Laugung

Unter „Laugung“ versteht der Salzbergmann das Herauslösen von Salzen aus dem Haselgebirge mittels Süßwasser.

Das Haselgebirge ist ein etwa 220 Millionen Jahre altes Trümmergestein aus Anhydrit, Ton, Kochsalz und Nebensalzen, das im Auffaltungs- und Bewegungsstadium der Alpen aus der Tiefe aufgeschoben wurde. Es erfüllt im Salzkammergut gleichsam als Berg im Berg Klüfte und Hohlräume, bildet Stöcke und wird nach Durchörterung der Kalkdeckgebirge mit den Abbaustollen angefahren. Das Haselgebirge weist zwischen 40 und 75% Salzgehalt auf. Deshalb eignet es sich nur für den sogenannten „nassen Abbau“, d. h. zur Laugung mit Süßwasser.

Bei diesem Laugungsprozess entsteht als Produkt sogenannte „gesättigte Sole“ mit rund 26%  oder 330 kg pro Kubikmeter Salzgehalt. Die Sole wird über Rohrleitungen nach ober Tage und weiter zu den Salinen geleitet. In den Salinen wird die Sole erhitzt, dabei verdampft das Wasser und als Rückstand bleiben die in der Sole gelösten Salze übrig.

Je nach Art der Laugung kann man im alpinen Salzbergbau zwischen verschiedenen Abbauverfahren unterscheiden.

Als ältestes Verfahren gilt der „Schöpfbau“. Schöpfbaue hatten keinen natürlichen Soleabfluss. Die Sole wurde aus den Laugungshohlräumen („Werkern“) über abgesenkte Schöpfschächte („Pütten“) durch Menschenhand in ledernen Eimern („Bulgen“) aufgehaspelt, und zwar durch einen am Schachtmund („Püttenstatt“ oder „Hornstatt“) stehenden Haspel. Mit diesem Haspel musste auch der, sich am Beginn der Laugung anhäufende, ausgelaugte Salzgebirgston („Werkslaist“) ausgefördert werden. In der Regel wurden vom 25 m tief abgesenkten Schöpfschacht zwei rechtwinkelig verlaufende Strecken getrieben, aus welchen sich dann allmählich die der Laugung dienenden Werker entwickelten. Zur rascheren Größenentwicklung der Werkshohlräume musste der Werkslaist regelmäßig aufgehaspelt werden. Die einzelnen Schöpfbaue wurden in einem Abstand von 25 – 35 m zueinander angelegt.

Wegen der geringen Tiefe und Ausdehnung der Werker war eine verhältnismäßig große Anzahl an

Werkern notwendig, um die benötigten Solemengen produzieren zu können.

Neben der Soleförderung ging auch die Säuberung des Werkslaists nach aufwärts, welche natürlich mehr Kraft und Zeit in Anspruch nahm, weil in den Schöpfbauen der Laist nicht schnell und vollkommen trocknen konnte. Es musste neben dem Laist auch noch Sole gehoben werden, die aber nicht zum Salzsieden verwendet werden konnte, sondern mit dem Laist ausgefördert und verkippt werden musste.

 

Die Solegewinnung in Schöpfwerken war deshalb sehr aufwendig und teuer.

 

Die vielen Nachteile der Schöpfwerke konnte man durch den Einbau eines senkrechten, verdämmten Rohres von der Werkssohle auf die nächst tiefere Etage wesentlich entschärfen. Durch diesen Rationalisierungsschritt entstand die „Grubenwehr“.

Bei der Grubenwehr wurden die Ablassrohre mit einem Lettendamm senkrecht eingeblendet, oben mit Seihröhren und unten mit Ablasshähnen versehen, von welchen die Sole in einen Messtrog („Cimenttrog“) zum Ablassrohr geleitet wurde. Im Schacht wurden Kränze eingeschlagen, welche sowohl die Verbindung des Dammkörpers mit den umgebenden Haselgebirgsschichten bezweckten, sowie auch zur Auflage von Holzpfosten dienten, die andererseits wieder als sichere Stützen für die Ablassröhren verwendet wurden. Die Dammflügel lagen horizontal.

Die Werkssäuberung musste aber nach wie vor über die Püttengrube nach oben mittels Aufhaspeln erfolgen. Außerdem musste aus Sicherheitsgründen eine etwa 10 - 12 m dicke Haselgebirgsschicht zum sicheren Eindämmen des Ablassrohres stehen gelassen werden. Dies führte zu großen Abbauverlusten.

Schon 1567 wurde der Mitterbergstollen mit einem zweiten Stollen, dem Alten Steinbergstollen unterfahren und zwischen beiden Horizonten nach dem Muster von Dürrnberg und Schellenberg das erste Ablasswerk des Salzkammergutes angelegt.

Der Nachteil der Werkssäuberung nach oben konnte mit Entwicklung der „Rollwehr“ gelöst werden.

 Auf der Sohle des Werkes einer Rollwehr wurde ein Schacht auf die nächste Etage abgeteuft. Durch diesen Schacht konnte der Soleabfluss und die Werkssäuberung bewerkstelligt werden. Der Nachteil eines großen Gebirgsmittelverbrauches blieb immer noch bestehen,

da eine Bergfeste von 10 - 12 m unverritzt als Bodenstück zurückzubleiben musste.

Bei der Rollwehre wurde in einem etwas stärkeren vertikalen Damm ein weiteres, aus Holz gezimmertes Rohr eingeblendet, welches oben mit einem Deckel („Sturzdeckel“) versehen war. Zur bevorstehenden Säuberung wurde zuerst der überstehende Lettendamm herausgenommen, der Sturzdeckel entfernt, ein aus Holzläden zusammengefügter Trichter aufgesetzt und der zur Wehre geförderte Laist durch die Rolle auf den unteren Horizont, dem „Ablassoffen“, abgestürzt, wo er dann weiterbefördert wurde. Die übrige Bauart war wie jene der Grubenwehr.

Um das Gebirgsmittel möglichst vollständig nutzen zu können, erfand man die „gemeine Dammwehr“ oder kurz „Dammwehr“.

 

Ihr Hauptunterschied von der Grubenwehre besteht darin, dass die Förderung von Sole und Säubererlaist nicht vertikal abwärts, sondern in horizontaler Richtung erfolgte. Der gesamte Dammkörper lag horizontal („Liegenddämme“). Die beiden Dammflügel standen aufrecht. Die erste Säuberung des Werkes geschah dadurch, dass der Dammkörper aufgerissen wurde. Bei Anwendung des von Bergmeister Schwind eingeführten Wassertonnenaufzugs geschah die Säuberung jedoch ohne Aufreißen des Dammkörpers durch den Püttenschacht nach oben. Die beiden Dammflügel hatten in der Regel eine elliptische Gestalt. Sie konnten in dem Masse erhöht werden, als die benachbarten reichen Kernstriche dies notwendig machten. Die Ebenwehre gestattete in ihrer Einfachheit die ganze Ausnützung der Gebirgsmittel und war deutlich billiger als andere Wehren.

 

Allerdings hatten Liegenddämme auch ihre Nachteile; das eventuelle Umschneiden des Dammkörpers, was aber bei allen Dämmen der Fall sein kann, war auch hier möglich. Durch entsprechend große Dammflügel und sorgfältige Herstellung des Dammes konnte aber das Umschneiden und Undichtwerden des Liegenddammes auf ein Minimum herabgedrückt werden.

Zunächst bestand ein Ablasswerk aus einem „Ankehrschurf“, einem vom oberen Horizont nach unten führenden Schrägstollen mit eingebauter Treppe („Stiegenfahrt“), an deren unteren Ende sich ein kreisrunder Hohlraum von 40m Durchmesser und 2,5m Höhe befand. Dieser Hohlraum wurde mit dem Stollensystem des unteren Horizontes über ein kurzes Stollenstück („Ablassoffen“) verbunden. Im Ablassoffen wurden mit festgeschlagenem Werkslaist zwei Rohre eingedämmt, welche Absperrvorrichtungen besaßen. Durch den Ankehrschurf wurde von oben her Süßwasser in den Hohlraum gelassen und dieser bis an die Decke vollgefüllt. Das Wasser laugte nun aus Seitenwänden („Ulme“) und der Decke („Himmel“) das Salz. Die unlöslichen Bestandteile des Haselgebirges sanken zu Boden („Werkslaist“).

Sobald mit 25 – 26% eine genügend hohe Salzkonzentration der Lauge erreicht wurde und diese zur „Sole“ gutgesprochen werden konnte, wurde sie durch das Ablassrohr „abgelassen“ und in Rohrleitungen („Strehn“) der Saline („Sudhütte“) zugeführt.

Mit der Zeit entstanden dadurch nach oben immer breiter werdende Hohlräume, mitunter bis über 20.000 m² groß. Das Laugwerk wurde durch die „intermittierende“ Wässerung schrittweise bis zum oberen Horizont vergrößert und war dann ausbenützt. Ungefähr fünfzigmal konnte so ein Werk angewässert werden, war 30 – 40 Jahre in Betrieb und hatte, bis es „tot gesprochen“ wurde, zirka 60.000 Tonnen Salz gebracht. Dazu mussten rd. 140.000 t oder 70.000 m³ Haselgebirge aufgelöst werden.

Der Wässerung von Dammwehren hafteten Ende des 18. Jahrhunderts immer noch technische Mängel an. Der größte Mangel war der geringe Durchflussquerschnitt der hölzernen Einwässerungsleitungen. Deshalb nahm die Füllung eines größeren Laugwerkes Monate in Anspruch. Diese lange Füllzeit begünstigte natürlich die Erweiterung der Werksulme und vergrößerte dadurch die Gefahr des Zusammenschneidens der Nachbarwerker. Man war daher gezwungen, viele und große Verschneidungsdämme herzustellen und zu erhalten, sie nach Bedarf zu überhöhen und verlängern. Das erforderte freilich dauernd einen beträchtlichen Aufwand an Häuern und Verdämmern.

Bergmeister Schwind begann 1842 mit der Verlegung gusseiserner Wasserleitungsröhren am Ischler Salzberg. Dadurch war es möglich den langen Weg, den die in den oberen Horizonten gesammelten Wässer zur Füllung der Laugwerker zurücklegen mussten, wesentlich abkürzen, da die eisernen Leitungen im Gegensatz zu den Holzrohren unter Druck zu stehen konnten. Die rasche Zufuhr größerer Wassermengen in die Erzeugungswerker sowie die Trockenlegung der von den nässenden Holzröhren durchfeuchteten Strecken war nun möglich.

Zur Sicherstellung der Stabilität des Salzberges wurden ab etwa 1800 die Laugwerke in den einzelnen Etagen senkrecht untereinander angeordnet. Dadurch konnte allseits ein Schutzpfeiler zur Stabilisierung stehenbleiben. Außerdem wurde nicht die ganze Etagenhöhe verlaugt, sondern eine Bergfeste von mindestens 8 m bis zur oberen Etage stehen gelassen. Die Ausnützung eines Grubenfeldes lag mit Rücksicht auf die Schutzpfeiler, die beim Laugwerksbetrieb aus Sicherheitsgründen stehen bleiben müssen, bei lediglich 25%.

Vor allem im Randbereich der Salzlagerstätte wurden die Laugwerker teilweise zu Nahe an die Salzgrenze herangeführt. Dies führte zu großen Verbrüchen, die oft bis in die wasserführenden Deckschichten reichten.

 1839 ging aus diesem Grund das im Ludovikahorizont gelegene das Nefzer - Werk nach Himmelsbrüchen verloren. Sprünge im Sinkwerk wiesen auf den drohenden Zusammenbruch des oberhalb gelegenen Gebirgsmittels zwischen den im Elisabethhorizont bereits niedergegangenen Freund - Werk und den vereinigten Werken Mohr und Schmied hin. Auch die im Amaliahorizont gelegene Wolfen – Wehr war niedergegangen, so dass der Verbruch sich bereits auf drei Etagen erstreckte. Die Zerstörung eines so großen Abbaugebietes brachte den Ischler Salzberg in eine schwierige Lage. Viele Werker mussten totgesprochen oder in Feier gestellt werden, um das Tiefergreifen des Niederganges zu vermeiden. Die eingedrungenen Raubwässer wurden über den Stüger – Schurf vom Amalia- auf den Elisabethstollen, von diesen über den Poniatvsky – Schurf in den Ludovikastollen und weiter über die Chotek - Kehr und die Ludovikastollen – Hauptschachtricht nach ober Tage geleitet. 

10 Jahre später ging 1849 auch der Himmel der vereinigten Werke Monsberg und Gerstorf am Elisabethhorizont nieder. Die Gefahr des Eindringens neuer Raubwässer in das Haselgebirge und des Einsturzes der ganzen Lagerkuppe bedrohte den Bestand des Ischler Salzberges. Das Oberamt fasste weitreichende Beschlüsse, die 1850 die Genehmigung des Ministeriums fanden.

Die am Elisabethhorizont verbrochenen Werker Schlögel, Wolfen und Quix waren mit Werkslaist zu versetzen, der mittels Kübelkunst aus tieferen Horizonten gehoben werden konnte. Dazu musste ein über drei Etagen reichender Schacht („Werner Schacht“), zunächst vom Elisabeth - auf den Maria Theresia - Stollen abgeteuft werden. In den Schacht wurde ein von Bergmeister Schwind entwickelter Wassertonnenaufzug eingebaut, mit dessen Hilfe Werkslaist als Versatz aus dem Maria Theresia Stollen angehoben werden konnte.

Der von Schwind an Stelle des Förderhaspels bei der Werkssäuberung eingeführte Wassertonnenaufzug gewann am Ischler Salzberg besondere Bedeutung für die Zubringung von Werklaist über den Werner Schacht als Versatz in die Verbruchräume. 1847 verbesserte Schwind diese Förderungsart durch den Gewichtsausgleich mittels Seil oder Kette ohne Ende.                                              

Um 1900 wurden im Salzbergbau Ischl jährlich 700.000 hl Sole erzeugt. Dazu waren 22 – 26 Wässerungen der Laugwerke, jedes lieferte durchschnittlich 30.000 hl Sole pro Wässerung, nötig. Ein Laugwerk mittlerer Größe benötigte 31.000 hl Füllwasser, da erfahrungsgemäß einige Prozente davon im Laist zurückblieben.

Die bestehenden Wasserleitungen konnten durchschnittlich 180 hl pro Stunde Füllwasser liefern. So ergab sich ein Zeitraum von rund 7 Tagen für eine Werksfüllung. Die durchschnittliche Verlaugungszeit („Ätzzeit“) betrug 24 Tage. Die Dauer einer Wässerung samt Füllung lag somit bei rund einem Monat. Nach der Gutsprechung erfolgte der Abzug der Sole vom Himmel mit bis zu 25 cm Abstand („Fällung“). Als Entleerdauer dürften für Ischl durchschnittlich 6 Wochen angenommen werden.

Ein „Umtrieb“ (Füllung, Vergütung, Entleerung) dauerte in Ischl somit etwa 70 – 80 Tage.

Am Ischler Salzberg wurden von Eröffnung des Mitterbergstollens 1563 bis zu der des Amaliastollens 1687 insgesamt 48 Schöpfbaue angelegt. Bis 1904 folgten vom Elisabeth- bis zum Leopoldhorizont weitere 65 Laugwerke, meist als Dammwehren ausgeführt.

1906 wurden im Ischler Salzberg auf drei Horizonten in zwanzig Laugwerkern fast 130.000 m³ Sole erzeugt. Die Streckenlänge aller offenen, benutzten Stollen lag bei fast 20 km.

Bergmeister Aigner errechnete 1904, dass die von 1563 bis 1904 am Ischler Salzberg produzierte Solemenge rd. 9,4 Mio m³ mit 3,1 Mio t Salzinhalt betrug. Dafür wurde ein Hohlraum mit einer Grundfläche von 100 m x 100 m und einer Höhe von 400 m aus dem Berg herausgelöst.

Natürlich bestehen diese Hohlräume nicht mehr. Sie sind wegen des Gebirgsdruckes zusammengewachsen und haben entsprechende Setzungen an der Tagesoberfläche verursacht. Durch diese Setzungen kam es zu großen Felsstürzen, wie zuletzt an der Zwerchwand Südseite 1981 unweit des Hüttenecks. Damals verursachte ein Felssturz von 130.000 m³ Gestein eine Mure mit mehr als 11 Mio m³ bewegten Gesteinsmassen, die die oberen Ortsteile von Bad Goisern bedrohten.

Um 1960 wurden die „Tiefenwerker“ eingeführt. Im Gegensatz zu den als „Normalwerker“ ausgeführten Dammwehren, die bei 30 Etagenhöhe maximal 22 m nach oben verlaugt werden konnten, wurden die Tiefenwerker bis zu 90 m tief angelegt. Sie konnten so bis zu 82 m nach oben verlaugt werden.

Bei einem Tiefenwerk wurde zuerst ein bis zu 90 m tiefer Schacht („Püttenschacht“) abgeteuft. Am Schachtfuß wurde die Laugkammer herausgesprengt. Das Haufwerk musste mittels einer Schachtmaschine nach oben über den Püttenschacht ausgefördert werden. Die Laugkammer wurde von oben über Leitungen mit Süßwasser bis zum Himmel befüllt. Nach Abschluss des Laugvorganges konnte die vollgrädige Sole mit Pumpen über den Püttenschacht gehoben werden. Tiefenwerke wurden zumeist mit kontinuierlicher Wässerung betrieben. Dabei wird ständig Süßwasser zugeführt und die schwerere vollgrädige Sole vom Grund des Laugwerkes ebenfalls ständig abgepumpt.

Der Vorteil der Tiefenwerker lag vor allem darin, dass nicht alle 30 m ein neuer Horizont aufgefahren werden musste und dass über größere Höhen verlaugt werden konnte.

Im 2. Tiefbau des Ischler Salzberges wurden 6 Tiefenwerke errichtet und teilweise bis zur Einstellung der untertägigen Solegewinnung im Februar 2011 betrieben.

Im reicheren Haselgebirge führte man ab 1960 die ersten untertägigen Bohrlochsonden ein. Im Gegensatz zum Tiefenwerk wurde bei einer Bohrlochsonde lediglich ein anfangs bis zu 120 m tiefes Bohrloch mit 200 – 300 mm Durchmesser abgeteuft. In das Bohrloch wurde eine doppelte Verrohrung eingebracht.

Der Betrieb einer Bohrlochsonde ist vom Beginn der Solegewinnung bis zu ihrer Stilllegung von 3 Phasen gekennzeichnet. Diese Phasen werden Entwicklungsphase, Vollphase und Endphase genannt.

Am Beginn der Soleerzeugung ist der Laugungshohlraum nur in Form des Bohrloches (200 - 300 mm Durchmesser) vorhanden.

In der „Entwicklungsphase“ versucht man möglichst schnell eine Hohlraumentwicklung in die Breite zu erzielen. Dies geschieht mit sogenannter „Unterwasserführung“. Dabei tritt das Wasser durch das Innenrohr („Tubing“) am Bohrlochtiefsten aus und wird durch das Außenrohr („Casing“) abgezogen. Dabei probiert man möglichst wenig Gebirgsmittel in der Vertikalen zu verlieren. Die hierbei gewonnene Sole ist mindergrädig und muss in einer anderen Sondenkaverne aufgesättigt werden.

Sobald in der Breitenentwicklung der Querschnitt des geplanten Aussolungskörpers („Kaverne“) erreicht ist, tritt die „Vollphase“ ein. Die Unterwasserführung wird auf Oberwasserführung umgestellt, d.h. der Wasserzutritt erfolgt durch das Außenrohr am Kavernendach, der Soleabzug durch das Innenrohr am Kavernentiefsten. Der Kaverne wird ab nun zylindrisch nach oben gezogen.

In der „Endphase“ wird das Kavernendach wiederum kuppelartig zusammengezogen. Letzteres hat gebirgsmechanische Gründe.

Eine Bohrlochsonde funktioniert nach dem Prinzip kommunizierender Gefäße. Um den Zutritt von Laugwasser in das Bohrloch zu verhindern, wird auf den Wasserspiegel ein Druckluftpolster als Sperrmedium („Blanket“) gesetzt.

Die Hohlraumentwicklung der Kaverne wird durch regelmäßige, im 2 - Jahresabstand durchgeführte, Vermessungen kontrolliert. Die Vermessung erfolgt echometrisch und wird durch Spezialunternehmen durchgeführt. Eine Begehung der Kaverne ist ja über das Bohrloch nicht möglich.

Seit 1997 werden untertägige Bohrlochsonden bis auf 300 m Tiefe abgebohrt.

Mit einer modernen, leistungsstarken Bohrlochsonde können im Schnitt stündlich 15 m³ Sole erzeugt werden. Dabei wandert das Kavernendach wegen der Lösung des Haselgebirges pro Tag rd. 2 cm nach oben. Eine Bohrlochsonde liefert in rd. 35 Jahren Betriebszeit ca. 3,6 Mio m³ Sole oder 1,2 Mio t Salz.

Im Ischler Salzberg errichtete man im 2. Tiefbau 6 Bohrlochsonden und im Kaiser Franz Josef Erbstollen 1 Bohrlochsonde. Ein Teil dieser Bohrlochsonden wurden bis zur Stilllegung der untertägigen Soleproduktion im Ischler Salzberg im Februar 2011 betrieben.

Ein zweiter Produktionsstandort des Salzbergbaues Bad Ischl ist das Obertagesondenfeld im Trauntal.

Im Frühjahr 1965 konnte das im Untergrund des Trauntales südlich von Bad Ischl in der Ortschaft Sulzbach vermutete Salzlager durch vibroseismische Messungen nachgewiesen werden. Aufgrund positiven Messergebnisses wurde eine Aufschlussbohrung auf den Sulzbachfeldern niedergebracht. Sie ergab im Teufenbereich von 274,10 m bis 524,00 m Haselgebirge mit einem durchschnittlichen NaCl - Gehalt von 55,5 %. Diese, zur Erlangung von weiteren geologischen Erkenntnissen, bis in das unterhalb der Salzschichten liegende Grundgebirge auf eine Teufe von 1241 m niedergebrachte Aufschlussbohrung Bad Ischl 1 (BL 1) wurde sodann zu einer Bohrlochsonde hergerichtet. Der Laugbetrieb dieser Sonde wurde im Jahre 1967 begonnen.

Auf Grund des positiven Gewinnungsergebnisses der Bohrlochsonde Bad Ischl 1 wurden zunächst in den Jahren 1974 bis 1983 noch weitere 10 Bohrungen niedergebracht und davon 9 Bohrungen für die Solegewinnung hergerichtet. Die Gewinnung von Bohrlochsole aus den Bohrlochsonden betrug 1984 bereits 350.000 Kubikmeter jährlich und lag damals bereits wesentlich über jener von der im Salzbergbau Ischl unter Tage gewonnenen Solemenge.

Zur Erkundung der südlichen und westlichen Ausdehnung des in den Sulzbachfeldern bereits durch die umfangreiche Aussolung mittels Obertagsonden aufgeschlossenen Trauntaler Salzlagers, erfolgten 1994 wieder umfangreiche geophysikalische - seismische Erkundungen. Innerhalb des vorgesehenen Erkundungsfeldes wurden sieben seismische Profile mit einer Gesamtlänge von 14 km aufgenommen. Innerhalb des Erkundungsfeldes wurde 1995/1997 knapp südwestlich von Ahorn die Erkundungsbohrung „Rabennest 3“ niedergebracht. Es wurde dabei ab einer Teufe von 153,4 m Haselgebirge bis auf eine Teufe von 578,8 m durchörtert. Die Bohrung wurde, da nicht zur Nutzung vorgesehen, wieder verfüllt.

Im Jahre 2001 wurden voraussichtlich als letzte Bohrungen auf den Sulzbachfeldern die Bohrungen „Bad Ischl 22“ und „Bad Ischl 23“ niedergebracht und anschließend in Betrieb genommen. Diese Bohrungen befinden sich bereits auf einem neuen Bergbauberechtigungsfeld (Gewinnungsfeld Bad Ischl 4), auf welchem Platz für insgesamt 29 Bohrlochsolegewinnungssonden vorhanden ist. Bei diesen Bohrungen, mit welchen Lagerstättenmächtigkeiten von 205 m und 170 m aufgeschlossen wurden, wird mit einer möglichen Soleförderung von 3 Mio. Kubikmetern gerechnet.

Eine neue Bohrung wurde inzwischen beim Kaiser Franz Josef Erbstollen in Lauffen und zwei weitere werden westlich der Traun in Engleithen und am Römerweg niedergebracht. Diese 3 Bohrungen sollen die Gewinnung von Sole für die Produktion von jährlich 50.000 t Salz sicherstellen. Bei ausreichender Fündigkeit der Bohrung am Römerweg sollen in diesem Bereich noch weitere Bohrungen folgen.

Der Salzbergbau Bad Ischl konnte im Geschäftsjahr 2012/2013 erstmals 1 Million m³ Rohsole erzeugen und an die Saline Ebensee/Steinkogel abgegeben. Der Salzbergbau Bad Ischl wurde durch das Sondenfeld zum derzeit zweitgrößten Soleproduzenten hinter dem Salzbergbau Altaussee.

Verwendete Quellen:

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen vom Beginne des 16. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts“, Wien 1932

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1750 bis zur Zeit nach den Franzosenkriegen“, Wien 1934

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936

L. Janiss „Technisches Hilfsbuch für den österreichischen Salzbergbaubetrieb“, Wien 1934

Ischler Heimatverein „Bad Ischl Heimatbuch 2004“, Bad Ischl 2004                                                                                                                                  

Kurt Thomanek „Salzkörner“, Leoben 2007

Michael Klade „ÖSAG - Alpiner Salzbergbau“, Altaussee 1998