Der Holzbedarf für die Salzgewinnung am Beispiel der Saline lschl (1571-1965)

Günther Hattinger österreichische Forstzeitung 12/1988:

Im folgenden Beitrag wird über   die Bedeutung der Wald· und Holzwirtschaft für   die Salzgewinnung   im Salzkammergut, im Besonderen für die Saline Bad Ischl zum Ende des 19. Jahrhunderts berichtet und werden auch quantitative Angaben über den Holzverbrauch gemacht.

Die Verbrennung von Holz als Energieträger für die Gewinnung von Salz in Österreich und die daraus resultierende Überbeanspruchung der Wald.- und Holzwirtschalt gehört bereits seit mehr als 100 Jahren der Technik.- und Wirtschaftsgeschichte an.

Die Entwicklung des Salzbergbaues lschl (aufgeschlossen 1563), besonders aber jene der Saline lschl (1571-1965), steht mit den Waldungen der heutigen Forstverwaltung Strobl in engem Zusammenhang.

 

Großer Holzbedarf

Die Waldungen im Oberösterreichischen Rettenbach- und   Mitterweissenbachtal reichten für  die  Deckung  des  Bedarfs des Salzverwesamtes lschl nicht  aus. Es musste ursprünglich über Verträge mit dem Erzbistum Salzburg auch auf die „Salzburger Waldungen" zurückgegriffen werden. Es war nicht nur der Holzbedarf für den Betrieb der Saline (des Pfannhauses) zu decken, sondern auch jener für den Bergbau, die Erzeugung der Salzverpackung (Küfel.- und  Fasselerzeugung), der Salzverfrachtung auf dem Wasserwege (Schiffbau), für die Bauten des Klaus.- und Triftwesens und die verschiedenen Deputatansprüche.

Die Größenordnung Im Jahre 1720

Es wurden bei einer Produktion von rund 30.000 t Salz im gesamten oberösterreichischen Salzkammergut (Saline Ebensee, lschl und Hallstatt)

  • für die Salzerzeugung 160.000 rm,

  • für die Kufenerzeugung und

  • den Schilfbau 53.000 rm und

  • für den Wehrbau, Brauwesen und Deputate 60.000 rm,

  • zusammen 273.000 rm Holz verbraucht.

 

Der Bedarf an Brennholz für die Saline in lschl zur Salzerzeugung lag im 17. Jahrhundert bei einer Jahresproduktion von 5400 t bis 6300 t Salz zwischen 21.000 rm und 24.000 rm jährlich. Im 18. Jahrhundert dürfte dieser auf Grund der Produktionsziffern der Saline   z.T.   sogar 25.000 rm 1ilhrlich überschrillen haben. Der spezifische Holzverbrauch in rm Holz/t Salz konnte während dieser beiden Jahrhunderte nur um knapp 10 % vermindert werden. Dies wirkte sich zufolge der in diesem Zeitraum gestiegenen Salzproduktion auf die Waldwirtschalt nicht entlastend aus. 

In diesem Zeitraum war auch die Technologie der Salzerzeugung in Rundpfannen (alte österr. Pfanne) mit Flachrosten zur Feuerung, trotz sich besonders im 18. Jahrhundert vermehrenden Verbesserungsversuchen, wenig Veränderungen unterworfen.

Fichten.- und Tannenholz gefragt

Zur Feuerung verlangte man großflammig brennendes, jähe Hitze gebendes  Fichten.- und Tannenholz. Das Holz war auf 6 1/2 Schuhe  abgelängt.  Buchenholz  wurde nur für die Befeuerung der Trockenhäuser (Pfiesel) für die  Trockung der Salzfuder verwendet.  ln späterer Zeit durfte dem Holz für die Feuerung der Pfannen, dem “Hallwid", bis zu einem Viertel auch Buchenholz zugesetzt werden.

 

Holznot führte zu Rationalisierung

Die sich abzeichnende Holznot führte zu Rationalisierungsmaßnahmen. In der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts erfolgte durch die Einführung der „Tiroler Pfanne“ (1823) und dem Bau des Kolowrat-Sudhauses (1834) mit einer Doppel-Pfanne und schließlich durch die Einführung des Pullrostes bei den Feuerungen an Stelle des Flachrostes eine wesentliche Verminderung des Holzverbrauches.

Steigende Salzproduktion kompensiert Minderung des Holzbedarfes/t Salz

In diesem Zeitraum verminderte sich der spezifische Holzbedarf um 35 % von rund 3,4 rm/t Salz auf rund 2,2 rm/t Salz. Um die M1itte des 19. Jahrhunderts lag die Salzproduktion der Saline Ischl bei 14.000 t/Jahr. Aber auch diese nennenswerte Senkung des spezifischen Holzverbrauches im Salinenbetrieb konnte den Mehrbedarf für die Salzproduktion nur kompensieren, aber keine Entspannung für die Waldwirtschaft bringen.

Kohlefeuerung bringt Entspannung für Wald

Diese erfolgte erst durch die Einführung der Kohlefeuerung in der Saline lschl in den Jahren 1881-1886 Voraussetzung dafür war die Errichtung der Eisenbahnstrecke Stainach-lrdning- Attnang-Puchheim, der „Kronprinz-Rudolf-Bahn" im Jahre 1877, welche den Kohlentransport aus dem Hausruck-Revier ermöglichte. Mit der Einführung der Kohlefeuerung wurde auch Gasfeuerungen mit Generatorgas versucht, ebenso die Vergasung von Holz. Die an sich wärmetechnisch ökonomischere Gasfeuerung hat sich jedoch gegenüber der Kohlefeuerung mit Treppenrosten und später mit beweglichen Rosten nicht durchsetzen können. Die reine Kohlefeuerung für die Erzeugung von Pfannensalz blieb in der Saline Ischl bis zur endgültigen Einstellung der Produktion im Jahre 1965.

Einsatz der Thermokompression

Im Jahre 1979 wurde in Ebensee eine neue Saline mit einer Produktionskapazität von derzeit 440.000 t Salz pro Jahr in Betrieb genommen. diese als Thermokompressionsanlage mit Verdampfern arbeitende Saline deckt neben der nach dem gleichen Prinzip arbeitenden Saline Hallein mehr als 90 % der Salzprodukion der Österr. Salinen AG. Bei dieser Technologie kommt in der Hauptsache elektrische Energie für den Antrieb der als offene Wärmepumpe arbeitenden Thermokompressionsanlage zum Einsatz und ein nur noch geringer Anteil kalorischer Energie in Form von Heizöl schwer. Der gesamte Energieaufwand beträgt zufolge der hohen Ergiebigkeitsziffer von Thermokompressionsanlagen nur noch 0,9 GJ/1 Salz (Gigajoule/t Salz). Dieser Energieaufwand liegt im Bereich von 5 bis 10 %  des Aufwandes von offenen, mit Kohle oder früher mit Holz befeuerten Pfannen. Er zeigt deutlich den Er1olg der Technikentwicklung in den vergangenen 100 Jahren und besonders in den letzten Jahrzehnten.

Holz prägte Kultur vor dem 19. Jahrhundert

Der deutsche Volkswirtschaftler Werner SOMBART machte in seinem 1919 erschienenen Werk „Der moderne Kapitalismus" folgende, für unsere Region in großem Maße gültige Aussage: „Aus dem Walde war alle europäische Kultur - die geistige nicht minder als die materielle - hervorgegangen. Das Holz griff in alle Gebiete des Kulturdaseins hinein, war für alte Zweige des Wirtschaftslebens die Vorbedingung ihrer Blüte und bildete so sehr den allgemeinen Stoff aller Sachdinge, dass die Kultur vor dem 19. Jahrhundert ein ausgesprochen hölzernes Gepräge trägt.“

Verwendete Quellen:

Günther Hattinger österreichische Forstzeitung 12/1988