Knappenkleid und Knappentracht:

Kleidung dient dem Menschen seit jeher als Schutz vor belastenden Umwelteinflüssen wie Kälte oder Nässe sowie in ihrer jeweiligen Gestaltung auch der zwischenmenschlichen Kommunikation. Damit hat sie sich entsprechend den klimatischen, individuellen und modischen Bedürfnissen sehr unterschiedlich entwickelt. Schuhe und Kopfbedeckungen, beispielsweise Helme, gehören zur Kleidung, reine Schmuckgegenstände jedoch nicht. 

Die ältesten Gewebereste von Knappenkleidung kennt man aus den Salzbergbauen von Hallstatt und vom Dürrnberg bei Hallein aus der Zeit ab 1.600 v. Christus. Mehr als 700 Fragmente von Flachs-, Hanf-, vor allem aber von Wollstoffen und auch von Fell- und Lederbekleidung wurden in den bronzezeitlichen Gruben entdeckt. Zwar sind die gefundenen Stofffragmente zu klein, um über Schnitt und Tragweise Auskunft zu geben, doch vermitteln sie andere wesentliche Informationen zum bronzezeitlichen Textilhandwerk. So sind hochwertige Nähtechniken und Webmuster belegt.

 

Neben diesen aufschlussreichen, aber bruchstückhaften Zeugen bergmännischer Bekleidung hat sich ein einziges Stück vollständig erhalten. Es handelt sich um eine kegelförmige Leder- oder Hautmütze, von deren Scheitel Lederstreifen herabhängen. Getragen wurde sie mit der Haarseite nach innen.

 

Textilien wurden im bronzezeitlichen Bergwerk nicht nur als Bekleidung oder behelfsmäßiges Bindematerial verwendet, sondern auch zur Wundversorgung. Am Dürrnberg wurde ein Wundverband für einen Finger aus Leinenstreifen mit Pflanzenresten zur Blutstillung gefunden.  

 

Über die Alltagskleidung frühneuzeitlicher Bergknappen gibt Fritz Gruber in seiner „Bergbaugeschichte des Rauriser Tales“ einen guten Überblick.

 

Im 16. Jahrhundert trug ein Knappe eine „Pfaid“ (= „Pfoad“, Hemd), darüber einen Rock. Dieser Rock reichte ursprünglich kittelartig bis zum Knie, doch zeigte er später eine deutliche Neigung zu immer kürzerer Ausführung. Im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts wurden zumindest manchmal noch solche offenen „Bergkittel“ getragen. Ob eine Unterhose Verwendung fand ist unbekannt, aber doch anzunehmen. Ursprünglich wurde unter dem Rock ein Gürtel getragen, an dem man die Strümpfe befestigte. Vermutlich wurde aber zusätzlich noch ein Stoffstreifen am Gürtel angebracht, der nach unten hin die Schamgegend abdeckte und einer „Bruoch“ (= kurze Hose) ähnlich war.

 

Das Hemd war meistens aus Leinen, manchmal mit schwarzen Kragen. Wenn der Kragen abgesetzt und besonders schön ausgenäht war, sprach man von einem „Golter“. Der Rock in der billigen, einfachen Form meistens als „Joppn“ bezeichnet, konnte hin und wieder eine Unterfütterung mit Lammfell aufweisen. Es gab eine Ausführung mit breiten oder schmalen Ärmeln, aber auch eine Ausführung ganz ohne Ärmel.

 

Die Hosen machten ebenfalls Veränderungen durch. Ursprünglich bedeckte den Gesäßbereich die sogenannte „Bruoch“ und für die Beine hatte man zwei Stück gestrickter Strümpfe, die an der „Bruoch“ befestigt waren, bzw. bei deren Nichtvorhandensein an einem „Hosenband“ (= Hosengürtel). Schon im frühen 16. Jahrhundert verwuchs die „Bruoch“ mit den Beinlingen zu einem einzigen, ungeteilten Kleidungsstück. Da zu dieser Zeit der Kittel wahrscheinlich schon ziemlich kurz war, verfiel man, wie gelegentlich schon früher, auf die Idee, das männliche Geschlecht mit einer eigenen kapselförmigen, gut ausgestopften „Braguette“ (= Schamkapsel) zu bedecken. Ob die Braguette zur Alltagskleidung der Knappen gehörte ist fraglich. Für Landsknechte gehörte die „Braguette“ allerdings als Männlichkeitsattribut zur Standestracht.

 

Wichtig ist eine andere Erscheinung, nämlich die Umgestaltung der alten „Bruoch“ zu einer besonders weiten, bauchig pludernden „Puffhose“, die bis zu den Knien reichte. Puffhosen tragen zum Beispiel die im Schwazer Bergbuch von 1556 dargestellten Knappen. Auffällig ist die Buntheit der Beinkleider, die durch Streifenmuster besonders zur Geltung kommt. Spätestens um die Mitte des 18. Jahrhunderts schrumpften die alten Leggings – ähnlichen Beinlinge allmählich zu normalen Kniesocken und die Puffhose zu einer Kniebundhose.

Interessant ist die Tatsache, dass den Knappen im Rauriser Tal für ihre Treue zum Salzburger Erzbischof in den Bauernkriegen von 1526, nach Beendigung der Kriegswirren das Tragen von Hosen per Dekret erlaubt wurde. Den aufsässigen Bauern war dies weiterhin verboten, sie durften ihre alten Kittel nicht ablegen.

Insgesamt kamen den späteren Jahrhunderten die Farben abhanden und das Naturgrau dürfte die Arbeitskleidung bestimmt haben, abgesehen vom „Arschleder“, das zu allen Zeiten schwarz war. Es handelte sich dabei um einen annähernd dreieckig zurechtgeschnittenen Lederfleck, der am Gesäß getragen wurde. Dies war durchaus sinnvoll, musste sich ein Knappe doch gegen die Feuchtigkeit, besonders gegen feuchte, oft lehmig überzogene Stollenwände schützen, und dies nicht nur beim Gehen durch enge, oft nicht viel mehr als 30 – 40 cm breite Schlufe, sondern natürlich auch beim Sitzen. Übrigens ließ sich das Arschleder auch als Bauchleder tragen, dies taten die Bergschmiede, für die es durch die Art ihrer Arbeit die empfindliche Vorderseite zu schützen galt.

 

Zur Kleidung gehörten natürlich im weiteren Sinn auch die Schuhe. Die alten Bundschuhe kommen in den Nachlassinventaren nur selten vor, wohl aber immer wieder „ein geschnittenes Paar Schuhe“, diese zunächst noch ohne eigene Sohle. Diese Schuhe waren, wenn man das so sehen will, eigentlich eine Art Ledersack. Die „Grubenschuhe“, so ist zu vermuten, hatten dann schon eine Sohle, zunächst vielleicht aus Holz, später aus hartem Leder. Letzteres machte sie natürlich ordentlich teuer.

 

Als Kopfbedeckung diente ein „Barett“, aus Tuch oder aus „Rauem“ (= Fell, Pelz). Das Barrett war eine kappenartige Kopfbedeckung, die wohl eher dem Feiertagsgewand angehörte und erst im 18. Jahrhundert allgemein getragen wurde.

 

Für Schlechtwetter leisteten sich manche einen schmutzig hellgrau gefärbten „Wettermantel“. Mit der Reinigung der Kleider war es nicht weit her. Ein zeitgenössischer Bericht aus Rauris um 1610 besagt, dass manche so stinken, „dass ihr viel vor Ohnmacht aus der Kirche fliehen müssen.“

Neben der Alltagskleidung war die Bergmannstracht für die Identifikation mit dem Bergmannsstand sehr wichtig.

 

Für den gesamten Alpenraum gilt als „historische“ Knappenkleidung die „weiße“ (oder „maximilianische“) Bergmannstracht, deren wesentliche Bestandteile ein bis auf den Oberschenkel reichender heller „Bergkittel“, die entweder mit ihm oder wenigstens mit einem Nacken- und Schulterschutz verbundene Kapuze („Gugl“) und das Bergleder („Arschleder“) sind.

 

Wenn Bergknappen ihren Stand repräsentieren, werden sie auf zeitgenössischen Bildzeugnissen völlig einheitlich in weißen Bergkitteln, mit Kapuze und Bergleder, zumeist aber auch mit „Schlägel und Eisen“ als Attributen dargestellt.

 

Es ist jedoch anzunehmen, dass nur ein sehr geringer Prozentsatz der im Bergbau Beschäftigten sich diese Standeskleidung angeschafft hat, am ehesten noch Angehörige der Mittelschicht unter den Bergverwandten: Hutleute, Lehenhäuer und Kleingewerken. Auch an eine einheitliche Kleidung auf Kosten des Bergbaubetreibers ist vor dem 18. Jahrhundert nicht zu denken.

 

So einheitlich war ihre Kleidung bei der Arbeit zwar nicht, doch zeigen Darstellungen von arbeitenden Knappen in wesentlichen Stücken doch viel Übereinstimmung: die Bevorzugung heller Farben zur besseren Sichtbarkeit im Dunkel der Arbeitsstätte, die Kopf und Nacken schützende Kapuze und das Arschleder als Schutz bei der oft im Sitzen zu verrichtenden Schlägelarbeit.

 

Alltags- und vor allem Festtagskleidung der Bergleute bzw. der geringen Zahl jener, die sich Kleideraufwand leisten konnten, folgte jedoch den modischen Veränderungen, soweit die geltenden Kleiderordnungen dies zuließen.

 

Wer zu den Bergbaubetreibern, den Gewerken, zählte, durfte auch die nur den Kaufleuten, Ratsbürgern und Patriziern vorbehaltene Kleidung tragen. Diese kleideten sich in prächtige Gewänder aus Seide und Tuch, trugen blütenweiße Halskrausen, gestickte Wämse, Westen oder samtene Jacken und darüber kurze, mit Pelz ausgeschlagene Röcke und Mäntel. Ein am Kopf getragenes Barett galt als Standeszeichen. Barette durften nach der Reichskleiderordnung von Bauern, gemeinen Bürgern und Handwerkern nicht getragen werden.

 

Die Einführung der schwarzen Bergmannstracht erfolgte gegen Ende des 18. Jahrhunderts. Sie wird auf den Einfluss der Amtskleidung der an den Bergschulen und Bergakademien ausgebildeten, sich als „Bergoffiziere“ fühlenden Bergbeamten zurückgeführt. Die Amtskleidung ihrerseits orientierte sich an Vorbildern aus Sachsen vom Beginn des 18. Jahrhunderts. Das Vorbild der sächsischen „Bergoffiziere“ mit genau vorgeschriebener Uniformierung der einzelnen Ränge hat, wie Bildzeugnisse beweisen, schon vor der Gründung der ersten Bergakademie in Schemnitz 1771 auch den österreichischen Bergbau beeinflusst.

 

Für die Durchsetzung einer einheitlichen dunklen Festkleidung von größtem Einfluss war aber sicher der Druck der Obrigkeit, bei Besuchen und Durchreisen von Mitgliedern der kaiserlichen Familie für einen festlichen und repräsentativen Rahmen zu sorgen. Als Beispiel mag das, 1864 beim Ludovika – Stollen zu Ehren des Besuches der Königinnen von Preußen und Sachsen gegebene, Bergfest dienen. Zeitgenössische Stiche zeigen die Knappenabordnungen mit schwarzen Kalpaks samt Federbusch, schwarzen Bergkitteln und Hosen sowie Arschleder.

 

Am 20. April 1850 wurde nach den Ereignissen der im Revolutionsjahr 1848 zur Disziplinierung eine Vorschrift über Berg – Uniformen für montanistische Staatsbeamte erlassen. Diese Vorschrift regelte bis ins Detail die Ausgestaltung der Berguniform sowie die Rahmenbedingungen, wer sie wann sie zu tragen hatte.

 

Abgeschlossen wurde die Entwicklung der Bergmannstacht mit der etwas gelockerten Uniformordnung für Bergbeamte und im Bergbau arbeitende Menschen 1871, auf die, der heute noch getragene Bergkittel zurückgeht.     

Der heute noch übliche schwarze Bergkittel ist mit 3 Reihen Messingknöpfen, auf denen das Bergwerkszeichen „Schlägel und Eisen“ dargestellt ist, versehen. Weiters sind am Bergkittel Achselspangen mit dem Bergwerkszeichen angebracht.

Zum Bergkittel werden ein weißes Hemd mit schwarzer Fliege oder Krawatte, eine schwarze Hose sowie die ebenfalls mit den Bergwerkssymbolen versehene schwarze Schachtmütze, eine Art Barett, getragen.

 

Einige symbolische Komponenten des Bergkittels sind erwähnenswert: Die 29 Knöpfe des Kittels werden den 29 Jahren der hl. Barbara, der Schutzpatronin der Bergleute zugeschrieben. Die goldenen Knöpfe sollen die Sonne symbolisieren und das schwarze Tuch die Farbe der Nacht, in der die Unter-Tage-Arbeit zu verrichten ist.

 

Die Arbeitsbekleidung der Bergleute bestand zumeist aus abgelegter Alltagskleidung. Darstellungen aus dem Schwazer Bergbauch zeigen Bergleute, die je nach Berufsstand, abgetragene und geflickte, bunt zusammengestellte Bekleidung tragen. Häufig wurde nur barfuß oder mit einfachen Holzschuhen gearbeitet. Die Gugl war die einzige Kopfbedeckung.

Schutzbekleidung im heutigen Sinn gibt es erst seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

 

Ein wesentlicher Bestandteil moderner bergmännischer Bekleidung ist der Schutzhelm. Jahrtausendelang wurden Helme in erster Linie zum Schutz vor Waffeneinwirkung getragen. Im Zuge des technologischen Fortschritts und der immer zahlreicher werdenden speziellen Anforderungen entstanden Mitte des 18. Jahrhunderts die ersten Vorläufer moderner Schutzhelme. Ursprünglich aus Leder oder Filz gefertigt boten diese nur geringen Schutz.

Im Harzer Bergbau wurden seit dem 18. Jahrhundert Mooskappen aus Filz getragen. Sie schützten den Bergmann bei seiner Arbeit vor kleineren Steinschlägen und dem Anstoßen gegen die Firste. Mooskappen wurden aus einem harten grünen Filz gefertigt, es soll aber auch „gehäkelte“ Ausführungen gegeben haben. Sie hatten eine zylindrische, kegel- oder auch kuppelförmige Form.

 

Am Beginn des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Grubenhelme aus Leder gefertigt. Auch sie boten nur bedingten Schutz bei der untertägigen Arbeit.

Erst mit der Entwicklung von Kunststoffen Mitte des 20. Jahrhunderts konnten der Tragekomfort, die Lebensdauer und vor allem die Schutzwirkung der Helme wesentlich verbessert werden.

 

An der Helmfarbe konnte man auch die Profession bzw. die Stellung eines Bergmannes ablesen. Weiße Helme waren dem Aufsichtspersonal wie Steiger oder Aufseher vorbehalten, blaue Helme trugen Schlosser, rote Helme Elektriker und gelbe Helme die Häuer.

 

Moderne bergmännische Schutzbekleidung besteht aus einem Overall mit reflektierenden Schutzstreifen, Sicherheitsschuhe mit Stahlkappen, Schutzhandschuhe, einem Schutzhelm mit integrierten Kapselgehörschutz und Lampenhalterung, Schutzbrille, Staubmaske sowie einem CO2 - Filterselbstretter.   

Verwendete Quellen:

„Bergbau – Alltag und Identität der Dürrnberger - Bergleute und Halleiner - Salinenarbeiter“, Salzburger Beiträge zur Volkskunde, Salzburg, 1998

Alois Fellner „Bergmännisches Handwörterbuch“, Wien, 1999

Fritz Gruber „Das Rauriser Tal – Gold und Silber, Bergbaugeschichte“, Rauris, 2004

Günther Biermann „Lebensverhältnisse der Bergleute“ in „Grubenhunt und Ofensau“, Klagenfurt, 1995

Deutscher Bergbaumuseum „Bergauf - Bergab, 10 000 Jahre Bergbau in den Ostalpen“, Bochum 2015

Anton Kern „Salz – Reich 7000 Jahre Hallstatt“, NHM Wien, Wien, 2008