Förderung

Unter Förderung versteht man im Bergbau die Verladetätigkeit und den Abtransport von abgebauten Gestein von der Gewinnungsstelle („Abbauförderung“), über vorgetriebene Strecken („Streckenförderung“) bzw. Schächte („Schachtförderung“) an die Tagesoberfläche. 

Neben der Materialförderung entwickelte sich mit der Zeit die „Mannsfahrt“, welche die Bergleute zu deren untertägigen Arbeitsplätzen befördert.

 

Vom urzeitlichen bis zum mittelalterlichen Bergbau wurde das abgebaute Gestein mit Trögen, Körben oder Scheibtruhen nach ober Tage gefördert.

 

Besonders berühmt sind die im prähistorischen Salzbergbau Hallstatt gefundenen Tragsäcke. Mit den gut 3000 Jahre alten Säcken konnten mit Tagegurten bis zu 30 kg Salz am Rücken getragen werden. Über die linke Schulter führte ein kurzer Knüppel, der am Oberteil des Sackes befestigt war und beim Tragen festgehalten werden musste. Das seitliche Entleeren der Säcke erfolgte rasch und mühelos durch Loslassen des Knüppels.

 

Im 16. Jh. führte man zur Erhöhung der Förderleistung kleine, hölzerne Truhen auf vier Rädern („Grubenhunte“) ein. Die ersten Hunte bestanden aus einem einfachen, eisenbeschlagenen Holzkasten mit etwa 150 Liter Inhalt.

 

Unter den ersten Hunten gab es zwei verschiedene Ausführungen: den „Deutschen“ und den „Ungarischen Grubenhunt“. Die deutsche Bauart hatte vier gleich große Räder, wohingegen beim Ungarischen Grubenhunt die Vorderräder kleiner waren und dadurch der Schwerpunkt des Wagens vor den Hinterrädern lag. Dies hatte den Vorteil, dass man den Hunt durch das Niederdrücken einer hinteren Griffstange vorne leicht anheben konnte und ihn so kräftesparend in Kurven nur auf den Hinterrädern schieben musste.

 

Anfangs wurden die Grubenhunte auf der bloßen Stollensohle verschoben. Um diese Kräfte raubende Arbeit zu erleichtern, verlegte man ab der Mitte des 16. Jh. auf der Sohle hölzerne Gleise („Gestänge“). Die Gestänge waren zwei beisammen liegend montierte, dicke Bretter, getrennt durch einen schmalen, etwa 4 cm breiten, mittigen Längsspalt. Dieser Längsspalt diente als Führung für den am Boden des Huntes befestigten Führungszapfen („Spurnagel“). Der zwischen den Vorderrädern des Huntes montierte Spurnagel ragte in den Spalt hinein und verhinderte so ein seitliches Ausbrechen des Huntes von den Gestänge-Brettern.

 

Durch den Spurnagel kam der Hunt auch zu seinem Namen. Denn wenn der Spurnagel in der Spurrinne vor sich hinfuhr, kam es zu einem jaulenden Geräusch, das einem Hund nicht unähnlich war.

 

1748 wurden die wichtigeren Kehren des Ischler Salzberges mit neuen Gestängefahrten versehen, die zwar nicht mit Eisen beschlagen, zur größeren Dauerhaftigkeit aber aus Buchenholz geschnitten waren. Dadurch stieg die Förderleistung bedeutend an.

 

Die Spurnagelbahnen konnten freilich nur mit kleinen Hunten und geringer Geschwindigkeit befahren werden. Trotzdem haben sie sich in den engen und niedrigen Wasserorten der Salzberge bis ins 20. Jh. erhalten. Am Bräunerbergstollen in Altaussee stehen sie sogar noch heute in Verwendung.

 

Aus England kamen zu Beginn des 19. Jh. gusseiserne Räder mit „Spurkränzen“ (Auswölbungen der Räder an deren Innenseite) nach Österreich. Für das „englische Gestänge“ war es erforderlich, dass entsprechend gerade und ebene Schienen verlegt wurden, auf denen die Hunte liefen. Damit man mit solchen Rädern die bereits bestehenden Holzschienen befahren konnte, befestigte man anfangs Flacheisen auf den Oberseiten der Pfosten. Erst Mitte des 19. Jh. wurden die Holzgleise durch gewalzte Eisenschienen ersetzt.

 

Durch den geringeren Rollwiderstand der neuen Hunte auf Schienen ließ sich die Förderleistung deutlich erhöhen, weshalb sich der „englische Förderwagen“ zusammen mit der Auffahrung gleichmäßig und gering geneigter  Stollen und Strecken durchsetzte.

 

1841 errichtete man auf der Maria Theresia Hauptschachtricht die erste Eisenbahn des Ischler Salzberges. Allerdings musste zu diesem Zwecke das Gefälle der Hauptschachtricht durch eine kostspielige Sohleregulierung vorher ausgeglichen werden, um das Ansteigen für die einwärts fahrenden großen Eisenhunte zu ermäßigen. Die Wägen besaßen gusseiserne Speichenräder von 14 Zoll Durchmesser (368 mm) und einen Fassungsraum von vier bisherigen Hunten. Die Spurweite betrug 23 Wiener Zoll (605 mm). Bei ausgeglichenem Gefälle rollten die gefüllten Hunte nunmehr von selbst langsam heraus, die leeren Hunte konnten von einem Mann („Huntstößer“) einwärts geschoben werden.

 

Die Hunte wurden ober Tage nahe der Stollenmundlöcher auf Sturzgerüsten entleert, welche man gleich einem Rost über dem Gerinne vorbeifließender Bäche errichtete.

 

So konnte die Förderung des ausgelaugten Haselgebirgsschlammes („Werklaist“), der bei der Säuberung der armen Laugwerke des Ischler Salzberges in großem Umfang anfiel, deutlich rationalisiert werden.

 

Mehr als 200 Jahre lang war dieser Typ von Grubenhunt mit Speichenrädern, starren Achsen und eisenbeschlagenen Holzaufbau im Einsatz. Erst in den 1980er Jahren wurden Grubenhunte mit Stahlaufbau und einem Fassungsvermögen von 750 l eingeführt.

 

Die erste elektrische Grubenlok Österreichs war ab 1897 im Salzbergbau Altaussee im Einsatz. In 13 Dienstjahren legte die 2 PS starke von Siemens gebaute Lok namens „Barbara“ fast 83.000 km zurück.

 

Im Ischler Erbstollen wurde 1909 eine Ruhrthaler Motorlokomotive mit 10 PS Leistung und 6 km/h Geschwindigkeit in Betrieb genommen. Die für 500 mm Spurweite gebaute 4 t schwere Lok konnte 30 t ziehen. Sie stand bis 1954 im Einsatz.

 

Im heutigen Salzbergbau werden elektrische Akkuloks und Seitenkipper – Hunte aus Stahl mit 750 l Inhalt eingesetzt. Wenn man bei diesen Hunten einen Hebel umlegt, neigen sie sich zur Seite und das Haufwerk fällt von selbst aus dem Wagenkasten. Gefüllte Hunte sieht man bei den Salzbergen sehr selten ober Tage, da das salzhaltige Haufwerk aus Umweltschutzgründen untertage in alten Abbauhohlräumen verkippt werden muss.

Verwendete Quellen:

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen vom Beginne des 16. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts“, Wien 1932

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1750 bis zur Zeit nach den Franzosenkriegen“, Wien 1934

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936

August Aigner „Der Salzbergbau in den österreichischen Alpen“, Berg- und Hüttenmännisches Jahrbuch, Wien 1892

Robert Stibich „Grubenhunt und Knappenross“, Brixlegg, 2011