Einwässerung:

Unter Einwässerung versteht der Salzbergmann das Füllen der Wehren mit Wasser zur Erzeugung von Sole. Zum Einwässern wird neben den, in der Grube angefahrenen Wässern auch Wasser von außerhalb der Grube, z. B. Bachwasser, verwendet, das über eigene Einwässerungsleitungen nach Untertage geleitet wird.

 

Holzröhren:

Die Einwässerungsleitungen errichtete man anfangs aus händisch gebohrten Holzröhren. Dazu wurden gerade gewachsene, astfreie Baumstämme, meist Fichten oder Lärchen, mit Bohrern der Länge nach aufgebohrt. Der Innendurchmesser der Holzröhren lag bei 80 – 100 mm, in Ausnahmefällen bis 130 mm, die Länge zwischen 1 Klafter (1,9 m) und 15 Fuß (4,7 m).

Zum Verbinden der hölzernen Röhren wurde jede Röhre an einem Ende zugespitzt und am anderen Ende erweitert, so dass das zugespitzte Ende der einen in die Erweiterung der anderen Röhre hineingetrieben werden konnte. Das konisch zugespitzte Ende („Schnauze“) wurde mit dem Schnitzmesser, das erweiterte Ende („Maul“) mit dem konischen Ausweitbohrer hergestellt. Vor dem Verbinden fettete man das Maul mit tierischen Fetten („Unschlitt“) ein und umwickelte es mit einem dünnen Flachsstreifen („Werch“). Die eigentliche Befestigung erhielten die Röhren an der Verbindungsstelle durch einen eisernen Ring, welcher außen am Maul aufgetrieben wurde.

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Abbildung 1: Neuberg - Stollen, Herstellung von Holzröhren, Kefer, 1826, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 2: Herstellung von Holzröhren, Manipulationsbeschreibung, 1807/1815, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 3: Herstellung von Holzröhren mittels Röhrenbohrer, Internet

Das Holz, aus welchem Röhren gebohrt wurden, musste ausgewässert sein. Dazu legte man die Baumstämme in eigene „Röhrentränken“, die mit Wasser oder besser Sole gefüllt waren. Auch die fertig gebohrten Holzröhren wurden bis zu ihrer Verwendung in Sole gelagert, damit sie nicht rissig und somit undicht wurden.

Zur Zuleitung des Süßwassers („Ankehrwasser“) dienten die hölzernen sogenannten Sechserröhren mit 10 cm innerer Lichte und Fünferröhren mit 8 cm innerer Lichte.  Wegen des geringen Innendurchmessers der Holzröhren musste bei größeren, einzuleitenden Wassermengen häufig eine doppelte Röhrenfahrt gelegt werden.

Die Haltbarkeit der Holzröhren, die nicht entrindet verlegt wurden und mit bis zu 2 atü Druck verwendet werden konnten, betrug mit Süßwasser bis zu 30 Jahre und mit Sole bis zu 100 Jahre.

Da die Holzröhren durch das Anschwellen der Stollensohle, vor allem im Haselgebirge, häufig undicht wurden, war ein enormer Instandhaltungsaufwand nötig.

Gusseiserne Röhren:

Die hölzernen Rohrleitungen werden ab etwa 1840 allmählich durch gusseiserne Röhren ersetzt. Gusseiserne Röhren konnten in beliebigen Durchmesserverhältnissen hergestellt werden, während Holzleitungen gewöhnlich nur 80 bis 100 mm Durchmesser hatten. Weiters hielten die gusseisernen Röhren einen bedeutend größeren Betriebsdruck von bis zu 10 atü Stand.

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Abbildung 4: Gusseiserne Röhren, um 1845, Archiv Salinen Austria

Die gusseisernen Rohrleitungen bestanden durchwegs aus Muffenröhren. Die Verbindung der gusseisernen Röhren erfolgte dadurch, dass die muffenartige Erweiterung der einen Röhre in die zweite Röhre, deren anderes Ende ebenfalls mit einer muffenartigen Erweiterung versehen war, hineingesteckt wurde. Dabei wurden hölzerne Keile rund um die, durch die äußere Peripherie und durch den inneren Umfang gebildete ringförmige Öffnung hineingetrieben. Die gusseisernen Röhren konnten auf diese Art und Weise ganz wasserdicht miteinander verbunden werden. Diese Art der Verbindung hatte zugleich den Vorteil, dass die Ausdehnung und das Zusammenziehen der gusseisernen Röhren bei eintretendem Temperaturwechsel möglich waren, ohne dass die Verbindung undicht wurde.

Das Laufmetergewicht bei 125 mm Durchmesser betrug bei gusseisernen Röhren rund 32 kg.

Erfahrungsgemäß hielten gusseiserne Röhren gut 50 Jahre. Danach mussten sie ausgewechselt werden, da die gusseisernen Röhren speziell von außen her stark der Korrosion unterlagen.

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Abbildung 5: Gussrohre, Soleleitung Hallstatt, Internet

Einwässerung in das Steinberg - Lager:

Der 1563 als erster Stollen des Ischler Salzberges eröffnete Mitterberg – Stollen erschrottete nach Durchörterung des Salzlagers in den kalkigen Deckschichten starke Wasserzuflüsse, deren Gewältigung große Schwierigkeiten bereitete. Der Wasserzufluss war so groß, dass zusätzlich 7 Stabel (8,4m) oberhalb des Mitterberg – Stollens der erste Wasserstollen angelegt und auf 93 Stabel (111,1m) Länge vorgetrieben werden musste.

Der Wassereinbruch erfolgte bereits 1596 und die Menge des angefahrenen Wassers vermochte sogar ein Mühlrad anzutreiben. Trotz aller Mühe war es nicht möglich gewesen, die Einbruchstelle zu finden und abzudämmen. Man musste sich schließlich begnügen, die Raubwässer auf der Hauptschachtricht zusammenzufassen und in Rinnwerken zutage zu leiten.

Das angefahrene Bergwasser konnte jedoch zur Befüllung der 3 im Mitterberg – Stollen angelegten Schöpfbaue bzw. Ablasswehren verwendet werden. Zur Befüllung musste das Wasser in Holzröhren zu den Bauen geleitet werden. Auch die 6 im Alten Steinberg – Stollen angelegten Schöpfbaue konnten, über den vom Mitterberg – Stollen hinabführenden Hauptschurf, mit Wasser versorgt werden.

Der Mitterberg – Stollen war um 1656 schon ausbenützt und diente nur noch der Ausleitung der Grubenwässer. 1689 wurde der Mitterberg – Stollen schließlich gänzlich verlassen. Nachdem 1725 der einzige Schöpfbau, der im neuen Steinbergstollen angelegt wurde, ebenfalls versotten war, wurde das Steinberg – Lager 1775 endgültig verlassen und die Einwässerungen in diesem Bereich stillgelegt.

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Abbildung 6: Steinberg - Lager, Wasserstollen, Kefer, 1829, Archiv Salinen Austria

Einwässerung in das Pernecker- Lager:

1567 wurde der Lipplesgraben – Stollen als ersten Stollen auf das Pernecker – Lager angeschlagen. In diesem Stollen wurden 5 Schöpfbaue angelegt. Zur Einleitung des bei der Anwässerung nötigen Süßwassers musste oberhalb des Lipplesgraben – Stollens auf 1.024m Seehöhe am Rainfalz der „Niedere Wasserstollen“ angeschlagen werden. Der Niedere Wasserstollen war 75 Stabel (89,4m) lang im tauben Gebirge vorgetrieben und über einen 31 Stabel (37,0m) langen Einwässerungsschurf mit der im Lipplesgraben – Stollen befindliche Neuhauser – Kehr verbunden worden. Das Süßwasser wurde bei einer am Tag oberhalb des Einwässerungsschurfes befindlichen Quelle aufgefangen, durch senkrechte Holzröhren zum Schurf geleitet und in der Grube über hölzerne Rohrleitungen auf die Schöpfbaue verteilt. Die häufig undichten Holzrohrleitungen führten zu Wasseraustritten und zum Aufquellen des Haselgebirges, das die Stollenerhaltung wesentlich erschwerte und verteuerte.

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Abbildung 7: Unterer Wasserstollen mit Wasserschurf auf Lipplesgraben Stollen, Kefer, 1826, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 8: Unterer Wasserstollen, Lage auf Reinfalzalm, Kefer, 1826, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 9: unterer Wasserstollen, verschüttetes Mundloch, 2020, Archiv Kranabitl

Um 1654 war der Lipplesgraben – Stollen bereits fast zur Gänze verlaugt. Ab dieser Zeit wurde der Stollen nur mehr zur Ableitung des Süßwassers offengehalten, damit dieses, in den tiefer gelegenen Stollen keinen Schaden anrichten konnte.

1577 wurde als der nächste, tiefer liegende Bau der Matthias – Stollen angeschlagen. Im Matthias – Stollen konnten insgesamt 9 Schöpfbaue angelegt werden. Die Einleitung des für die Verlaugung nötigen Süßwassers erfolgte aus dem Bach und den Quellen im Bereich des Matthias – Stollen Mundloches. Das in Holzröhren gesammelte Wasser wurde über die Matthias Stollen – Hauptschachtricht in den Berg hineingeleitet und auf die einzelnen Schöpfbaue verteilt. Über, von der Matthias Stollen – Hauptschachtricht abgehende, Schürfe konnte das Wasser auch in die Wehren tiefer gelegener Stollen zugeleitet werden.  

 

Technische Verbesserungen der Einwässerung:

Die Wässerung von Ablasswehren hatte Ende des 18. Jahrhunderts noch immer große technische Mängel. Der größte Mangel war der geringe Durchflussquerschnitt der hölzernen Einwässerungsleitungen. Deshalb nahm die Füllung eines größeren Laugwerkes Monate in Anspruch. Diese lange Füllzeit begünstigte natürlich die Erweiterung der Werksulme und vergrößerte dadurch die Gefahr des Zusammenschneidens der Nachbarwerker. Man war daher gezwungen, viele und große Verschneidungsdämme herzustellen und zu erhalten, sie nach Bedarf zu überhöhen und verlängern. Das erforderte dauernd einen beträchtlichen Aufwand an Häuern und Verdämmern.

Ein erster Ansatz die Füllzeiten zu reduzieren war den Druck in den hölzernen Einwässerungsleitungen zu erhöhen. Dazu wurde ab 1769 das zur Verwässerung der Wehren nötige Wasser durch einen Tagschurf oberhalb des 1725 angeschlagenen St. Johannes – Stollen und von diesen über den Saherböck – Schurf auf die Matthias Stollen – Hauptschachtricht geleitet. Das Wasser konnte aus dem vorbeifliesenden Sulzbach einfach entnommen und mittels Holzröhren in den Berg eingeleitet werden.

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Abbildung 10: Wasserschürfe im Bereich Johannes - und Matthias - Stollen, Kefer, 1829, Archiv Salinen Austria

Ab 1784 wurde zusätzlich Wasser in einem „Einwässerungshüttel“ oberhalb des Matthias – Stollens aus dem Sulzbach und von einer starken Quelle aufgefangen und über den neu errichteten Einwässerungsschurf auf die Matthias Stollen – Hauptschachtricht abgeleitet.

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Abbildung 11: Einwässerungsschurf auf Matthias Stollen, um 1780, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 12: Mundloch Einwässerungsschurf, Matthias Stollen, 2018, Archiv Kranabitl

Von dort gelangte das Wasser, je nach Bedarf, entweder durch den Pfarrer Weissbacher – Schurf und die nachfolgenden Schürfe zu den auf der Abendseite (Westseite) in den tieferen Stollen gelegenen Wehren. Die morgenseitigen (östlichen) Wehren konnten über den v. Adlersberg – Umbau und den Weilenböcker – Schurf sowie die nachfolgenden Schürfe erreicht werden.

Bergmeister Schwind begann 1842 mit der Verlegung gusseiserner Wasserleitungsröhren am Ischler Salzberg. Dadurch war es möglich den langen Weg, den die in den oberen Horizonten gesammelten Wässer zur Füllung der Laugwerker zurücklegen mussten, wesentlich abzukürzen, da die eisernen Leitungen im Gegensatz zu den Holzrohren unter höheren Druck stehen konnten. Die rasche Zufuhr größerer Wassermengen in die Erzeugungswerker sowie die Trockenlegung der von den nässenden Holzröhren durchfeuchteten Strecken war nun möglich.

Der Einbau gusseiserner Sole - und Wasserleitungsrohre schien der Ischler Bergmeisterschaft nicht dringend. Erst die Auflassung des bisherigen Wasserzuführungsweges in den oberen Horizonten und die Umlegung der Einwässerungsleitung in Strecken mit stellenweiser Gegensteigung, in welchen Holzröhren nicht verwendet werden konnten, nötigten sie dazu. Die neue Leitung sollte nach dem Plane Schwinds vom Bader - Schurf (Frauenholz auf Amalia Stollen) über die Springer - Kehr, den Scharf - und Liska - Umbau (Amalia Stollen) zum Vasold - Schurf (Amalia auf Elisabeth Stollen) gelegt werden, die Zufuhr größerer Wassermengen in die Erzeugungswerker ermöglichen und die von den nässenden Holzröhren durchfeuchteten Strecken trockenlegen. Nach dem Bescheid der Hofkammer war die Beschaffung der erforderlichen Eisenrohre auf die Jahre 1842, 1843 und 1844 zu verteilen.

Jene Verbindungsbaue, welche durch die Umlegung der Einwässerungsleitung ab 1842 entbehrlich geworden waren, wurden aufgelassen. Zu diesen zählten die Niedere Wasser Stollen – Schachtricht und der Wasserschurf (Niederer Wasser –  auf Lipplesgraben – Stollen), der rückwärtige Lipplesgraben – und Johannes – Stollen, einige Strecken im Matthias - und Neuberg – Stollen sowie der Kößler – Umbau im Frauenholz – Stollen.

In weiterer Folge wurde auch Versuche mit Betonrohren aus dem am Ischler Salzberg gebrannten „Hydraulischen Kalk“ gemacht. Die relativ schweren Betonrohre konnten sich gegen die leichteren Gusseisenrohre nicht durchsetzen.

Die Abmessungen der Zementröhren betrugen 3,66 Fuß (1,16 m) Länge, 2 ½ Zoll (6,66 cm) Wandstärke und 5 Zoll (13,15 cm) lichter Durchmesser. Das Gewicht eines Zementrohres lag bei rund 100 kg.

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Abbildung 13: Betonrohr, Matthias Stollen, 2011, Archiv Kranabitl

1883 wurde zur Sicherung des Maschinen- und Wässerungsbetriebes in wasserarmen Zeiten die Herstellung eines großen Wassersammeltroges aus Beton in der Nähe des Matthias – Stollens an Stelle des seit alters bestehenden vermorschten Sammelkastens aus Holz genehmigt.

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Abbildung 14: Wasser - Becken und Wasserschurf - Hütte, Matthias Stollen, 1891, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 15: Betonbecken, Einwässerungsschurf Matthias Stollen, 2018, Archiv Kranabitl

Dieser mit einer einfachen hölzernen Hütte überdeckte Wassersammeltrog, zur Speisung der Fördermaschine und für Wässerungszwecke dienend, verursachte einen Kostenaufwand von 932 fl 85 xr.

Die meisten der alten, in der Kuppe der Salzlager eingetriebenen Stollen durchfuhren das Haselgebirge bis in die, das Salzgebirge umgebenden, wasserführenden Kalkschichten. Insbesondere der stark dolomitisierte und zerklüftete Hallstätter Kalk begünstigte das Eindringen selbst sehr hoch gelegener Quellen in tiefere Gebirgsschichten.

 

Werksniedergänge und Verbrüche 1843:

1843 kam es infolge des Niederganges mehrerer Werksanlagen im Frauenholz – und Elisabeth – Horizont zu einen umfangreichen Verbruch der wasserführenden Hangendschichten und zum Eindringen großer Süßwassermengen bis auf den Horizont des Ludovika - Stollens. Dadurch war der gesamte Betrieb des Ischler Salzberges massiv gefährdet.

Eine aus den erfahrensten Bergleuten des Kammergutes Ende 1843 zusammengesetzte Kommission entschied nach der Vermessung des Verbruchsraumes und an Hand eines angefertigten Modelles des Ischler Salzberges, dass die eingedrungenen Wässer vom Niederen Rosenkogel absaßen und durch einen Zubau aus dem Potie - Schurf zwischen dem Neuberg – und Frauenholz - Horizont abgefangen werden könnten. Nach mehreren vergeblichen Versuchsbauten gelang die Gewältigung der Raubwässer auf diese Weise schließlich doch, sie wurden in den Ferro – Wasseroffen gefasst und über den Keeler – Schutt (60 m hoher Wasserschacht) in den Amalia – Stollen unschädlich abgeleitet. Zusätzlich wurden die durch Zubaustrecken zugänglich gemachten Niedergänge durch zahlreiche Stützkästen gesichert und ab 1845 mit obertags gewonnenen Bruchsteinen verfüllt. Die so erfolgreich gewältigten Raubwässer konnten für die Einwässerung genutzt werden.

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Abbildung 16: Niedergangsrevier 1843, Grubenriss 1865, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 17: Wasserableitung über Keeler Schutt, 1848, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 18: Quellaustritt Ferro Wasseroffen, 1998, Archiv Kranabitl

Abbildung 19: Ferro Wasseroffen, 1998, Archiv Kranabitl

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Abbildung 20: Ferro Wasseroffen, 1998, Archiv Kranabitl

Produktionszahlen um 1900:

Die durchschnittliche Wassermenge, welche um 1900 in der Grube abgefangen und ausgeleitet, bzw. zum Teil zur Soleerzeugung verwendet wurde, betrug in Ischl rd. 2,566.000 hl jährlich, davon entfallen 166.000 hl für die Klebelsberg- (7 hl/h) und Stampferquelle (12 hl/h) im Maria Theresia Horizont. Außerdem wurden jährlich rd. 800.000 hl Bachwasser durch eine Einwässerungsleitung aus dem Johannes – und Matthias – Stollen in die Grube geführt.

Um 1900 wurden im Ischler Salzbergbau jährlich 700.000 hl Sole erzeugt. Dazu waren 22 – 26 Wässerungen der Laugwerke, jedes lieferte durchschnittlich 30.000 hl Sole pro Wässerung, nötig. Ein Laugwerk mittlerer Größe benötigte 31.000 hl Füllwasser, da erfahrungsgemäß einige Prozente davon im Laist zurückblieben.

Die bestehenden Wasserleitungen konnten durchschnittlich 180 hl pro Stunde Füllwasser liefern. So ergabt sich ein Zeitraum von rund 7 Tagen für eine Werksfüllung.

 

Errichtung der Einwässerungsleitung Törlbach:

Der Einwässerungsweg führte bis 1932 über den Einwässerungs – Schurf auf die Matthias Stollen – Hauptschachtricht und auf dieser weiter zum in den Neuberg – Stollen hinunterführenden Plenzner – Schurf. Außerdem führte eine weitere, zusätzliche Wasserleitung aus dem St. Johannes – Stollen über den Saherböck – Schurf ebenfalls auf die Matthias Stollen – Hauptschachtricht herunter.

1931 wurde bei der Hauptbefahrung beschlossen, den Johannes – und Matthias – Stollen aufzulassen, weil die Einwässerung zukünftig aus dem Sulzbach über eine obertägige Leitung in den Maria Theresia – Stollen erfolgen sollte. Deshalb wurden 1932 Abschlussdämme am Ende des Stollens sowie am Kopfe des Plenzner – und Weissbacher – Schurfes errichtet. Eine letzte Befahrung zur Kontrolle der Dämme erfolgte am 5. Februar 1934. Anschließend wurden die Stolleneingänge des Matthias – Stollens und des Einwässerungs – Schurfes endgültig verriegelt.

1930 wurde als Ersatz für die alte Einwässerung aus dem St. Johannes – und Matthias – Stollen eine neue Einwässerungsleitung vom Sulzbach oder Törlbach errichtet.

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Abbildung 21: Einwässerungsleitung Törlbach, 1930, Archiv Salinen Austria

Die Einwässerungsleitung Törlbach führte vom in 790 m Seehöhe am Sulzbach gelegenen Einlaufobjekt am Sulzbach am Hang entlang 117,5m zum Weg, im Körper desselben 97,0m zum Filtergebäude, von diesem wieder zum Weg 2,5m, durch dessen Körper 192m zur Wiese, durch dieselbe 169,5m zur Bergschmiede und durch die westliche Hauptmauer in die Maria Theresia – Stollenhalle.

Die Leitung bestandt aus gusseisernen Muffenrohren mit 125mm Durchmesser. Sie war durchwegs 1,0m tief eingebettet. Die Gesamtlänge betrug vom Einlaufbauwerk bis zur Stollenhalle 580,5m. Bei 214,5m Entfernung vom Einfluss in das Einlaufobjekt war ein Filterkasten eingebaut mit Zu-, Spül-, Abfluss- und Überfallleitung. Das Gefälle vom Einfluss des Einlaufobjektes bis zum Filterkasten – Einfluss betrug 15,9m, vom Filterkasten – Abfluss bis zur Maria Theresia – Stollenhalle 91,5m.

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Abbildung 22: Einwässerungsleitung Törlbach, Einlaufbauwerk, 1934, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 23: Einwässerungsleitung Törlbach, Einlaufbauwerk, 2018, Archiv Kranabitl

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Abbildung 24: Einwässerungsleitung Törlbach, Brunnhaus, 2018, Archiv Kranabitl

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Abbildung 25: Einwässerungsleitung Törlbach, Messtrog im Brunnhaus, 2018, Achiv Kranabitl

Von der Maria Theresia – Stollenhalle führte die Leitung am rechten Ulm auf Grundhölzern gebettet durch die Maria Theresia – Hauptschachtricht bis zum Hintermaier – Schurf und durch diesen zum Messtrog im Kaiser Josef – Horizont. Die Länge von der Stollenhalle bis zum Messtrog betrug 1.641,8m. Die Steigung von der Maria Theresia – Stollenhalle bis zum Hintermaier – Schurf betrug 37,3m, vom Hintermaier – Schurf bis zum Messtrog 36,8m. In der Maria Theresia – Stollenhalle war am tiefsten Punkt der Leitung ein Putzkasten zur Entschlämmung und Entleerung der Leitung eingebaut.

Die Gesamtlänge der Leitung vom Einfluss bis Messtrog betrug 2.223,3m.

An die Forstverwaltung Bad Ischl wurde als Entschädigung für die Inanspruchnahme von forsteigenem Grund für die Legung der Leitung die Übergabe der Matthias – Stollenhütte in das Eigentum der Forstverwaltung Bad Ischl ab 1. Jänner 1932 und die Auszahlung eines Betrages von 250,- S an dieselbe vereinbart.

In der Verhandlungsschrift der BH Gmunden vom 7. Mai 1931 wurde festgelegt, dass mehr als 200 hl je Stunde dem Törlbach nur dann entnommen werden darf, wenn das Wasserwerk des Anton Rietzinger in Perneck bei kleinen Wasserständen außer Betrieb ist bzw. bei höheren Wasserständen dann, wenn der Betrieb des Wasserwerkes nicht beeinträchtigt wird. Die Entnahme von 200 hl je Stunde für Zwecke der Salinenverwaltung ist bei allen Wasserständen zulässig.

In einem weiteren Bescheid der BH Gmunden vom 22. August 1951 wurde festgestellt, dass das Sägewerk des Anton Rietzinger in Perneck Nr. 13 nicht mehr mit Wasserkraft betrieben wird, wodurch die Einschränkung auf eine Entnahme von 200 hl je Stunde aufgehoben werden konnte.

Die Einwässerungsleitung aus dem Sulzbach wurde bis März 2008 genutzt. In den letzten Betriebsjahren wurden je nach Bedarf zwischen 20 – 40m³ Wasser pro Stunde aus dem Sulzbach entnommen und dem Wässerungsbetrieb der Grube zugeführt.

Ein weiterer wichtiger Wasserzufluss kommt nach wie vor aus dem Keeler – Schutt im Amalia – Stollen. Rund 50m³/h Wasser werden heute am Schachtkopf des Keeler – Schutts in 2 Kunststoffleitungen gefasst und über den Schacht nach unten abgeleitet. Die Rohrstränge führen über den Layer – und Liska – Umbau auf die Amalia Stollen – Hauptschachtricht, von dieser über den Wimmer –, Veiten –, Erlach – und Hintermaier – Schurf in die Maria Theresia Stollen – Hauptschachtricht und über den Werner – Schacht in den Leopold – Stollen hinunter. Am Fuß des Werner – Schachtes befindet sich ein Ausgleichsbecken mit Pegelmessung, von dem aus, die Rohrleitung zum Zentralschacht und über diesen in den 2. Tiefbau bzw. in den Erb – Stollen führt.

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Abbildung 26: Einwässerungsleitungen Keeler Schutt Schachtfuß, 2016, Archiv IGM

Da die Solegewinnung im Ischler Salzberg seit Februar 2011 stillgelegt ist, fließen nun die Wässer aus dem Keeler – Schutt ungenutzt über die Amalia Stollen – Hauptschachtricht nach ober Tage aus.

 

Verwendete Quellen:

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen vom Beginne des 16. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts“, Wien 1932

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1750 bis in die Zeit nach den Franzosenkriegen“, Wien 1934

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936

L. Janiss „Technisches Hilfsbuch für den österreichischen Salzbergbaubetrieb“, Wien 1934

August Aigner „Der Salzbergbau in den österreichischen Alpen“, Berg- und Hüttenmännisches Jahrbuch, Wien 1892

Ischler Heimatverein „Bad Ischl Heimatbuch 2004“, Bad Ischl 2004                                                                                                                                 

Kurt Thomanek „Salzkörner“, Leoben 2007

Michael Klade „ÖSAG - Alpiner Salzbergbau“, Altaussee 1998

Thomas Nussbaumer „Ischler Lagebücher Nr. 32, 50 und 64a bezüglich Einwässerung“, Transkription 2018

Alfred Pichler „Lipplesgrabenstollenhütte“, Landesverein für Höhlenforschung, Linz, 2003

Carl Karsten „Lehrbuch der Salinenkunde“, Berlin 1847

Ischler Lagerbuch Nr. 32, „Einwässerungsschurfhütte beim Matthias Stollen“, Transkription Thomas Nussbaumer, 01 07 2018

Ischler Lagerbuch Nr. 64a, „Neue Einwässerungsleitung“, Transkription Thomas Nussbaumer, 01 07 2018