holzleitung ein, die durch einen in den Boden versenkten Ofen führten und so vom Feuer unmittelbar bestrichen wurden.

1842 ergab ein Versuch, dass ein in einem ebenen Straßenkörper verlegter Strähn aus Holz mit 13 cm lichter Weite eine Leistung von 55 hl, aus Eisen mit 12 cm lichter Weite eine Leistung von 120 hl erreichen konnte.

Soleleitungen müssen bis heute nach ein- bis zweijähriger Benützung mit Wasser (1 – 2 Monate hindurch) durchgespült werden („Strähnwässern“). Nach dem Durchspülen werden die aufgeweichten Gipskrusten unter Wasserdruck herausgeschwemmt („Schlädern“).

Die ursprünglich aus hölzernen Rohren errichteten Soleleitungen wurden von der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts an durch eiserne Rohrleitungen ersetzt. Gusseiserne Röhren hielten einen bedeutend größeren Betriebsdruck (bis zu 10 at) stand, als die hölzernen Röhren und hielten gut 50 Jahre in der Erde.

Zur Sicherstellung der Soleversorgung des Solvay - Werkes in Ebensee (Ammoniak- und Sodaproduktion) wurde in den Jahren 1905/06 eine 16,5 km lange Soleleitung vom Kaiser Franzstollen des Altausseer Salzberges über das Rettenbachtal nach Bad Ischl verlegt. Die Inbetriebnahme dieser Leitung führte in den Folgejahren auch zu einer nennenswerten Steigerung der Soleabgabe des Salzbergbaues Altaussee zu den Salinen Bad Ischl und Ebensee.

Seit der Zeit nach dem 1. Weltkrieg kamen Eternitrohre als Ersatz für die Gusseisenrohre zur Verwendung, seit den 1970er Jahren werden Kunststoffrohre („Polodur“ und „Polokal“) eingebaut.

Über das bestehende, insgesamt 58,8 km lange Soleleitungsnetz wurden in den letzten Jahren         ca. 2 Mio m³ Rohsole jährlich gefördert.

Verwendete Quellen:

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen vom Beginne des 16. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts“, Wien 1932

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1750 bis zur Zeit nach den Franzosenkriegen“, Wien 1934

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936

L. Janiss „Technisches Hilfsbuch für den österreichischen Salzbergbaubetrieb“, Wien 1934

Ischler Heimatverein „Bad Ischl Heimatbuch 2004“, Bad Ischl 2004                                                                                                                                  

Kurt Thomanek „Salzkörner“, Leoben 2007