Bewetterung:

Unter „Bewetterung“ oder „Grubenbewetterung“ versteht man die planmäßige Belüftung eines Bergwerks mit „frischen Wettern“ (Frischluft) von ober Tage.

Wetter:

Das Wort „Wetter“ ist ein Überbegriff für in der Grube vorkommende Gasgemische. Handelt es sich um sauerstoffreiche, atembare Luft, spricht man von „frischen Wettern“. Wenn das Gasgemisch wegen zu hoher CO2 – Gehalte nicht mehr atembar ist, handelt es sich um „matte Wetter“. Enthält das Gasgemisch für den Menschen giftige Gase, wie CO oder Stickoxide, spricht man von „bösen Wettern“. „Schlagende Wetter“ sind schließlich Gasgemische, die explosive Gase, wie Methan oder Kohlenmonoxid, enthalten.

Aufgabe der Bewetterung ist es, den zum Atmen nötigen Sauerstoff der Grube zuzuführen, sowie matte, böse oder schlagende Wetter soweit zu verdünnen, dass von ihnen für den Menschen keine Gefahr mehr ausgehen kann. Der Luftverbrauch des Menschen schwankt unterschiedlich je nach Arbeitsleistung zwischen 8 l/min in Ruhe und 70 l/min bei schwerster Arbeit.  

Die Bewetterung kann entweder „natürlich“ aufgrund von Temperaturunterschieden zwischen der Grube und der Tagesoberfläche oder „künstlich“ mittels Ventilatoren erfolgen.

Abbildung 1: Natürliche Bewetterung, Schema, 2005, aus Wulz "Bleiberger Bergbau"

Natürliche Bewetterung:

Eine „natürliche Bewetterung“ gibt es in den Hauptstreckensystemen. Der Hauptwetterstrom kann „einziehend“ oder „ausziehend“ sein, je nachdem, ob es an der Oberfläche kälter oder wärmer als in der Grube ist. In der Grube bleibt die Temperatur der Wetter das ganze Jahr über gleich, egal ob Sommer oder Winter. In den Salzbergwerken liegt die Grubentemperatur bei rund 8 - 10°C.

Im  Sommer wird die äußere, wärmere Luft durch jene im Bergwerk abgekühlt und sinkt aufgrund der dadurch entstandenen größeren Dichte von den oberen, höher gelegenen Stollen nach unten in die tiefer gelegenen, um im tiefsten Stollen wieder auszuziehen. Im Winter hingegen wird die in die Grube eindringende Luft erwärmt und steigt wegen der geringeren Dichte vom tiefsten Stollen nach oben, um im höchstgelegenen Stollen wieder auszuziehen. Im Herbst oder Frühling kann es vorkommen, dass die Außen- gleich der Innentemperatur ist und so kein natürlicher Wetterzug entstehen kann, man spricht dann von „stehenden Wettern“.

In der Grube kann man die durch die jeweilige Bewetterung entstandenen Wetterströme durch eingebaute „Wettertüren“ kontrollieren. Durch das Schließen von Wettertüren wird dem Luftzug der kürzeste Weg versperrt, damit dieser auf andere Grubenbereiche ausweichen kann.

Am Ischler Salzberg zieht im Winter die kalte Luft über den auf 503m Seehöhe gelegenen Franz Josef – Erbstollen ein, erwärmt sich, steigt über die beiden Schachtanlagen (Zentral – und Distler – Schacht) und über die offenen Schürfe auf, um über den höchsten noch offenen Stollen, den auf 851 m Seehöhe gelegenen Amalia – Stollen, wieder auszuziehen. Im Sommer nehmen die Wetter den gegenläufigen Weg.

 

Künstliche Bewetterung:

Bei Streckenvortrieben oder bei der Aussprengung von Werksräumen wird die „künstliche Bewetterung“ eingesetzt, da ein natürlicher Wetterzug wegen fehlender Streckenverbindungen nicht möglich ist.

Bei einer künstlichen Bewetterung unterscheidet man zwischen „blasender Bewetterung“, bei der Frischluft in die Strecke hineingeblasen wird, und „saugender Bewetterung“, in der umgekehrt die verbrauchte Luft aus der Strecke herausgesaugt wird.

 

Windfocher und Blasbalg:

Bei der „blasenden Bewetterung“ wurde der Luftstrom über „Focher“ oder „Windfocher“ erzeugt. Ein Focher war eine hölzerne Truhe, worin sich eine runde Walze mit hölzernen Flügeln befand, die, durch Menschenhand umgedreht, den Häuern an ihren Arbeitsort Frischluft zuführte. Focher konnten auch große, von Menschen bediente Blasbälge sein. Die Frischwetter wurden von der Druckseite des Fochers durch „Lutten“ oder „Luftstrenngeleite“ (Rohre) vor Ort gebracht.

Abbildung 2: Blasbalg und Windfocher, M. Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

Abbildung 3: Saugender Windfocher, M. Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

Abbildung 4: Windfocher, Salinen Manipulationsbeschreibung, 1807 – 1815, Archiv Salinen Austria

Abbildung 5: Blasbalg, Salinen Manipulationsbeschreibung, 1807 – 1815, Archiv Salinen Austria

Abbildung 6: Strecke mit Luttenleitung, Gestänge und Sulzstrehn, M. Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

Wassertrommel:

Bei Streckenvortrieben von ober Tage aus wurden „Luftmaschinen“ oder „Wassertrommeln“ eingesetzt. Eine solche Wassertrommel beschreibt 1836 Michael Kefer in seinen „Manipulationsgegenständen“.

Abbildung 7: Wassertrommel, M. Kefer, 1836, Archiv IGM

Die Wassertrommel (siehe Abbildung 3) bestand aus einem nach oben offenen, mit einem Ausflussrohr (Nr. 6) versehenen, stehenden Fass (Nr. 4), auf dem ein, nach unten offener Bottich (Nr. 3) stand. An der Oberseite des Bottichs mündete ein sich nach unten verjüngender, 5 – 6 m hoher Trichter (Nr. 2). Über den Trichter floss Wasser in den Bottich ein. Durch den, sich verengenden Trichter, saugte der Wasserstrom am Weg nach unten Luft ein, zerstäubte am Stein (Nr. 7) und gelangte zum Ausflussrohr (Nr. 6). Die beim Zerstäuben freiwerdende Luft sammelte sich im Bottich (Nr. 3) und wurde durch eine Luftröhre (Nr. 5) fortgeblasen. Das Ausflussrohr (Nr. 6) musste in solcher Höhe angebracht werden, dass der Stein (Nr. 7) stets aus dem Wasser ragte.

Der Nutzeffekt einer Wassertrommel war relativ gering, von Vorteil waren aber die Einfachheit und die geringen Anlagekosten. Wassertrommeln wurden am Ischler Salzberg etwa beim Vortrieb des Franz – und des Leopold – Stollens erfolgreich eingesetzt.

Abbildung 8: Wassertrommel, um 1840, Archiv Salinen Austria

Luttenlüfter:

Heute werden zur künstlichen Bewetterung zwei Lüftertypen eingesetzt. Vertikale Strecken, wie Schächte, werden mit Schleuder- oder Kreisellüfter, bei denen sich die Lüfterflügel radial bewegen, belüftet. Bei horizontalen Strecken setzt man „Luttenlüfter“ ein. Bei diesem Lüftertyp bewegen sich die Lüfterflügel axial. Vom Luttenlüfter bis vor Ort wird eine Luttenleitung verlegt. Diese besteht bei saugender Bewetterung aus verzinkten Blechrohren und bei blasender Bewetterung meistens aus flexiblen Kunststoffschläuchen mit bis zu 8 m Länge und bis zu 1200 mm Durchmesser.

Abbildung 9: Luttenlüfter mit Luttenleitung, Salzbergbau Hall, um 1935, Archiv Nussbaumer

Abbildung 10: Streckenauffahrung mit Luttenleitung, Salzbergbau Hallstatt, 2020, Archiv Kranabitl

Luttenlüfter werden für die „Sonderbewetterung“ von Grubenbauen, die nicht in die durchgehende Wetterführung eingeschlossen werden können, weil sie nur eine Anschlussstelle haben, eingesetzt. Zu diesen Grubenbauen zählen fast alle in Auffahrung stehenden Streckenvortriebe, Stollenvortrieb, Aufhauen und Aufbrüche. Saugende Sonderbewetterung wird dann angewandt, wenn viel matte oder böse Wetter kurzerhand in den ausziehenden Wetterstrom gelangen sollen.

 

Wetterbedarf:

Alle dem Betrieb dienenden Grubenräume sind so zu bewettern, dass Ansammlungen von schlagenden, bösen oder matten Wettern sowie zu hohe Wärme vermieden werden. Jedem Arbeitsort, das nicht durch natürlichen Wetteraustausch ausreichend belüftet wird, sind so große Wettermengen zuzuführen, dass auf jeden Mann mindestens 2 m³/min entfallen. Die Wettermenge in Grubenräumen, in denen sich Dieselmotoren in Betrieb befinden, muss je Motor-PS mindestens 6 m³/min betragen.

 

Wetteruntersuchungen:

Durch die Montanbehörden sind regelmäßige Wetteruntersuchungen vorgeschrieben. Dabei müssen in bestimmten, regelmäßigen Zeiträumen die Wettermengen und die herrschenden Temperaturen sowie die Strömungsrichtung der Wetter gemessen und vermerkt werden. Außerdem ist bei diesen Untersuchungen der Sauerstoffgehalt der Grubenwetter zu bestimmen.

Abbildung 11: Wettermessstelle, 2015, Archiv IGM

Wetterrisse:

Der Weg der Grubenbewetter wird auf Wetterrissen dargestellt. Diese zeigen die gegensätzliche Richtung der Grubenwetter im Sommer und Winter sowie neben des Wettermessstellen auch Wettertüren und Einrichtungen zur künstlichen Bewetterung.

Abbildung 12: Wetterriss Salzbergbau Bad Ischl, 1979, Archiv Salinen Austria

Verwendete Quellen:

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1750 bis in die Zeit nach den Franzosenkriegen“, Wien 1934

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936

L. Janiss „Technisches Hilfsbuch für den österreichischen Salzbergbaubetrieb“, Wien 1934

Alois Fellner „Bergmännisches Handwörterbuch“, Wien, 1999

G. Köhler „Lehrbuch der Bergbaukunde“, Leipzig, 1903

Stefan Wulz „Die Entwicklung des Bleiberger Bergbaues“, Bad Bleiberg, 2005