Geleucht

Als „Geleucht“ bezeichnet der Bergmann alle unter Tage verwendeten Beleuchtungseinrichtungen. Im Bergbau hat das Licht eine wichtige Rolle, da es die Sicherheit und auch die Arbeitsleistung eines Bergmannes wesentlich beeinflussen kann. Für den Bergmann selbst ist die Leuchtkraft eines Geleuchtes sowie dessen Verhalten unter extremen Bedingungen entscheidend.

Das erste unter Tage verwendete Geleucht war der „Leuchtspan“.

Aus dem Salzbergbau Hallstatt sind Reste mehr als 3000 Jahre alter Leuchtspäne bekannt. Die Bergleute verwendeten dünne, gespaltene Stäbe aus Tannenholz, die vor dem Entzünden etwa einen Meter lang waren. Abgebrannt wurden die Leuchtspäne einzeln. War ein Span niedergebrannt, musste ein neuer angezündet werden. Die Rauchentwicklung im Bergwerk dürfte aufgrund der vielen permanent brennenden Leuchtstäbe enorm gewesen sein. Zahnadrücke auf einigen gefundenen Stäben lassen vermuten, dass sie gelegentlich mit den Zähnen gehalten wurden. Im Regelfall ist davon auszugehen, dass die Späne von einer Person, vielleicht einem Kind, gehalten wurden während mehrere andere Personen ihrer Arbeit nachgingen.

Die bronzezeitlichen Leuchtspäne wurden fast immer aus dem harzfreien Tannenholz gefertigt. Damit stehen die Leuchtspäne im Gegensatz zu den Kienspänen aus historischer Zeit, die meist aus sehr harzreichen Hölzern wie Fichte oder Kiefer hergestellt wurden.

 Holz mit übermäßigen Harzeinschlüssen wird „kienig“ genannt. Kienholz entsteht durch eine äußere Verletzung der Baumrinde; der Baum produziert, um die Wunde zu schließen, mehr Harz. Das Harz wird zur Wunde transportiert und lagert sich dort ab. Nach einer gewissen Zeit verhärtet das Harz, wird kristallin, das Holz „verkient“. Fällt man dann den Baum und schneidet oder hackt man den Stamm bei allen Rindenverletzungen in kurze Stücke, die man wiederum der Länge nach in dünne, lange Späne spaltet, so erhält man den „Kienspan“.

Der Kienspan wurde auch in historischer Zeit in der bloßen Hand oder in speziellen Halterungen angezündet. In manchen Stollen findet man noch Leuchtnischen mit Lehmresten, in den die Kienspäne gesteckt werden konnten.

Der „Leuchtspan“ oder die „Leuchtfackel“ fanden in den Salzbergbauen noch weit in die historische Zeit, stellenweise sogar noch im 19. Jahrhundert, Verwendung.

Abgelöst wurden Leuchtspan durch die Verwendung von Unschlitt in Form von Kerzen oder offenen Lampen. Unschlitt ist ein aus geschlachteten Rindern gewonnenes festes Fett. Die ersten Lampenkonstruktionen waren einfache Schalen aus Stein oder Ton. Die Lampen wurden als „offene Froschlampen“ bezeichnet, da ihre Formen an römische Lampen erinnerten. Der Name wurde möglicherweise von der entfernt ähnlichen Form eines sitzenden Frosches abgeleitet.

In die Unschlittlampe wurde ein Docht eingelegt und an einer Seite eingeklemmt. Dann wurde erwärmtes Unschlitt eingegossen. Weiters war an einem Lederriemen ein spatelförmiges Werkzeug befestigt, dass zum Weiterziehen des Dochtes diente.

Das Unschlitt wurde in armen Familien sogar zur Kost herangezogen. Was der Arbeiter vom Deputat ersparte, brachte er heim. In das flüssig gemachte Unschlitt hineingeworfene Brotstückchen dienten dazu, den unangenehmen Geruch anzuziehen.

Die Bedeutung von Unschlitt zeigt sich im Reformationslibell aus 1563. Darin wird für den Salzbergbau Hallstatt die wöchentliche Menge Unschlitt, welche dem Bergmeister und Bergschaffer, den Eisenhäuern, den Rüstern, den Knechten usw. zugeteilt wurde, bereits festgelegt. Die Bergknappen bezogen das Unschlitt vom Amte unentgeltlich, bis zum Jahre 1832 als Jahrespauschale im vorhin und zwar Gedinghauer und Schopfknappen 66 Pfund (37 kg), die übrigen Bergleute 33 bis 39 Pfund (18,5 – 21,2 kg).

Neben den Unschlittlampen traten im 18. Jh. immer mehr die Öllampen hervor. Die Verwendung von Unschlitt als Brennmittel für das Grubengeleucht erfolgte bis in das 19. Jahrhundert.

Ende des 18. Jahrhunderts gab es in den Salzbergen erste Versuche zur Einführung von Öllampen, welche mit Rapsöl („Rüböl“) gespeist wurden. Sie wurden ursprünglich aus Eisenblech („Blechdeckel“) oder Guß („Gießer“) gefertigt, später für das Aufsichtspersonal auch aus Messing („Beamtenfrosch“ oder „Steigerlampe“). Die Verwendung von Messing für diese Berufsgruppe war nicht nur Statussymbol sondern war bei Vermessungsarbeiten mit dem Kompass eine Notwendigkeit. Die typische österreichische Ausbildung der froschförmigen Grubenlampen für Ölbrand war der „Pirringer Frosch“. Ein flacher, geschlossener Behälter enthielt das Ruböl. Vorne im Deckel war ein gedrehter Flachsdocht eingelegt, der mit einer durch eine Schraube gesicherten Klemme gehalten wurde, sodass er leicht und schnell verstellbar war. Hinten war ein Tragehenkel, an dem ein Hacken oder eine Kette zum Aufhängen befestigt wurde. Bei einigen Ausführungen endete der Henkel vorne in Form eines kleinen Spiegels, um die Leuchtkraft der kleinen Ölflamme zu erhöhen.

Eine besondere Ausbildung von Grubenlampen war die Halleiner Blende mit Kerze oder auch mit einem kleinen, kugelförmigen Behälter für Ölbrand („Blechkuckuck“). Sie ist aus dem Salzbergbau Hallein und Berchtesgaden aus der Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt.

Richtig hell wurde es unter Tage jedoch erst durch die Karbidlampe. Sie kam erst ab 1895 zum Einsatz. Diese Lampe hat etwa die zehnfache Leuchtkraft einer Öllampe und ist auch gegen Zugluft wesentlich beständiger.

Die Karbidlampe war folgendermaßen aufgebaut. Im oberen Teil der Lampe befand sich Wasser und im unteren Teil Karbid. Das Wasser tropfte durch eine verstellbare Öffnung im Wassertank („Wasserschraube“) auf das darunterliegende Karbid, wodurch brennbares Acetylengas frei wurde. Durch eine Öffnung („Brennerrohr“) gelangte das Gas zum „Brenner“, wo es an einer Keramikdüse mittels eines Streichholzes angezündet werden konnte. Eine Lampenfüllung Karbid reichte für gut 8 h Betrieb. Nach jeder Verwendung musste der Karbidschlamm aus dem unteren Topf entfernt und die Lampe gut gereinigt werden. Wegen der großen Explosionsgefahr von Acetylengas wurden aus Sicherheitsgründen eigene „Lampenstuben“ abseits der Knappenhäuser zum Hantieren mit Karbid errichtet.

Karbidlampen zeigten aufgrund der Flammenfärbung auch den Sauerstoffgehalt der Grubenluft („Wetter“) an. Eine helle, weiße Flamme war ein Zeichen für genügend Sauerstoff („frische Wetter“), eine kleine, orangefarbene, rußende Flamme war ein Hinweis auf hohe Kohlendioxidgehalte und Sauerstoffmangel („matte Wetter“).

Karbidlampen wurden in den Salzbergen bis in die 1980er Jahre verwendet.

Ab dem 2. Weltkrieg kamen die ersten tragbaren elektrischen Handlampen zum Einsatz. Als erste Stromquellen dienten mit Kalilauge gefüllte Nickel-Kadmiumakkumulatoren, später verwendete man Bleiakkus und heute setzt man leistungsstarke Lithium-Ionenakkus ein.

Tragbare elektrische Grubenlampen gab es anfangs in vielen verschiedenen Ausführungsarten. Die „Mannschaftslampe“ besaß die höchste Leuchtkraft und konnte als einfache Handlampe verwendet werden. Einzelne Bergleute, wie beispielsweise Aufsichtspersonal, setzten „Steigerlampen“ ein, welche wesentlich leichter als Mannschaftslampen waren. „Kopflampen“ wurden immer dann verwendet, wenn die Hände frei sein mussten. Der Akku wurde dazu am Gürtel befestigt, ein flexibles Kabel führte zur Glühbirne am Kopfstück der Lampe, welches in eine Befestigungsschiene am Helm einschoben werden konnte.

Heute verwendet man zumeist Lampen, bei denen der kleine, leistungsfähige Akku im Kopfstück eingebaut ist. Dadurch sind keine, bei der Arbeit störenden, Kabelverbindungen mehr nötig.

Besonders wichtige Grubenstandorte, wie Arbeitsorte, Werkstätten oder Aufenthaltsräume werden mit, ans Stromnetz angeschlossenen, stationären Beleuchtungskörpern ausgestattet.

Verwendete Quellen:

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen vom Beginne des 16. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts“, Wien 1932

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1750 bis zur Zeit nach den Franzosenkriegen“, Wien 1934

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936

Robert Stibich „Grubenhunt und Knappenross“, Brixlegg, 2011

Friedrich Morton „Ischls Salzsegen“, in „Bad Ischl – Vergangenheit und Gegenwart“, Bad Ischl