Frauen- und Kinderarbeit im Salzbergbau

Frauen- und Kinderarbeit im prähistorischen Hallstätter Salzbergbau:

Im Rahmen archäologischer Forschungen an 40 Kinder- und Jugendlichen - Skeletten aus dem Hallstätter Gräberfeld durchgeführte anthropologische Untersuchungen legen den Schluss nahe, dass neben Frauen und Männern auch Kinder und Jugendliche intensiv in den Arbeitsablauf des prähistorischen Salzabbaus involviert waren. Beide Geschlechter scheinen von Kindheit an in den Salzbergbau eingebunden gewesen zu sein.

An den Kinderskeletten konnten Abnutzungserscheinungen einiger großer Gelenke sowie der Halswirbelsäule festgestellt werden. Aus den meist symmetrischen Abnutzungsmustern an der oberen Wirbelsäule könnte auf eine tragende Tätigkeit, die den Kopf involviert, geschlossen werden. Die Merkmale an den Knochen der Hallstätter Kinder, die auf frühe Arbeitstätigkeiten hinweisen, sind etwa ab dem 8. Lebensjahr greifbar.

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Abbildung 1: Lebensbild alteisenzeitlicher Salzbergbau Hallstatt, aus Reschreiter "Kinderarbeit in 100 m Tiefe"

Kleine Kinder könnten neben der Betreuung der Leuchtspäne zum Sammeln von Altmaterial und zum Transport von Betriebsmitteln eingesetzt worden sein, ältere Kinder zum Sammeln und zum Transport des Haukleins, dass beim Abbau der herzförmigen Salzplatten anfiel, sowie zur Wasserhaltung. Die Abnützung an den gefundenen Kinderschuhen legt ein ständiges Auf- und Abgehen auf Steigbäumen nahe. Jugendliche und Erwachsene waren je nach Geschlecht waren für das Herausarbeiten der Salzplatten und deren Transport verantwortlich. Die Abnutzungen an Frauenskeletten legen nahe, dass Frauen auf einer Schulter schwere Lasten getragen haben – vermutlich die Salzplatten. Der Abbau der Salzplatten blieb vermutlich männlichen Jugendlichen und Erwachsenen vorbehalten.

  

Frauen- und Kinderarbeit im Salzburger Montanbereich:

Das Thema der Beschäftigung von Frauen und Kindern im Salzburger Montanbereich und somit auch bei der Saline Hallein wurde wissenschaftlich umfassend bearbeitet. Angelika Kromas hat in ihrem Artikel „Zur Alltags- und Festkultur der Salzburger Bergknappen“ mit diesem Thema beschäftigt. Sie schreibt:

„Die Frauen- und Kinderarbeit im Salzburger Montanbereich ist noch ungenügend erforscht. Aber sie spielte durchaus eine Rolle. Kinder arbeiteten bis ins 19. Jahrhundert bereits ab ihrem 12. Lebensjahr, je nach ihren körperlichen und geistigen Fähigkeiten und verdienten den Lebensunterhalt: Bauernkinder als Hüterbuben oder Kindsdirn, Söhne von Knappen im Bergbau als „Klaubejungen“ u. ä.

Im Bergwerk arbeiteten Frauen zwar nicht als Häuerinnen, müssen aber dennoch Beschäftigung gefunden haben, denn in der Salzburger Bergwerksordnung von 1591 für Gastein und Rauris ist ein Verbot der Frauenarbeit erlassen worden. Auch am Dürrnberger Salzberg fanden Frauen und Töchter von Bergknappen bis zu Anfang des 17. Jahrhunderts Arbeit als Soleschöpferinnen. Im Hüttenwesen waren sie traditionell bei Hilfs- und Zuarbeiten beschäftigt. So arbeiteten Frauen beispielsweise im Gasteiner/Rauriser Revier als „Wäscherinnen“ bei der Erzaufbereitung, als Näherinnen der Säcke, sowie als Köchinnen und Kellnerinnen in den Knappenunterkünften.

In der Salzproduktion in Hallein arbeiteten Frauen vor allem in der Faktorei und im Sudhaus als Essens- und Bierträgerinnen, als „Ascheträgerin“ beim Ausräumen der Asche und Kohle aus den Öfen, als „Radgeherinnen“ in den Schöpfrädern, die die Sole in die Pfanne schöpften, als „Fuderträgerinnen“ und „Pfieseldirnen“.

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Abbildung 2: Ascheträgerin, Halleiner Fürstenzimmer, 1757, aus „Salz“, Salzburger Landesausstellung 1994

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Abbildung 3: Radgeherinnen, Halleiner Fürstenzimmer, 1757, aus "Salz", Salzburger Landesausstellung 1994

Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts, als die Hochkonjunktur im Bergbau nachzulassen begann, wurden die Frauen allmählich aus dem Bergbau, Hütten- und Salinenwesen verdrängt. Die oben erwähnte Bergordnung für die Reviere Gastein und Rauris begründet das Verbot von Frauenarbeit mit fehlender Wirtschaftlichkeit, denn „würdet durch sy wenig verrichtet und allein der Verlag und das Verdienen gemehret und gestaigert“. Der Strukturwandel in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts verschlechterte die Lage nochmal einmal wesentlich, so fanden in der Halleiner Salzproduktion schon um 1835 Frauen kaum mehr Arbeitsmöglichkeiten. Patriarchale Herrschaftsstrukturen, ökonomisch – rationelle und moralisch – ethische Überlegungen führten schließlich dazu, dass der Bergbau zu einer Männerdomäne wurde. Auch im Bereich des Berg- und Hüttenwesens zeigt sich also, dass Frauenarbeit so lange üblich war, als sie wirtschaftlichen Nutzen brachte.“

Thomas Hellmut nimmt in seinem Artikel „Salzarbeiterkultur. Die Funktion kultureller Traditionen im 19. Jahrhundert“ ebenfalls Bezug auf die Frauenarbeit.

„Auch in der Halleiner Saline konnte die Trennung zwischen Betrieb und Familie zunächst ausgeglichen werden. Noch im Vormärz waren Ehefrauen von Salzarbeitern für unterschiedliche Tätigkeiten in der Salzproduktion, etwa als „Salzhackerinnen“ oder „Kufenheberinnen“ verwendet worden. In vielen Fällen brachten die Frauen und zuweilen auch die Kinder ihren Männern bzw. Vätern Speisen und Getränke zum Arbeitsplatz. Pausen wurden bei dieser Gelegenheit zu einem Stück Familienleben genutzt.

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Abbildung 4: Salzhackerinnen, Halleiner Fürstenzimmer, 1757,  aus "Salz", Salzburger Landesausstellung 1994

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Abbildung 5: Reiftreiberinnen, Halleiner Fürstenzimmer, 1757, aus "Salz", Salzburger Landesausstellung 1994

Abbildung 6: Bierträgerin, Halleiner Fürstenzimmer, 1757, aus "Salz", Salzburger Landesausstellung 1994

In der Folge wurde männliche Arbeitslosigkeit durch die Entlassung von Salzarbeiterinnen partiell kompensiert. Es lässt sich schwer einschätzen, ob es für die betroffenen Frauen einen Fortschritt bedeutete, von schwerer körperlicher Arbeit entlastet zu werden, dafür aber die Möglichkeit eines eigenen Einkommens zu verlieren.

Mit der Zentralisierung der Saline in den 1850/60er Jahren erfolgte schließlich der Ausschluss betriebsfremder Personen, somit auch der „Essensträgerinnen“, die gleichsam ein Bindeglied zwischen Heim und Arbeitsplatz gebildet hatten.“

 

Frauen- und Kinderarbeit in den bayrischen Salinen:

 

Renate Weber beschäftigt sich in ihrem Artikel „Von „nassen und truckenen“ Dirnen. Frauenarbeit in den bayrischen Salinen“ ebenfalls detailliert mit diesem Thema. 

Besonders interessant ist ihr Hinweis auf Bergordnung des Erzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau aus dem Jahre 1592:

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Abbildung 7: Fürsterzbischof Wolf Dietrich von Raitenau, 1589, aus "Salz", Salzburger Landesausstellung 1994

„In der Bergordnung des Erzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau aus dem Jahre 1592 war kein Platz mehr für leichtfertige Weibsbilder. Da durch die Förderung der „Pergarbait der weibspilder die Leichtferttigkhait in dem Perg mer als nuz überhandt nimbt“, sollte der oberste Bergmeister keine Frauenarbeit mehr im Berg zulassen. Die Bergmeister, die für Wässerung der Laugwerke zuständigen Wasserknechte und andere Bergbeamte setzten zum Ausschöpfen der gesättigten Sole aus den Laugwerken mit Hilfe von ledernen Eimern – eine verhältnismäßig leichte Arbeit – ihre Frauen, Kinder und Dienstboten ein. Da diese Angehörigen aber auch die Last Haus- und Feldarbeit für die Anwesen der Bergleute zu tragen hatten, waren sie oft nicht imstande, geregelte Arbeit in Form der vorgeschriebenen Schichten zu leisten.

Der Erzbischof untersagte deshalb mit auffallender Schärfe den Einsatz des „fremd, leichtferttig, herrenloß und vill jung unerwaxen gsindl, welches mehr beß als guets anricht“, und verfügte, dass in „sonnderhait leichtferttige und verdechtige weybs Personen darbey kheines wegs gedultet oder gehalten werden“. Um für eine sorgfältige Aufsicht der insgesamt 72 Schöpfer zu sorgen, wurde für sie ein eigener Hutmann als Vorarbeiter und Kontrollor eingestellt.

Nachfolgend die Beschreibung der Frauenarbeit in den bayrischen Salinen von Renate Weber:

„Betrachtet man Bilder, die im 18. Jahrhundert in verschiedenen Salinen in Auftrag gegeben wurde, um das „gnadenvolle Salzwesen“ in allen seinen Details festzuhalten, entdeckt man unter den dargestellten Personen immer wieder, wie ganz selbstverständlich, arbeitende Frauen. Nach 1790 verschwinden sie aus den Reihen der Saliner und offensichtlich aus dem historischen Bewusstsein.

Das eigentliche Salzsieden wurde ausschließlich von Männern ausgeführt, den Pfannhausern, und zwar in Gruppen aus jeweils zehn oder elf Personen. Sobald das Salz auszukristallisieren begann – etwa alle drei Stunden –, musste es mit Kruken an den Rand der Pfanne, an die sogenannte „Pehrstatt“, gezogen und aus der Sole heraus in die 24 Perkufen geschaufelt werden, die auf einem Balkengerüst, dem „Asenbaum“, direkt über der Pfanne lagen. Das nasse Salz wurde mehrfach in den Perkufen festgestoßen. Man nannte das „Fuderstechen“ – eine reine Männerarbeit, die abwechselnd von den beiden Pfannhauser – Partien ausgeführt wurde, „zwar eine harte, jedoch die nothwendigste arbeith, denn ausser dessen würde man kein ganzes fueder bekommen“. Zuletzt musste die Kufe bis über den Rand gefüllt und nochmal „mit einem Bölzer nider und ein, sohin die Perkufen ebengeschlagen“ werden, „damit die Laab und wässrigkeit daraus kommt“. Bei dieser Arbeit half eine Frau, die „Urentdirn“, mit. Die Perkufen ließ man zum weiteren Abtropfen auf dem Asenbaum, danach wurden sie von Männern zum Urentmäuerl getragen, einer kleinen Mauer an der Stirnseite der Pfanne, in der Nähe der Feuerung. Auf dem Urentmäuerl wurden die Fuder mit der breiteren Seite abgestellt, die Perkufe mit einem Schlag abgelöst und leer wieder zur Pfanne zurückgetragen.

Die Urentdirn musste jetzt den durch die Perkufe geformten Salzstock auf Normgröße abmessen, zuschneiden und abglätten. Anschließend blieben die Fuder in der Hitze neben der Pfanne zum weiteren Abtrocknen stehen. Die Urentdirn musste das abgeschlagene Salz immer wieder zusammenkehren und es in einen der Solebottiche zum Erhöhen der Grädigkeit einwerfen.

Diese Solebottiche oder „Brunnstuben“ standen in unmittelbarer Nähe der Pfanne. In die Solebottiche musste auch die Sole zurückgegossen werden, die beim Abtropfen oder beim Pfannenablassen nicht verbraucht worden war, ebenso wie der beim Reinigen der Pfanne herausgeschlagene Pfannenstein.

Waren die am Urentmäuerl stehenden Salzstöcke etwas abgetrocknet, mussten sie – jetzt als „nasse Fuder“ bezeichnet – aus dem Pfannhaus in die Trockenkammer des Härtehauses, die „Pfiesel“, getragen werden, wo sie „gehärtet“ wurden. Dies war die Aufgabe der meisten in der Saline beschäftigten Frauen. Sie wurden als „Nacht- oder „Pfieseldirnen“, auch als „Fudertragerinnen“ bezeichnet.

In den Trockenkammern wurden die Fuder von den „Hauffensezern“ oder den Hausknechten auf Brettern oder gemauerten Podesten aufgereiht, bis der Raum gefüllt war. Sie trockneten einige Tage lang in der Hitze des offenen Buchenholzfeuers, bis sie hart wurden und beim Anschlagen wie eine Glocke klangen. Diese als „trockene Fuder“ bezeichneten Salzstöcke brachten die „Pfieseldirnen“ oder „trockenen Fudertragerinnen“ zu den „Stoßstätten“. Zum Tragen verwendeten die Frauen ein muldenartig geformtes Holzstück, das „fuedertrag Kröckhl“, in das die Fuder eingelegt wurden. Zum Schutz diente eine sogenannte „Fudertraghaube“. Das „fuedertrag Kröckhl“ sollte wahrscheinlich auch das Auseinanderbrechen der noch weichen, feuchten Fuder verhindern bzw. das Tragen der gepfieselten, heißen Fuder erträglich machen. Beim Auf- und Abladen war eine zweite Person behilflich. Ein nasses Fuder wog mindestens 30 kg.

In den Stoßstätten wurden die Salzstöcke auf den Boden geworfen, kühlten einen halben Tag lang aus und wurden anschließend mit Schlägeln zerstoßen. Das Salz sollte „nicht zu grob noch zu klein, sondern der größte khnollen eines Mannes Finger gleich sein“, also etwa halb daumengroß. In Hallein war das Stoßen aber auch – zumindest teilweise – Frauenarbeit, wie eine Abbildung von Joseph Lexhaller zeigt. Das zerstoßene Salz wurde für den Transport in Holzfässer mit einem Fassungsvermögen von ca. 3 Fuder eingefüllt. Es musste mit einem Holzstampfer fest eingestoßen werden, damit sich keine Hohlräume bildeten.

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Abbildung 8: Salzhackerinnen, Josef Lexhaller, 1802, aus „Salz Macht Geschichte“, Bayr. Landesausstellung 1995

Die Frauen gehörten zu der, am schlechtesten bezahlten, Lohngruppe. Nach einer Übersicht für Reichenhall aus dem Jahr 1705 verdienten Frauen zwischen 4 und 6 Gulden jährlich. Ein Pfannhauser kam 1705 auf 13 Gulden.

Die Hauptaufgaben der Frauen waren das Tragen von Lasten und das Zuarbeiten zu den männlichen Pfannhausern. Nicht zugelassen waren die Frauen in den bayrischen Salinen bei den unmittelbaren Arbeiten an der Pfanne. Auch Tätigkeiten außerhalb der Siede- und Härthäuser, am Holzlager und am Rechen, im Bereich der Soleleitung, im Sägewerk, in der Zimmerei und die Arbeiten im Wald waren reine Männersache.“

 

Frauen- und Kinderarbeit in den Kammergut Salinen:

Das Thema der Frauen- und Kinderarbeit in den Kammergut Salinen wurde bisher in der wissenschaftlichen Literatur noch nicht behandelt. Die dazu bekannte Aktenlage ist sehr dürftig.

Im 1. Reformationslibell aus dem Jahre 1524 werden für den Hallstätter Salzbergbau „20 Buben“ erwähnt, die zu kleineren Verrichtungen, wie „Berg“ aufziehen, Luftbalg treiben, Eisentragen und dergleichen verwendet werden.

Der entsprechende Eintrag auf Seite 60 lautet im Original:

“Von wegen der zwainzig khnecht das sein knaben der hat ainer von ainem taglon sechs phenning.Die sollen vnns darumb von den Eÿsnhewern den perg was die des gewÿnnen awß den Gruebm ziehen, vnnd In aws den henndnpringen, vnnd mit den vohern Lufft machen, die Eysn zu vnndvon dem schmid zetragen vnnd zu annder des pergs notturfftn aws geschäfft des pergmaister oder schaffers thun was angezaigt ist.“

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Abbildung 9: 1. Reformationslibell 1524, Seite 60, Archiv Salinen Austria

Insgesamt waren zu dieser Zeit im Hallstätter Salzberg 131 Mann beschäftigt.

Explizit erwähnt ist Frauen- und Kinderarbeit im Wirkungsbereich des Hallstätter Hofmaurermeisters, dessen Aufgabe die Instandhaltung der Amtsgebäude und des Pfannhauses war. Für eine „Weibsperson“ war der Taglohn mit 14 Pfennigen (3 ½ Kreuzer) und für einen „Buben“ nach seiner Größe und Arbeit mit 10 bis 12 Pfennigen (2 ½ - 3 Kreuzer) amtlich festgelegt. Die geringste Entlohnung eines männlichen Arbeiters war jener des „gemeinen Taglöhners“ mit 24 Pfennigen (6 Kreuzer). Ein fest angestellter Maurergeselle erhielt bereits 32 Pfennige (8 Kreuzer) Taglohn.

Vermutlich waren, wie in Hallein auch im Hallstätter Pfannhaus Frauen bei der Bedienung des Schöpfrades im Einsatz. Mit Hilfe des Schöpfrades wurde die vor Reparaturarbeiten in die „Labstube“ abgelassene, heiße Sole vor der Inbetriebnahme unter der Aufsicht eines Radmeisters wieder auf die Pfanne gehoben und eingeleitet.

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Abbildung 10: Hallstätter Pfannhaus, Labstube mit Schöpfrad, um 1773, Archiv Salinen Austria

Im 3. Reformationslibell aus dem Jahre 1656 finden sich ebenfalls einige wenige Hinweise auf Frauen- und Kinderarbeit im Salzwesen.

Zur Instandhaltung des Pfannhauses und der Amtsgebäude waren im Hofschreiberamt Hallstatt ein Hofmaurer und ein Hofzimmermeister mit den nötigen Arbeitern angestellt. Der Taglohn für „Weibspersonen“ wurde mit 5 Kreuzern und für „Buben“ je nach deren „Beschaffenheit ihrer Kräfte“ mit 6 bis 7 Kreuzern amtlich festgelegt. Der Taglohn eines männlichen „gemeinen Taglöhners“ betrug hingegen 10 Kreuzer.

Die im Verwesamt Ischl bezahlten Löhne waren deutlich höher als jene des Hofschreiberamtes Hallstatt. Der Taglohn eines vom Hofmaurermeisters beschäftigten „Weibs“ lag bei 7 ½ Kreuzer, jener eines gewöhnlichen männlichen Handlangers bei 10 Kreuzer. Ein Taglöhner oder „Bube“ erhielt im Ischler Salzberg 9 Kreuzer Taglohn. Die Taglöhner oder „Buben“ waren mit verschiedenen Hilfsarbeiten bei der Förderung, dem „Wetterfochen“ (Bedienung der Ventilatoren für die Zuführung von Frischluft) und dem Übertragen der Bergeisen zur und von der Bergschmiede beschäftigt.

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Abbildung 11: Wetterfocher, Kefer, Manipulationsbeschreibungen, 1836, Archiv Salinen Austria

Im Verwesamt Ebensee Lag der Taglohn für einen erwachsenen Buben ober eine „Weibsperson“ Im Bereich des Hofmaurermeisters wie in Ischl bei 7 ½ Kreuzer.

Die Kaufkraft des, Mitte des 17. Jh. bezahlten Frauenlohns war äußerst gering. Zu dieser Zeit kosteten 1 Metzen (Stadtmetzen Gmunden = 62 Liter) Korn 1 Gulden 30 Kreuzer (1 Gulden = 60 Kreuzer), 1 Metzen Weizen 45 Kreuzer – 1 Gulden, 1 Pfund (0,56 kg) Schmalz 8 – 9 Kreuzer, 1 Pfund Butter 5 – 6 Kreuzer und ein Paar „gemeine Mannschaftsschuhe“ 40 – 45 Kreuzer.

1724 wurde von der Hofkammer eine Spezifikation des Alters der Arbeiter vom Salzoberamt Gmunden angefordert. Die Aufstellung ergab, dass unter den 2.156 Arbeitern von Hallstatt, Ischl und Ebensee 1.134 in einem Alter unter 18 Jahren und 355 sogar in einem Alter von 7 – 12 Jahren in die Arbeit aufgenommen wurden.

1731 wurde dagegen ein scharfer Verweis an die Salzämter erlassen: „Diese jungen Burschen heiraten sofort, sobald sie ein Stück Brot verdienen, und so wird das Kammergut gar zu populos, und nicht genug daran, die jungen Burschen sind bei der Arbeit ungeschickt und unvorsichtig, werden beschädigt, und es kostet die Amtskasse nur Arztlöhne und Provisionen.“ So junge Leute durften daher nicht mehr in die Arbeit aufgenommen werden, und um es kontrollieren zu können, wurden das Gmundner Salzamt angewiesen, jedes Jahr eine Spezifikation über das Alter der Arbeiter nach Wien zu senden.

Ursprünglich waren die Familienmitglieder eines Kammergutarbeiters vom Hofkornbezug ausgeschlossen. Darin lag der Grund der Beschäftigung von Kindern auch unter 12 Jahren. Erst ab 1789 wurde der Hofkornbezug auf die Familienmitglieder ausgedehnt. Jährlich wurden für den Mann 8 Metzen, für das Weib 5 und für jedes Kind unter 12 Jahren 2 ½ Metzen gegen ein amtlich festgelegtes Entgelt ausgegeben. Ab dem Alter von 12 Jahren waren Kinder nun gezwungen einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, um so zum Familieneinkommen beitragen zu können.

1788 waren, von den im Verwesamt Ischl insgesamt beschäftigten 900 Arbeitern, 90 Kinder im Alter von 10 bis 15 Jahren.

Joseph August Schultes beschreibt in seinem Buch „Reisen durch Oberösterreich“ aus dem Jahre 1809 die Zusammensetzung des Personals am Ischler Salzberg. Dabei erwähnt er 12 „Werkbuben“, die den bei der Werkssäuberung anfallenden Laist in Eimer oder Truhen schaufeln und zum Absturz oder Aufzug bringen mussten.  Die Werkbuben waren Kinder der Bergleute. Außerdem führte er 16 „Lettenschlägerbuben“ an, die den Laist zu „Lettenziegeln“ für Verdämmarbeiten schlagen mussten. Die Lettenschlägerbuben waren ebenfalls zumeist Kinder der Bergleute. Ihr Wochenlohn war mit 42 kr. nur etwa halb so groß wie jener der übrigen Bergarbeiter. Um 1800 waren laut Schultes insgesamt 190 Mann am Ischler Salzberg beschäftigt. In seinen Aufzeichnungen findet man keinen Hinweis auf Frauenarbeit im Ischler Salzberg.

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Abbildung 12: Laisttransport zum Aufzug Kefer, Manipulationsbeschreibungen, 1836, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 13: Herstellung von Lettenziegeln, Kefer, Manipulationsbeschreibungen, 1836, Archiv Salinen Austria

Ab 1821 durften „Bergjungen“ oder „Manipulationszöglinge“, meist Söhne von Aufsichtsorganen, in den Salzbergbaubetrieben aufgenommen werden. Voraussetzung dazu waren ein Mindestalter von 12 Jahren und ein vorliegender Schulabschluss. Die Zahl der „Bergjungen“ war in Ischl mit 8 und in Hallstatt mit 12 gegrenzt. Sie dienten anfangs unentgeltlich und erhielten nach einer Probezeit bei befriedigender Leistung einen Lohn samt Hofkorn. Die Manipulationszöglinge zählten zur Arbeiterschaft. Sie leisteten anfangs nur auf den Salzbergen ihre Dienste und bildeten den Nachwuchs der Bergmeisterschaft. Mit der Entwicklung der Technik im Hütten- und Forstwesen war die Einstellung auch in diese Betriebe notwendig geworden. Ihre Ernennung und Beförderung lag im Wirkungskreis des Salzoberamtes Gmunden.

1824 beschwerte sich die Wiener Hofkammer beim Salzamt Gmunden, dass die Verwesämter trotz gegenteiliger Weisungen die der Schule entwachsenen jungen Leute ohne viel Rücksicht auf die Bedürfnisse der Betriebe weiterhin aufnahmen. Damit begann für die Jugendlichen  der lang ersehnte Proviantgenuss mit Korn und Schmalz.

Insgesamt dürften um 1820 etwa 5.000 Arbeiter im Salzwesen verwendet worden sein. Dieser Stand wurde schon im Jahre 1825 um 1.058 Köpfe vermindert. 1832 dienten im Salzwesen 3.858 Mann, davon in Ischl 741 Mann. 1851 setzte das Ministerium den Höchststand der stabilen Arbeiter mit 3.739 Mann fest. Nur ein stabiler Arbeiter hatte Anspruch auf Proviantfassung (Hofkorn und Schmalz), ärztliche Behandlung und Krankengeld sowie Provisionen (Altersversorgung).

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Abbildung 14: Ischler Salinen Kornstadl, Amtschmiede, Amtsäge, 1870, Archiv ÖNB

Die Verwesämter waren bei vermehrten Krankenständen, militärischen Einberufungen und Mehrbeanspruchungen durch größere Bauprojekte genötigt, um den Betrieb störungsfrei fortführen zu können, neben den stabilen Arbeitern auch zeitlich begrenzt Intermalarbeiter aufzunehmen. Die 1829 erstmals genannten Intermalarbeiter hatten jedoch keinerlei Anspruch auf Proviantfassung, ärztliche Behandlung und Krankengeld sowie Provisionen. Unter den Intermalarbeitern waren vor allem auch Frauen, Kinder und Jugendliche vertreten.

Statistiken des k.k. Finanzministeriums aus den Jahren 1858 – 1862 zeigen den Frauen- und Kinderanteil an den Beschäftigten der oberösterreichischen Salinenämter:   

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Die prozentuell stärksten, jährlichen Schwankungen treten bei den beschäftigten Kindern auf, während der Anteil der beschäftigten Frauen mit 173 relativ stabil bleibt. Der Frauenanteil lag im Schnitt bei 8 %, jener der Kinder im Schnitt bei 3 %.

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Abbildung 15: Hallstätter Kerntragweiber, um 1900, Archiv ÖNB

Zur typischen Frauenarbeit zählte das Tragen von Lasten am Kopf oder in Säcken auf dem Rücken. Die „Kerntragweiber“ von Hallstatt bildeten ein typisches Beispiel, deren Tätigkeit bis ins Jahr 1890 nachgewiesen werden konnte. Sie mussten das Kernsalz mehrmals täglich über einen Höhenunterschied von 520 Metern ins Tal tragen, die Lasten betrugen 30 bis 40 kg.

Frauen- und Kinderarbeit im Salzfertigerdienst:

Die Salzfertiger bildeten für lange Zeit das unentbehrliche Verbindungsglied zwischen den Erzeugungsstätten des Salzes und dessen Absatzmärkten. Obwohl die Fertiger das Salz nicht selbst verkaufen durften, so führten sie dessen Umarbeitung in transportfähige „Salzküfel“ und deren Transport durch. Ihre Tätigkeit bestand im Ankauf des Salzes („Salzfuder“) bei den Sudhäusern, dessen Verpackung in hölzerne Gefäße („Salzkufen“) sowie der Transport zu den Ladstätten (Verkaufsstellen) an Traun und Donau. Für die Durchführung dieser Arbeiten nahmen die Salzfertiger Lohnarbeiter auf, so dass sie zu kleinen Unternehmern wurden. Die Fertiger wurden vom Salzamt entsprechend der Menge der hergestellten und transportierten Salzküfel nach amtlich fixierten Sätzen entlohnt.

Die Zahl der Salzfertigungen war im Großen und Ganzen eine konstante. Im Jahre 1740 verteilten sich die 37 im Salzkammergut bestehenden Fertigungen auf 8 in Gmunden, 10 in Hallstatt, 13 in Ischl und 6 in Lauffen. Die Gesamtzahl aller in den Salzfertigungen beschäftigten Arbeiter, ohne die im Fertigungsprozess ebenfalls mit eingebundenen Familienmitgliedern, lag zu dieser Zeit bei 552.

In den häufigen Kriegszeiten, wenn die Salzproduktion absackte, war die Not der „Fertigerarbeiter“ und ihrer Familien sehr groß. Viele Fertiger sahen sich dann oft außerstande, Lohnfortzahlungen zu leisten, da sie selbst verschuldet waren. In solchen Fällen zeigte sich die Hofkammer erst nach langen Drängen durch Eingaben und Bittschriften zur Hilfe bereit. Die „Fertigerarbeiter“ erhielten als außerordentliche „Gnad“ lediglich einmalige Geldgaben oder bestimmte Mengen an Hofkorn. So blieb die Not ein dauernder Gast in den Heimstätten der Fertigerarbeiter, die nicht müde wurden, zu klagen und um Hilfe zu bitten.

Bei täglich zehn- bis zwölfstündiger Arbeit, an der die gesamte Familie, auch Frauen und Kinder mithelfen mussten, konnten sie sich in normalen Zeiten gerade durchbringen, für Alter und Krankheit aber nichts ansparen. Sie standen im Fertigerdienst, waren also keine kaiserlichen Arbeiter und hatten deshalb weder auf Hofkorn noch auf freie ärztliche Behandlung und Provisionen (Altersversorgung) Anspruch.

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Abbildung 16: Kind als Spangenträgerin, Halleiner Fürstenzimmer, 1757, aus "Salz", Salzburger Landesausstellung 1994

1694 richteten die Ischler Kufer, Beschlager und Schiffleute an die Hofkammer eine flehentliche Bitte, ihnen in ihrer äußersten Not zu helfen: „ihr wenig Leibgewandl völlig abgerissen, wir uns und den unsrigen nur nichts mehr nachschaffen, noch weniger das Maul hindurchbringen können, im Laufen schon etliche Personen aus Mangel an Brot ausgehungert und mit Tod abgegangen. Wenn uns nicht geholfen wird, müssen wir mit Weib und Kindern auswandern und dem lieben Almosen nachgehen, von den Fertigern erlangen wir keine Hilfe, weil selbige selbst Not leiden und uns am Samstag unseren geringen Verdienst zeitweils nicht bezahlen können“. Der Notschrei verhallte nicht ungehört, die Fertigerarbeiter erhielten wiederum eine einmalige außerordentliche „Gnad“ in Form einer Zuzahlung von 1 kr zum Taglohn für das abgelaufene Jahr.

Die Not der Fertigerarbeiter und ihrer Familien zeigt sich vor allem in der Kaufkraft ihres Taglohnes. 1728 kam ein Fertigerarbeiter beispielsweise auf einen Taglohn von 4 kr 1 Pf. Laut eines Berichtes des Salzoberamtes an die vorgesetzte Ministerial – Banco – Deputation lagen im Jahre 1747 die Kosten für die wöchentlich erforderlichen Lebensmittel (Gries, Mehl, Brot, Butter, Schotten, Schmalz) für einen Arbeiter samt Familie bei 1 fl 13 kr 1 Pf. Der Wochenverdienst eines Fertigerarbeiters entsprach lediglich 40,6 % der erforderlichen Lebenshaltungskosten.

 

Gesetzliche Regelungen zur Frauen- und Kinderarbeit im Bergbau des 19. Jahrhunderts:  

Nach längeren Vorarbeiten, zahlreichen Gutachten, Entwürfen und Revisionen wurde am 23. Mai 1854 das neue „Allgemeine Berggesetz“ von Kaiser Franz Josef I. durch Kaiserliches Patent, RGBL. 1854/146, kundgemacht. Es umfasste 16 Hauptstücke mit insgesamt 286 Paragrafen; keiner davon beschäftigte sich jedoch mit Frauen- oder Kinderarbeit.

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Abbildung 17: Berggesetz 1854, Deckblatt, RIS

Die Bergwerksbesitzer sahen in den Kindern nach wie vor nur billiges „Arbeitsmaterial“, das nach Möglichkeit auszubeuten sie sich nicht scheuten. Aber auch die Eltern sorgten nicht für sie; im Gegenteil, auch sie nützten ihre Kinder aus, nahmen sie frühzeitig mit in den Bergbau, um auf diese Art ihren allerdings kleinen Lohn zu vergrößern. Wenn auch verständigere Eltern einsahen, wie schädlich solche Arbeit für die körperliche, wie geistige Entwicklung wirkte, besaßen sie doch nicht die moralische Kraft, auf diese Art der Vergrößerung ihres Familieneinkommens zu verzichten. Ein Staatseingriff war somit völlig gerechtfertigt und notwendig geworden.

Zuerst musste für die bereits um 1880 geplante Gesetzgebung zum Schutz der Kinder die Frage geklärt werden, bis zu welchem Alter eine Arbeit überhaupt unzulässig und daher zu verbieten sei, bzw. bis zu welchem Alter eine regelmäßige, anstrengende Beschäftigung die körperliche Entwicklung so weit hindere, dass eine dauernde Schädigung des Organismus die Folge sei.

Auch hinsichtlich der Frauen musste sich die Gesetzgebung besonders nach zwei Richtungen erstrecken: Begrenzung der Arbeitszeit und Beschränkung der Verwendung. Zugunsten eines Maximalarbeitstages sprach  nicht alleine die Rücksichtnahme auf Gesundheit und körperliche Entwicklung, sondern, dem damaligen Rollenbild der Frau entsprechend, auch der Umstand, dass die verheirateten Arbeiterinnen als Führerinnen des Hauswesens sowie als Pflegerinnen und Erzieherinnen von Kindern wichtige Pflichten zu erfüllen hatten, die sie bei übermäßig langer Arbeitszeit nicht zu erfüllen vermochten.

Nach jahrelangen Diskussionen und Abwägungen zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Bergwerksbesitzer und den erstarkenden sozialpolitischen Interessen des Staates, wurde gegen den massiven Widerstand der Wirtschaftstreibenden am 21. Juli 1884 die Arbeiternovelle  R.-G.-Bl. Nr. 115 beschlossen.

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Abbildung 18: Arbeiternovelle 1884, RIS

Dieses Gesetz sah erstmalig eine Altersbegrenzung Bergarbeiter vor. Im Allgemeinen war ab nun zur Aufnahme zu Bergarbeiten das zurückgelegte 14. Lebensjahr erforderlich. Nur ausnahmsweise durften Kinder zwischen dem vollendeten 12. und 14. Lebensjahr für leichte Arbeiten über Tage, unbeschadet ihrer Schulpflicht, über Ansuchen ihrer Eltern oder Vormünder mit besonderer Bewilligung der Bergbehörde verwendet werden.

Jugendliche Personen männlichen Geschlechtes, welche das 16. Lebensjahr nicht überschritten haben, durften nur in einer Weise beschäftigt werden, „welche ihrer körperlichen Entwicklung nicht nachteilig ist“. Eine spezielle Maximalarbeitszeit für jugendliche Personen gab es nicht; aber eine allgemeine Bestimmung, welche für alle Bergarbeiter ohne Unterschied des Alters und Geschlechtes galt, begrenzte die Schichtdauer auf 12 Stunden, während welcher die wirkliche Arbeitszeit 10 Stunden nicht überschreiten werden durfte. Der Beginn der Schicht wurde nach der Zeit der Einfahrt, ihre Beendigung nach der vollendeten Ausfahrt berechnet. Von einem Verbot der Nachtarbeit sowie einem ausdrücklichen Verbot für gewisse Beschäftigungen wurde auf Druck der Bergwerksbesitzer Abstand genommen.

Für jugendliche Arbeiter weiblichen Geschlechtes galten dieselben Vorschriften mit einer einzigen Ausnahme, dass bei ihnen das jugendliche Alter bis zum 18. Lebensjahr gerechnet wurde. Außerdem durften ab nun Frauen und Mädchen jeden Alters nur mehr über Tag verwendet werden. Wöchnerinnen durften die Arbeit erst sechs Wochen nach ihrer Niederkunft beginnen, mit ärztlicher Bestätigung ihrer Arbeitsfähigkeit aber bereits nach vier Wochen.

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Abbildung 19:Salinenarbeiter Hallein, um 1900, Archiv Salzburgmuseum

1911 wurde mit dem R.-G.-Bl. Nr. 237 das Gesetz über „Kinder- und Frauenarbeit im Bergbau“ novelliert. Ab nun war die Beschäftigung für Jungendliche vor dem vollendeten 14. Lebensjahr im Bergbau generell verboten und für Frauen sowie Mädchen wurde ohne Unterschied ihres Alters ein Nachtarbeitsverbot zwischen 8 Uhr abends und 5 Uhr morgens eingeführt.

Die neuen gesetzlichen Grundlagen sind in einer „Dienstordnung für das Arbeiterpersonale bei der k. k. Salinen-Verwaltung Bad Ischl“ aus dem Jahre 1913 enthalten. Laut dieser Dienstordnung dürfen jugendliche Bergarbeiter im Alter zwischen 14 und 18 Jahren zu folgenden Tätigkeiten nicht eingesetzt werden:

  • zum Putzen (Reinigen) von eingehängten Fenstern;                                                                                                

  • zu Arbeiten welche auf Leitern vorgenommen werden müssen;                                                                                 

  • zu Arbeiten auf Dächern;                                                                                                                                           

  • zum Wasserschöpfen aus Flüssen und Bächen;                                                                                                         

  • zum Ofenheizen;                                                                                                                                                                

  • zum Anzünden und Auslöschen von Lampen;                                                                                                              

  • zur Bedienung von Motoren und motorisch betriebenen Werkzeugmaschinen;                                                        

  • zum Haspelziehen, Bremsen, Karrenlaufen in ansteigenden Bahnen, zum Fortbewegen von Förderhunten in steigenden oder fallenden Bahnen, zum Wasserziehen und zum Fortbewegen von Förderhunten größeren Gewichtes oder mit schwerer Ladung überhaupt;                                                    

  • zu irgendwelchen Dienstleistungen während der Nachtzeit, das ist in der Zeit von 6 Uhr abends bis 6 Uhr früh.

 

Mit der Novelle des  Gesetzes über Kinder- und Frauenarbeit - StGBl. Nr. 406 vom 28. Juli 1919 wurde generell die Nachtarbeit für jugendliche Bergarbeiter verboten.

Der  §2 Abs.1 dieses Gesetztes lautet: „Weibliche Arbeiter ohne Unterschied ihres Alters und jugendliche männliche Arbeiter dürfen beim Bergbau zur Nachtzeit, das ist in den Stunden zwischen acht Uhr abends und fünf Uhr morgens, nicht beschäftigt werden.“ Im Abs. 2 wird auch eine Nachtruhe vorgeschrieben: „Die Nachtruhe der im ersten Absatz bezeichneten Arbeiter muss mindestens elf aufeinanderfolgende Stunden betragen.“  Außerdem wird im § 7 ein Verbot zur Leistung von Überstunden verordnet: „Jugendliche Arbeiter (§1 Absatz 2) dürfen in Überstunden nicht beschäftigt werden.“

Die Zentralisierung der Salinen und die neue Sozialgesetzgebung bedeutete am Beginn des 20. Jh. das endgültige Aus für die Beschäftigung von Frauen und Kindern im Bergbau. Lediglich in Kriegszeiten fanden Frauen im 20. Jh. wieder Beschäftigung im Bergbau, die sie jedoch nach Rückkehr der Männer wieder verloren.

So verblieben bei den Salinen lediglich Frauenarbeitsplätze in der Verwaltung, in Werkstätten oder im Reinigungsbereich.

 

Frauenarbeit im Bergbau Heute:

Das generelle Frauenarbeitsverbot im untertägigen Bergbau blieb in Österreich bis ins Jahr 2001 bestehen. Mit dem BGBL. Nr. 98/2001 vom 31.07.2001 wurden für Frauen einige Erleichterungen beschlossen.

Folgende Ausnahmen vom Frauenarbeitsverbot im untertägigen Bergbau wurden bewilligt:

  • Für Personen in leitender Stellung, die keine körperliche Arbeit verrichten;

  • Für Personen, die im Gesundheitsdienst und Wohlfahrtswesen tätig sind;

  • Für Personen, die während ihrer Studien eine Zeit praktischer  Berufsausbildung in den unter Tag gelegenen Teilen eines Bergwerkes durchmachen;

  • Für sonstige Personen, die gelegentlich die unter Tag gelegenen Teile eines Bergwerkes in Ausübung eines Berufes befahren, der keine körperliche Arbeit erfordert.

Damit war ab nun die Beschäftigung von Frauen unter Tage vor allem im Bereich des Vermessungswesens und geologischer Tätigkeiten möglich geworden.

Im Sommer 2004 wurde wegen des untertägigen Beschäftigungsverbotes für Frauen seitens der EU-Kommission ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich eingeleitet. Das Österreichische Recht stand im Widerspruch zum in der EU geltenden Verbot der Frauendiskriminierung. Das Argument Österreichs, Frauen seien schwächer und hätten daher im Bergbau ein höheres Gesundheitsrisiko, war nicht von den geltenden EU-Bestimmungen abgedeckt.

Der Einspruch Österreichs zum Vertragsverletzungsverfahren wurde am 1. Februar abgelehnt und Österreich verpflichtet seine gesetzlichen Grundlagen zum Frauenarbeitsverbot unter Tage zu überarbeiten.

Dieser Forderung kam Österreich in der Folge durch die Überarbeitung des Arbeitnehmerinnen –Schutzgesetzes nach. Heute dürfen Frauen gleichberechtigt mit Männern unter Tage arbeiten. Für Frauen gelten lediglich Sonderregelungen, wie bei der Schwangerschaft oder Mutterschutz, die auf spezifische Bereiche beschränkt bleiben.

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Abbildung 20: Bergbautechnologin, Werk Hattorf Quelle Kali und Salz

Verwendete Quellen:

Anton Dicklberger „Salinen – Geschichte Oberösterreichs“, 1817, Transkription Thomas Nussbaumer, Weitra 2017

Thomas Hellmut „Salzarbeiterkultur. Die Funktion kultureller Traditionen im 19. Jahrhindert“ in „Bergbau – Alltag und Identität der Dürrnberger Bergleute und Halleiner Salinenarbeiter“, Salzburger Beiträge zur Volkskunde, Salzburg, 1998

Lieselotte Jontes „Bergfrauen-Arbeiterinnen-Studentinnen“, Leoben 2014

Karel Kramar „Die staatliche Lohnpolitik und die Lage der Arbeiter in den Salinen des Salzkammergutes bis 1748“, JB. Für Nationalökonomie, Wien 1896

Victor Felix von Kraus „Wirtschafts- und Verwaltungspolitik im Gmundner Salzkammergut“, Freiburg 1899

Angelika Kromas „Zur Alltags- und Festkultur der Salzburger Bergknappen“ in „Bergbau – Alltag und Identität der Dürrnberger Bergleute und Halleiner Salinenarbeiter“, Salzburger Beiträge zur Volkskunde, Salzburg, 1998

NN „Dienstordnung für das Arbeiterpersonale bei der k. k. Salinen-Verwaltung Bad Ischl“, Linz 1913

Hans Reschreiter, Doris Pany – Kutschera, Dominic Gröbner „Kinderarbeit in 100 m Tiefe?“, Linz 2013

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen vom Beginne des 16. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts“, Wien 1932

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1750 bis in die Zeit nach den Franzosenkriegen“, Wien 1934

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936

Joseph August Schultes „Reisen durch Oberösterreich“, Band I,Tübingen 1809, Reprint Linz 2008

Renate Weber „Von „nassen und truckenen Dirnen“. Frauenarbeit in den bayrischen Salinen“ in „Salz. Macht. Geschichte“, Haus der bayrischen Geschichte, Augsburg, 1995