Berghäuser beim Kaiserin Maria Theresia – Stollen

 

Nach dem am 26. September 1775 mit großer Feierlichkeit erfolgten Anschlag des Kaiserin Maria Theresia Stollens, der bis 1808 Kaiser Franz Stollen genannt wurde, bewilligte die kk Ministerial – Banko – Hof – Deputation mit Entschließung von 25. Feber 1782 die Erbauung eines Berghauses am Steinbalfen, des später sogenannten „Alten Berghauses“.

Das bereits im Jahre 1783 erbaute Gebäude enthielt ursprünglich zu ebener Erde ein großes und zwei kleine Knechtszimmer und eine Küche, im 1. Stock zwei Herrschaftszimmer, eine Küche und ein Zimmer mit Kammer für einen Zuseher. Die Baukosten betrugen 2.693 fl 30 kr. (im Jahr 2020 ca. 53.900 € Geldwert lt. „Historischer Währungsrechner“, www.eurologisch.at).

Die Kernsubstanz des Alten Theresia Berghauses nahm eine Grundrissfläche von 15,2 x 9,8 m ein, erreichte eine Traufhöhe von 6,9 m und eine Firsthöhe von 10,7 m. Der zweifach anstehende Dachstuhl war mit Lärchenbrettern beziehungsweise im Traufbereich mit Blechbahnen gedeckt. Zur Illustration der Lebensverhältnisse kann die Tatsache dienen, dass im Erdgeschoß auf 44,5 m² 24 Knechte schliefen, während dem Zuseher allein ein 18,5 m² großer Schlafraum zur Verfügung stand.

Bereits 1784 wurde als zweites Berggebäude unmittelbar beim Mundloch des Maria Theresia Stollens die Bergschmiede gebaut.

                                

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Abbildung 1: Bergschmiede und Altes Theresia Berghaus, um 1840, Archiv Salinen Austria AG

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Abbildung 2: Altes Theresia Berghaus, um 1845, Archiv Salinen Austria AG

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Abbildung 3: Altes Theresia Berghaus, Schnittdarstellung, um 1845, Archiv Salinen Austria AG

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Abbildung 4: Bergschmiede, 1841, Archiv Salinen Austria AG

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Abbildung 5: Bergschmiede, Schnittdarstellung mit Wasserrad, Esse und Stollenmundloch, 1841, Archiv Salinen Austria AG

Am 22. Oktober 1791 brach in der Knechtsküche des Alten Berghauses ein Brand aus, der ohne größeren Schaden angerichtet zu haben, noch eingedämmt werden konnte.

Wegen der Baufälligkeit und der Notwendigkeit der Schaffung von neuen Wohnräumen wurde in den Jahren 1846 – 1847 die Bergschmiede nach Plänen des Salinenzeichners Drexler neu erbaut. In der neuen Bergschmiede wurden neben dem Schmied- und Schleifraum, der Eisenkammer und der Drehstube auch die Wohnung des 3. Berggeschworenen und eine Anstaltstube aus dem Alten Theresia Berghaus untergebracht. Im Alten Berghaus konnte der dadurch frei gewordene Raum zu dringend benötigten Schlafstellen für Bergarbeiter umgewandelt werden.

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Abbildung 6: Umbauplan Bergschmiede, Drexler, um 1845, Archiv Salinen Austria

Mitte des 19. Jahrhunderts stieg am Ischler Salzberg die Beschäftigtenzahl stark an. Deshalb herrschte ein großer Mangel an Unterkunftsräumen für Arbeiter sowie an Kanzleiräumen. Deshalb genehmigte das Ministerium für Landeskultur und Bergwesen mit Entschluss vom 29. Juni 1850 die Errichtung eines „Neuen Theresia Berghauses“ auf der erst 1833 urbar gemachten Bergmeisterwiese.

In diesem, in den Jahren 1850 – 1851 erbauten Gebäude, waren ursprünglich eine Zimmerstube und ein Magazin im Parterre, die Bergzuseherswohnung und ein Konsultationszimmer im 1. Stock sowie die Schafferwohnung im 2. Stock untergebracht. Die Baukosten für das Neue Theresia Berghaus betrugen 5.697 fl 50 kr. (im Jahr 2020 ca. 114.000 € Geldwert).

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Abbildung 7: Berggebäude, Lageplan, 1842, Archiv Salinen Austria AG

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Abbildung 8: Bergschmiede, 1867, Archiv Salinen Austria AG

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Abbildung 9: Altes Theresia Berghaus, 1867, Archiv Salinen Austria AG

1878 wurden im Alten Theresia Berghaus an Stelle der vorhandenen zwei offenen Feuerstellen drei neue Sparherde eingebaut und die zwei alten, schliefbaren, Kamine in modernere, nach russischer Bauart, umgebaut.

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Abbildung 10: Neues Theresia Berghaus, 1867, Archiv Salinen Austria AG

Bereits 1897 erfolgte die Einleitung des elektrischen Stromes in die Wohnungen der in der Bergschmiede und im Neuen Theresia Berghaus wohnenden minderen Diener (Bergmeister). Für den Anschluss, je eines Glühlichtes in jeder Wohnung, hatten die Wohnungsinhaber ab 1903 einen jährlichen Lichtzins von 3 K 70 h (im Jahr 2020 ca. 27 € Geldwert) zu entrichten.

Um den Anforderungen, der im Erlass vom 11. November 1899 festgelegten gesundheitlichen Anordnungen in Bezug auf Unterbringung der Arbeiter zu genügen, genehmigte das Finanzministerium zur Behebung des herrschenden Platzmangels im Jahre 1901 einen Anbau an das Alte Theresia Berghaus. In diesem Anbau wurde im Keller ein Waschraum (Meister- und Arbeiterbad) und ebenerdig sowie im 1. Stock je ein Arbeiterschlafzimmer errichtet. Ab nun standen im Alten Theresia Berghaus ebenerdig 1 Küche, 1 Speisekammer, 1 Kleiderraum und 2 Schlafzimmer für 37 Arbeiter, im 1. Stock 1 Küche, 1 Kammer, 1 Kleiderraum und 3 Schlafzimmer für eine Belegschaft von 49 Arbeitern zur Verfügung. In den Jahren 1907 und 1908 konnten durch einen Umbau im Dachraum noch 2 Zimmer und 2 Kammern für das Aufsichtspersonal geschaffen werden. Schließlich konnte 1908 durch einen weiteren Umbau noch ein Arbeiterschlafraum für eine Belegschaft von 32 Mann gewonnen werden. Insgesamt gab es im Alten Theresia Berghaus Schlafstätten für 118 Arbeiter.

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Abbildung 11: Altes Theresia Berghaus, Mannschaftsküche, 1936, Archiv Kranabitl

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Abbildung 12: Altes Theresia Berghaus, Mannschaftsquartier, 1936, Archiv Kranabitl

1899 wurde auf die Bergschmiede ein 2. Stockwerk aufgemauert. Dadurch konnten weitere Räume für die Zeugbewahrung und eine Steigerwohnung geschaffen werden. Nach Einführung einer neuen Obersteigerstelle mussten die Zeugbewahrungsräume in eine weitere Wohnung umgebaut werden.

 

Im Jahre 1910 wurde an der Ostseite der Bergschmiede ein ebenerdiger Anbau zur Aufstellung eines Stromgenerators für die elektrische Beleuchtung der Taggebäude und zum Werkschmiedebetrieb hergestellt. Nach Umstellung der Bergschmiede auf Elektrobetrieb konnten im Jahre 1913 der an der Ostseite angebaute Wasserfluder samt Wasserkasten und Radhütte abgetragen und auf dessen Fundamenten ein weiterer ebenerdiger Anbau ausgeführt werden.

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Abbildung 13: Bergschmiede, 1910, Archiv Salinen Austria AG

1911 errichtete man im Neuen Theresia Berghaus für die ebenerdigen Kanzleiräume ein den sanitären Anforderungen entsprechendes Spülklosett. 1913 wurden die gewölbten Kanzleiräume des Erdgeschosses zwecks besserer Raumausnutzung und Belichtung mit neuen Tramdecken versehen.

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Abbildung 14: Neues Theresia Berghaus, um 1910, Archiv Salinen Austria AG

Der Kaiserin Maria Theresia – Stollen stand seit 1933 als Einfahrtsstollen für die Fremdenbefahrung in Verwendung. Zu diesem Zweck wurde in der Bergschmiede ein Ankleide- und Aufenthaltsraum für die Besucher geschaffen. Die Besucher, wenn sie abgekühlt und ausgeruht waren, meldeten sich im Ankleideraum, zu den bestimmten Einfahrtszeiten beim Grubenführer, und erhielten nach Bezahlung der Taxe sowie der Eintragung in das Befahrungsbuch, die Grubenkleider ausgefolgt.

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Abbildung 15: Berschmiede, Fremdeneinfahrt, 1936, Archiv Kranabitl

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Abbildung 16: Berggebäude, 1930, Archiv Salinen Austria AG

1949 erfolgte im Alten Theresia Berghaus die Schaffung einer neuen Klosettanlage inkl. Kanalisation und einer Speise für die Belegschaft. Das im Alten Theresia Berghaus bestehende Werksbad, welches aus einem Mannschaftsraum mit 4 Brausen, 6 Waschmuscheln und einem Meisterbaderaum mit 2 Römerbadwannen bestand, erwies sich für die 120 Mann starke Belegschaft als viel zu klein. Außerdem entsprach es in keiner Weise den notwendigen hygienischen Ansprüchen. Im Jahre 1952 wurde das alte Werksbad vollkommen umgestaltet. Ab nun bestand es aus einem Umkleideraum, einem Mannschaftsbaderaum mit 10 Brausen und 10 Waschmuscheln sowie 3 getrennten Wannenbädern. Der alte 200 l fassende Badeofen wurde durch zwei 500 l Elektroboiler ersetzt. Zur Raumheizung wurde ein Heißluftgerät eingebaut. Außerdem wurden sämtliche Baderäume mit Wand- und Bodenfliesen ausgekleidet.

1959 wurde im bestehenden Anbau der Bergschmiede durch Aufmauern einer 42 cm starken Ziegelmauer der Anbau um 3 m gehoben. Durch den Umbau wurde der Umkleideraum für die Fremdenbefahrung um 48 m² durch die Einbeziehung der alten Materialkanzlei vergrößert und 2 Materialkanzleien mit einem Ausmaß von 38 m² neu erstellt. Außerdem wurde dadurch ein Materialmagazin von 29 m² neu geschaffen.

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Abbildung 17: Bergschmiede, Schmiedewerkstätte, 1936, Archiv Salinen Austria AG

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Abbildung 18: Bergschmiede, Zeugbewahrung, 1951, Archiv Salinen Austria AG

Bis zur Absiedelung des Bergbaubetriebes von Perneck zum Kaiser Franz Josef Erbstollen am 1. Juli 1989 konnten die auswärtigen Bergarbeiter im Alten Theresia Berghaus, auch „Knappenhaus“ genannt, nächtigen. Zu diesem Zeitpunkt bestand die Belegschaft aus 2 Steigern und 26 Arbeitern. Von nun an wurde das Grubenrevier Perneck durch den Zentralschacht vom Kaiser Franz Josef Erbstollen befahren und das Alte sowie Neue Theresia Berghaus verloren ihren Nutzungszweck.

Das Alte Theresia Berghaus wurde 1999 abgebrochen und das Neue Theresia Berghaus zur Privatnutzung verkauft.

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Abbildung 19: Abbruch Altes Theresia Berghaus, 1999, Archiv Feichtinger

Nach Verlegung der Obertaganlagen zum Kaiser Franz Josef Erbstollen wurde der Bergwerksbesucherbetrieb während der Sommermonate trotzdem aufrechterhalten und zum Teil neugestaltet. 1993 wurde in der ehemaligen Bergschmiede noch ein Schauraum mit Exponaten und Schautafeln aus dem Technischen Museum Wien über die Salz- und Solegewinnung eingerichtet. Mit dem Jahre 2000 wurde beim Salzbergbau Ischl der Bergwerksbesucherbetrieb, nunmehr betrieben von der Salinen Tourismus GmbH, aus Gründen zu erwartender, notwendiger Investitionen und wahrscheinlich auch wegen zu geringer Besucherfrequenz, endgültig eingestellt. Nun hatte auch das Gebäude der ehemaligen Bergschmiede seinen Nutzungszweck verloren. Der Abbruch der Bergschmiede erfolgte schließlich im September 2020.

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Abbildung 20: Abbruch Bergschmiede, 2020, Archiv Feichtinger

Neben den 3 erwähnten großen Berghäusern befanden sich im Bereich des Maria Theresia Stollens noch eine Reihe weiterer, wichtiger Nebengebäude:

 

Die gegenüber der Bergschmiede gelegene Zimmerei, die 1936 aus dem Umbau eines alten Ladwerksstadels entstand, die Karbidhütte zur sicheren Aufstellung der Karbidlampen und Karbidvorräte an der Brücke über den Radgrabenbach, das 1951 anstelle eines alten Vorratsstadels und der Kohlhütte erbaute Schnittholzmagazin oberhalb der Bergschmiede, die 1867 vom Steinberg überstellte Bergsäge neben dem Alten Berghaus sowie ein 1883 an der Zufahrtsstraße ins Hinterrad errichtetes Pulverdepot.

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Abbildung 21: Zimmerei, 2012, Archiv Nussbaumer

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Abbildung 22: Zimmerei, Tischlerwerkstätte, 1951, Archiv Salinen Austria AG

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Abbildung 23: Bau Ladwerkstadl, 1951, Archiv Salinen Austria AG

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Abbildung 24: Bau Ladwerkstadl, 1951, Archiv Salinen Austria AG

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Abbildung 25: Ladwerkstadl, 2012, Archiv Nussbaumer

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Abbildung 26: Bergsäge, 2015, Archiv Kranabitl

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Abbildung 27: Bergsäge, 2015, Archiv Kranabitl

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Abbildung 28: Karbidhütte, 2015, Archiv Kranabitl

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Abbildung 29: Neues Theresia Berghaus, 2013, Archiv Kranabitl

Verwendete Quellen:

Ischler Lagerbuch, Nr. 11 „Bergschmiede“, 1908, Transkription Thomas Nussbaumer, 01 07 2018

Ischler Lagerbuch Nr. 12 „Altes Theresia Berghaus“, 1908, Transkription Thomas Nussbaumer, 13 06 2019

Ischler Lagerbuch Nr. 13 „Neues Theresia Berghaus“, 1908, Transkription Thomas Nussbaumer, 09 10 2020

Josef Hütter „Der Ischler Salzberg in Wort und Bild“, Manuskript, Bad Ischl 1938

Franz Idam „Maria Theresia Stollen“, Manuskript Internet

Ischler Heimatverein „Bad Ischl Heimatbuch 2004“, Bad Ischl 2004

Georg Kanzler „Ischls Chronik“, Ischl 1881, Reprint Bad Ischl 1983

Michael Kefer „Handkarten des Ischler Salzberges“, 1829, Transkription Nussbaumer, Stand 30.04.2019

Leopold Schiendorfer „Perneck – Ein Dorf im Wandel der Zeit“, Linz 2006

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936