Soziales – Personalstand und Tätigkeiten:

Am Beginn des 17. Jahrhundert wurden in den Salzbergen folgende Tätigkeiten beschrieben:

Der Bergmeister wurde vor seinem Dienstantritt vom Salzamtmann in Gmunden vereidigt. Er war der verantwortliche Leiter des Bergbaubetriebes und hatte die Pflicht, „allweg einen jungen geschickten Eisenhäuer neben ihm aufzuzügeln, demselben der Berg Schien, Wag und Maß fleißig und treulich zu unterweisen, auch eigentlich lernen und unterrichten, dadurch Ihr. Maj. denselben zu einem künftigen Bergmeister gebrauchen möchten“.

 

Der Bergschaffer war ebenfalls beeidet und hatte auf die Ordnung im Berge und die Einhaltung der vorgeschriebenen Leistungen zu sehen, damit die Arbeiter den ihnen zustehenden Lohn bekommen.

 

Als Beschauer oder Geschworene wurden drei Eisenhäuer vom Bergmeister ausgewählt; sie waren als solche unbesoldet und hatten gemeinsam mit dem Bergmeister und Schaffer die Sole gutzusprechen, bei der Abmaß ihr Gutachten über die Art und Beschaffenheit des Gesteins abzugeben und bei der Abrechnung des Gedinges (bergmännischer Akkord) mitzuwirken.

 

Die Eisenhäuer erhielten einen wöchentlichen Lohn als Vorschuss auf die festgesetzte Quartalsleistung am Gestein.

 

Am Ischler Salzberg waren 9 Eisenhauer in drei Schläge (Arbeitsgruppen) eingeteilt und arbeiteten die ganze Schicht hindurch am Gestein. Jeder Schlag hatte im Vierteljahre 27 Stabel (d. h. 3 Stabel pro Mann und Quartal = 3,58 m) vorzutreiben, um das volle Gedinge ausbezahlt zu bekommen.

Die Rüster hatten pro Schicht 1 ½ - 2 Joch (Ausbauzimmer) auszuwechseln. Ferner wurden sie zur Instandhaltung und Anfertigung von Förderhunten, für Reparaturen der Haspel in den Schöpfgruben und für die Erzeugung von Holmen für Häuereisen eingesetzt.

Die Karrner oder Förderer förderten die anfallenden Häuer- und Rüsterberge aus der Grube.

Die Schöpfer mussten die mit Sole gefüllten Eimer aus den Werkern aufhaspeln.

Die Knechte oder Buben waren mit verschiedenen Hilfsarbeiten bei der Förderung, dem Wetterfochen (Betreiben von Ventilatoren für künstliche Bewetterung) und dem Liefern der Bergeisen zur und von der Bergschmiede beschäftigt.

Der Bergschmied musste das Häuergezähe (Werkzeug) in Ordnung halten, stählen, schweißen und spitzen.

Der Köhler brannte aus dem ihm zugewiesenen Kohlholz die Schmiedekohle.

Den Karrenmachern oder Holzwürchern oblag die Herstellung und Ausbesserung der Schöpf- und Säubereimer wie die Vorbereitung von Joch- und Grundholz und dessen Zulieferung zu den Rüstorten in der Grube. Auch waren sie zur Beistellung der dazu nötigen Werkzeuge, wie Hacken und Dexel (Beil mit querstehender Klinge), verpflichtet.

 

Die 1656 im 3. Reformationslibell für Ischl festgesetzte Zahl der Bergarbeiter musste schon gegen Ende des 17. Jahrhunderts und noch mehr im 18. Jahrhundert erhöht werden, weil die beschleunigte Ausrichtung der tieferen Horizonte und die Vermehrung der Werker eine Verstärkung des Häuer-, Förderer- und Säubererpersonals erforderte.

 

Die Bergarbeiter und ihre verwandten Berufe genossen die fürstliche Freiung (fürstlichen Schutz) am Weg zum und vom Salzberg ausgenommen in Malefizsachen (schwere Verbrechen). Sie durften unter Androhung des Verlustes von Hab und Gut sowie Freiheitsstrafen kein Bündnis untereinander eingehen, noch Bündnisse gegen Vorgesetzte wie Amtleute, Verweser, Bergmeister oder Schaffer schließen und keine Misshandlung, Schelte oder Spott gegen ihre Mitarbeiter begehen. Der Salzdiebstahl und die nicht gemeldete Entfernung vom Salzabfällen war verboten, ebenso das Waffentragen. Den Eisenhäuern war jede andere Hantierung (Beschäftigung) untersagt.

 

Doch entspricht der Stand von 140 Mann im Jahre 1720 nicht der wirklichen Arbeitsleistung, da viele Bergleute nur halbe Schichten verfuhren.

 

Arbeiter am Ischler Salzberg:

 

Die folgende Aufstellung der Beschäftigungsverhältnisse im Ischler Pfannhaus zeigt das Überwiegen der Holzarbeit, die 70% der ganzen Arbeiterschaft beanspruchte, während kaum ein Viertel derselben für die eigentliche Salzerzeugung notwendig war. Die starke Vermehrung der Mannschaft gegen Ende des 17. Jahrhunderts hängt mit der Überbevölkerung im Kammergut zusammen, die bei allen Verwesämtern und Betrieben einen verstärkten Zudrang zur ärarischen Arbeit zur Folge hatte.

Arbeiter Ischler Pfannhaus:

Die Erbeisenhäuerrechte hatten ohne formelle Aufhebung um 1760 zu bestehen aufgehört. Die Häuerschaft zerfiel nunmehr in zwei Gruppen, die am Gestein und im Gedinge arbeitenden Wahlknappen und in die hiezu nicht mehr geeigneten, im Nachschlag und außer Gedinge beschäftigten Schopfknappen.

 

1763 hatte die Untersuchungskommission die bisher übliche Sechsstundenschicht durch die Achtstundenschicht mit darauffolgender 16 stündiger Ruhezeit ersetzt.Die Arbeiter fuhren Montag 4 Uhr früh an und beendeten die letzte Schicht am Samstag Mittag. Da sie wegen der weiten Entfernung ihrer Wohnstätten zwischen zwei Schichten nicht heimgehen konnten, fehlte ihnen zur Besorgung der Hauswirtschaft am Wochenende die Zeit. Sie baten daher um Wiedereinführung der alten Schichtenordnung, die ihnen das Oberamt 1770 auch gewährte. Nach dieser war die Wochenschicht ohne Verkürzung der Arbeitszeit schon Freitag zu Ende. Die Schichtzeit der Tagarbeiter begann im Sommer um 5 Uhr früh und endete um 6 Uhr abends, mit zwei einstündigen Ruhepausen um 8 Uhr und mittags. Für die bisher jährlich verfahrenen 286 ½ achtstündigen mußten künftig 382 sechsstündige Schichten geleistet werden. Die verhältnismäßig geringe Schichtenzahl kann durch die vielen Bergfeiertage erklärt werden. 1781 hob Kaiser Josef jedoch 26 solcher Bergfeiertage auf.

 

Selbst mit dem 1769 beträchtlich vermehrten Personal konnte wegen des beschleunigten Vortriebes der neuen Unterfahrungsstollen und der verstärkten Tätigkeit im Abbau in den folgenden Jahren am Ischler Salzberg das Auslangen nicht gefunden werden.

Arbeiter Ischler Salzberg:

1805 zählte die Belegschaft des Ischler Salzberges bereits 230 Mann.

Im Jahre 1805 beschäftigten die Verwesämter Hallstatt, Ischl und Ebensee insgesamt 3.422 Mann. Dazu kamen noch die 1.000 Arbeiter in Aussee, das vom Großkufenhandelsamt zur Fasselerzeugung  und zur Schifffahrt benötigte Personal, die Besetzung der Ladstätten und Stadel und die im Fertigerdienst stehenden Küfler. Insgesamt dürften etwa 5.000 Arbeiter im Salzwesen verwendet worden sein.

1851 setzte das Ministerium den Höchststand der stabilen Arbeiter mit 3.739 Mann fest.

Der Personalstand am Verwesamt Ischl lag zwischen 1805 und 1810 bei 968 Arbeitern.

Verwesamt Ischl:  Personalstand Mittel 1805 bis 1810

Joseph August Schultes beschreibt in seinem Buch „Reisen durch Oberösterreich“, Band I aus dem Jahre 1809 folgende Tätigkeiten am Ischler Salzberg:

Übersicht des Bergpersonales am Ischler Berge 1804:

Im Jahre 1822 hatten die Bergleute in Hallstatt und Ischl folgende Arbeitsordnung:

Die Säuberer, Knappenknechte (Förderer), Lettenschlager, Wegleger und Werkbuben begannen die Arbeit am Montag um 6 Uhr früh und verfuhren wöchentlich acht sechsstündige Schichten mit sechsstündiger Ruhezeit. Die Häuer werkten fünf sechsstündige Schichten mit zwölfstündiger Rast in 3 Küren vor Ort und begannen Montag um 6, 12 und 18 Uhr mit der Arbeit. Die sechste sechsstündige Schicht verbrachten sie im „Nachwerk“, also nicht am Gedingort während der Rastzeit und hatten Donnerstag mittags oder abends frei. Die Schopfknappen leisteten gleichfalls bloß sechs sechsstündige Schichten in der Woche, je zwei am Tage, waren aber nur zweimännisch eingeteilt und konnten somit ihre Wochenarbeit in drei Tagen vollenden. Die Büchelschreiber, Schmiede, Zeugverwahrer, Truhenrichter, Geimel und Rüster waren von Montag früh bis Donnerstag abends am Berg und arbeiteten täglich zweimal sechs Stunden, von 6 Uhr früh bis 7 Uhr abends mit einer einstündigen Mittagspause. Die Wässerer wechselten in sechsstündigen Schichten ab, verfuhren in der Woche 14 Schichten und waren dann die folgende Woche dienstfrei. Die Holz- und Hilfsknechte verblieben wie die übrigen Tagarbeiter vom Montag bis Donnerstag am Salzberg, bekamen aber für die vier Arbeitstage und den bezahlten Heimgang nur den Lohn für fünf Tage ausbezahlt.

 

Die nach den Absichten der Hofkammer 1841 eingeführte neue Schichtordnung in Verbindung mit einer Standes- und Lohnregulierung sollte organisatorische Nachteile beseitigen und die Betriebe auf eine rationellere Basis stellen.

 Die Bediensteten auf den Salzbergen waren nunmehr eingeteilt in:                                                                      

1. Die Meisterschaft ohne manuelle Tätigkeiten,                                                                                                                         

2. Hutleute mit manuellen Tätigkeiten,                                                                                                                         

3. Bergknappen 1., 2. Und 3. Klasse mit einem gegen den bisherigen um 30% erhöhten Wochenlohn,

4. Manipulationszöglinge (Bergjungen).

 

Die Zahl der systematischen Meister- und Arbeiterstellen war in Ischl mit 178, in Aussee mit 213 und in Hallstatt mit 301 Mann begrenzt.

 

Die Arbeitszeit sollte auf die ganze Woche ausgedehnt werden, Montag mittags beginnen und am Samstag mittags enden. Die Grubenarbeit sollten durchwegs acht sechsstündige Schichten dauern. Diese Schichtenordnung, welche die Grubenarbeiter die ganze Woche über am Salzberg zurückhielt, war bei den Bergleuten nicht beliebt.

 

1851 erreichten die Hallstätter Bergarbeiter dann doch die Bewilligung, die 48 Stunden Woche durch Abkürzung der bisherigen Ruhezeiten in fünf Tagen verfahren zu dürfen, so dass sie schon Freitag den Salzberg verlassen und den ganzen Samstag zur Besorgung der Hauswirtschaft benutzen konnten.  

 

Als Bergjungen oder Manipulationszöglinge, meist Söhne von Aufsichtsorganen, durften 1821 nur mindestens zwölfjährige, mit Schulzeugnissen versehene Knaben aufgenommen werden, deren Anzahl in Ischl acht, in Hallstatt zwölf nicht übersteigen durfte. Sie dienten anfangs unentgeltlich und erhielten nach einer Probezeit bei befriedigender Leistung einen geringen Lohn samt Hofkorn.

 

Wie in allen Betrieben war der Personalstand auch am Ischler Salzberg stark angewachsen.           

1823 betrug er 246, 1824 sogar 263 Mann, darunter 206 Bergarbeiter, 30 - 45 Holzknechte und 10 - 11 Zöglinge.

 

Die Sparmaßnahmen der folgenden Jahre machten sich nur langsam bemerkbar, 1832 waren 206, 1834 195 und 1837 183 Mann beschäftigt. Systematisierte Stellen gab es nunmehr 185, den etwaigen Mehrbedarf musste die Verwaltung durch die Aufnahme von unständigen Intermalarbeitern decken. In den Jahren 1847 bis 1849 beschäftigte der Ischler Salzberg insgesamt 200 Mann.                                             

Von den 185 systematisierten Stellen auf:

Klasse I      37 auf Häuer und Vorarbeiter                                                                                                                                   

Klasse II     41 auf Lettenschlager, Strehnarbeiter, Schmiede und Rüster                                                                                           

Klasse III    41 auf Förderer und Wegleger                                                                                                                                        

Klasse IV    37 auf Truhener                                                                                                                                                                      

Klasse V     29 auf Tschanderer und Werkbuben

 

Franz Grieshofer führt in seinem Bericht über „Das Ischler Bergfest“ in den Leobner Grünen Heften 1970 eine Übersicht über den Belegschaftsstand des Ischler Salzberges von 1650 – 1969 an

Ischler Salzberg: Belegschaftsstand 1650 - 1969

Maria Mittendorfer gibt in ihrem Werk über „Die Liquidation der Saline Hall“ aus dem Jahr 1970 einen Überblick über die Beschäftigtenzahl bei den Österreichischen Salinen im Jahr 1964.

Verwendete Quellen:

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen vom Beginne des 16. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts“, Wien 1932

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1750 bis zur Zeit nach den Franzosenkriegen“, Wien 1934

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936

Joseph August Schultes „Reisen durch Oberösterreich“, Band I,Tübingen 1809, Reprint Linz 2008

Franz Grieshofer „Das Ischler Bergfest“, Leobner Grüne Hefte , Wien 1970

Maria Mittendorfer „Die Liquidation der Saline Hall“, Beiträge zur alpenländischen Wirtschafts- und Sozialforschung, Folge 92, Innsbruck 1970