Soziales – Schulen:

Für die Erziehung der Arbeiterkinder bestanden in den Kammergutorten Schulen, deren Erhaltung sich die Gemeinden mit dem Salzamt teilten. Der Schulmeister wurde in der Regel von den Eltern selbst entlohnt, für arme Arbeiter zahlte jedoch das Amt das Schulgeld.

 

Die erste Schule auf Bad Ischler Boden befand sich vermutlich im „Freien Markt Lauffen“, wo bereits 1519 ein Schulmeister Hyronimus Seifelder gewirkt haben soll. Man weiß, dass es 1550 in Ischl einen Schulmeister gab. Das erste Schulhaus wurde im Markt Ischl 1560 von der Gemeinde errichtet, in Lauffen im Jahre 1567.

 

Für die der Schule entwachsenen Jungen war die Aufnahme in den kaiserlichen Dienst oder in den Fertigerdienst die Regel; auf den Salzbergen in Hallstatt und Ischl folgte der Sohn seinem Vater meist auch im gleichen Dienstzweig. Hatte der Junge ein Handwerk erlernt, so zahlte das Amt das Frei- oder Lehrgeld an den ausbildenden Meister.

 

Das Schulwesen im Kammergut hatte bis in das letzte Viertel des 18. Jahrhunderts gegen früher keine wesentliche Verbesserung erfahren, nur die Zahl der Schulen war größer geworden. 1767 bestanden Schulen außer in Hallstatt und Goisern noch in Laufen, Ischl, Ebensee, Obertraun und St. Agatha.

Die Schulmeister waren schlecht bezahlt, doch sie und ihre Witwen provisionsfähig. Ihre Kenntnisse waren sehr beschränkt, sie konnten daher den Kindern außer der Christenlehre, dem Hauptgegenstand des Unterrichts, nur wenig Lehrinhalt beibringen. Ging doch ein Großteil der Schulmeister aus dem Messnerstand hervor und durfte ihre Witwe den Unterricht fortsetzten. Auch erfolgte die Bestellung der Schulmeister stets nur im Einvernehmen mit der Religionskommission und dem Missionssuperior.

 

Ischl besaß 1769 außer dem vom Salzamt besoldeten Pfarrschulmeister noch einen Markt- und Religionsschulmeister, der unabhängig vom ersteren unterrichtete und auch die Christenlehre in den Nachbarpfarren hielt.

 

Am 6.12.1774 kam es zur großen Schulreform unter Maria Theresia.

 

Sogenannte Trivialschulen sollten in jedem Pfarrort errichtet werden. Wie die ersten Trivialschulen beschaffen waren, lässt sich im „Kern- und Methodenbuch“ von Abt Johann Ignaz Felbiger nachlesen:

„Die Kinder versammeln sich vor 8 Uhr in der Schule und gehen paarweise sittsam in die Kirche. Nach der heiligen Messe gehen sie ebenso in die Schule zurück. Daselbst wird gebetet, die Namen werden verlesen. 

Von ¾ 9 bis ½ 10 lernen die kleinen Schüler das Buchstabenkennen und Buchstabieren.                           

Von ½ 10 bis ½ 11 wird aus dem Katechismus gelesen.                                                                            

 ½ 11 wird gebetet, die Schüler werden entlassen bis auf die Rechenschüler, welche bis ½ 12 im Rechnen unterwiesen und geübt werden.“

 

Die Schulen in den Kammergutorten wurden von 1774 an als Trivialschulen nach einem von der Regierung ausgearbeiteten einheitlichen Unterrichtsplan weitergeführt und nur mehr von geprüften Lehrern geleitet. Die Schulmeister mussten zur Aneignung der Lehrmethode nach Linz reisen, an der dortigen Normalschule einen Kurs mitmachen und nach dessen Abschluss sich einer Prüfung unterziehen.

 

Die Trivialschule in Ischl machte nur eine einzige, von der Wohnung des Schulmeisters abgesonderte Schulstube nötig, mit einem Antritt für den Lehrer und einer Staffelei mit 2 schwarzen Tafeln.

 

Damit die älteren Kinder der Hausarbeit nicht gänzlich entzogen würden, war Halbtagsunterricht eingeführt, an welchem die Kinder nur vormittags teilzunehmen brauchten.

 

Den Religionsunterricht besorgte fortan nicht mehr der Schulmeister, sondern der Katechet zweimal in der Woche.

 

Bemittelte Eltern hatten das Schulgeld von 1 Gulden im Jahre selber zu entrichten, den ärmeren Arbeitern zahlte es das Salzamt, ganz armen Kindern stellte es auch die Schulbücher bei. Die Erhaltungskosten der öffentlichen Trivialschule fielen dem Staate zu.

 

An die Trivialschule schloss sich im Bildungsgang die ebenfalls öffentliche Haupt- oder Normalschule mit höherem Lernziel an, in welche die Trivialschüler nach der zweiten Klasse übertreten konnten.

 

Ischl bekam 1782 ein neues Schulhaus für die unzureichend gewordenen alten Räume. 1816 war die Schülerzahl schon auf über 400 gestiegen, daher ein drittes Schulzimmer und ein zweiter Gehilfe notwendig geworden.

 

1782 bekam Ischl ein neues Schulhaus am linken Traunufer nahe der Hauptbrücke, das aber gleich überbelegt war. Zur Entlastung wurde in Pfandl 1791 die erste Schulklasse im Gasthof „Zum Pfandl“ eingerichtet.

 

1816 gab es in Ischl einen Lehrer mit zwei Lehrgehilfen und 400 (!) Schüler.

 

Die Besetzung offener Lehrerstellen in den öffentlichen Volksschulen erfolgte auf Grund des Vorschlages der Pflegämter durch das bischöfliche Konsistorium, das für jedes Dekanat einen Schulaufseher bestellte.

 

Die Schulmeister an der Trivialschule waren fest angestellt. Die Lehrer an den Trivialschulen wurden mit der Beamtenschaft und der Geistlichkeit gleichgestellt.

 

War die Zahl der Schüler für einen Lehrer zu groß geworden, so stellte ihm die Behörde Hilfslehrer mit geringerer Besoldung zur Seite. Der Katechet bezog zwar keinen besonderen Gehalt, wurde aber für die Erteilung des Religionsunterrichtes mit einer Remuneration bedacht.

 

Eine beträchtliche Mehrarbeit erwuchs der Lehrerschaft aus der mit Anfang 1817 in Kraft getretenen kaiserlichen Verordnung, nach welcher für die der Schule entwachsenen Jugend vom 12. bis zum 15. Lebensjahr ein Wiederholungsunterricht an Sonn- und Feiertagen einzuführen war. Bewerber für den Salinendienst mussten einen Nachweis über den Besuch der Wiederholungsschule erbringen.

 

Eine große Wohltat für die heranwachsende weibliche Jugend war die Gründung von Strickschulen in Gmunden, Ebensee, Ischl, Hallstatt, Aussee und Altaussee, die sich einer besonderen Förderung der Hofkammer erfreuten. Sie bezahlte das Unterrichtsgeld, honorierte überdies mitunter auch die Lehrerinnen und schenkte den Schulen das Brennholz. Die Strickschulen unter der Leitung von Handarbeitslehrerinnen besuchten regelmäßig auch Mädchen von Salinenangehörigen.

 

Die Trivialschule in Ischl mit den drei Lehrerzimmern war schon 1819 zu klein und der Anschluss eines vierten Zimmers notwendig geworden. Die Zahl der Schulkinder stieg aber noch weiter an, 1825 unterrichtete ein Lehrer mit drei Gehilfen in den zwei Schulklassen mit je zwei Abteilungen 420 Kinder. Die vorgeschriebene Maximalzahl von 80 Schülern in einem Zimmer war demnach beträchtlich überschritten und die Beschaffung eines fünften Lehrraumes nicht länger aufzuschieben.

 

1839 genehmigte der Kaiser den Betrag von 11.086 Gulden für den Umbau, der auch das fünfte Schulzimmer einbeziehen sollte. Bis dahin war die Schule in den alten, ganz unzulänglichen Räumen untergebracht, das Gebäude schlecht erhalten, die Geschoßhöhe viel zu niedrig. Da die Zahl der Schulkinder 1832 auf 460 angewachsen war, fasste jede der vier Abteilungsklassen über hundert Schüler, die Lehrer gingen nur mit Widerwillen in die überfüllten und durch die Ausdünstungen ungesunden Zimmer. Für die Anmietung des unbedingt erforderlichen fünften Schulzimmers in irgendeinem Privathause hatte sich Dr. Wirer bereit erklärt, den Zins zu bestreiten.

 

Dr. Wirer hatte sich auch der weiblichen Jugend des Marktes angenommen und im Jahre 1832 in Ischl die erste Handarbeitsschule im Kammergut ganz auf eigene Kosten errichtet und unterhalten. Schon im darauffolgenden Jahre genossen hundert Mädchen dort den unentgeltlichen Unterricht. Dr. Wirer besorgte auch den Ankauf der in der Spinnschule nötigen Rohstoffe und verwendete die Erzeugnisse der Schule wieder nur zum Wohle der Kinder, er kleidete die ärmsten und beschenkte die Fleißigen.

 

Auch die kleine Dorfschule in Pfandl bei Ischl hatte 1835 eine Erweiterung nötig, die schulfreundlichen Bewohner des aufstrebenden Ortes hatten darum angesucht.

 

Eine für die Schulkinder der Salinenarbeiter segensreiche Wohlfahrtseinrichtung waren die 1845 ins Leben gerufenen und während der Wintermonate geöffneten Suppenanstalten in Hallstatt und Ebensee.

 

Am 14.5.1869 wurde das „Reichsvolkschulgesetz“ erlassen.

„Jede Volksschule ist eine öffentliche Anstalt und als solche der Jugend ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses zugänglich.“ Es wurde unter anderem die achtjährige Schulpflicht eingeführt, Lehrmittelsammlungen und Schulbibliotheken wurden gegründet.    

Das Schulwesen nahm in weiterer Folge einen enormen Aufschwung.

 

Verwendete Quellen:

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen vom Beginne des 16. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts“, Wien 1932

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1750 bis zur Zeit nach den Franzosenkriegen“, Wien 1934

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936

Ischler Heimatverein „Bad Ischl Heimatbuch 2004“, Bad Ischl 2004

F. X. Mannert „Von Ischl und den Ischlern …“, Bad Ischl 2012

F. X. Mannert „Von Ischl und den Ischlern … 2.0“, Bad Ischl 2016