Laugung

Unter „Laugung“ versteht der Salzbergmann das Herauslösen von Salzen aus dem Haselgebirge mittels Süßwasser.

 

1. Laugungsprozess:

Das Haselgebirge ist ein etwa 220 Millionen Jahre altes Trümmergestein aus Anhydrit, Ton, Kochsalz und Nebensalzen, das im Auffaltungs- und Bewegungsstadium der Alpen aus der Tiefe aufgeschoben wurde. Es erfüllt im Salzkammergut gleichsam als Berg im Berg Klüfte und Hohlräume, bildet Stöcke und wird nach Durchörterung der Kalkdeckgebirge mit den Abbaustollen angefahren. Das Haselgebirge weist zwischen 40 und 75% Salzgehalt auf. Deshalb eignet es sich nur für den sogenannten „nassen Abbau“, d. h. zur Laugung mit Süßwasser.

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Abbildung 1: Haselgebirge, Archiv Salinen Austria

Bei diesem Laugungsprozess entsteht als Produkt sogenannte „gesättigte Sole“ mit rund 26 % oder 330 kg pro Kubikmeter Salzgehalt. Die Sole wird über Rohrleitungen nach ober Tage und weiter zu den Salinen geleitet. In den Salinen wird die Sole erhitzt, dabei verdampft das Wasser und als Rückstand bleiben die in der Sole gelösten Salze übrig.

 

2. Abbauverfahren für die Soleerzeugung

Je nach Art der Laugung kann man im alpinen Salzbergbau zwischen verschiedenen Abbauverfahren unterscheiden.

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Abbildung 2: Entwicklung der Abbauverfahren, Archiv Salinen Austria

2.1. Schöpfbaue:

Als ältestes Verfahren gilt der „Schöpfbau“. Schöpfbaue hatten keinen natürlichen Soleabfluss.

Die Alten erschlossen die Salzberge mit einer horizontalen Strecke, senkten sich von dieser mit einem tonnlägigen Bau („Sinkwerk“) im Salzgebirge mehrere Klafter in die Tiefe, wo sie nach mehreren Richtungen Strecken („Auslängen“) trieben. Über das Sinkwerk ließen sie dann Wasser in das Auslängen ein und die Laugung konnte beginnen. Die gesättigte Sole musste mit Kübeln durch das Sinkwerk hinaufgetragen werden.

 

Später wurde zusätzlich zum tonnlägigen Sinkwerk ein saigeres Gesenk („Pütte“) angelegt, um den Soletransport und das Ausbringen des Werkslaists zu erleichtern. Die Sole konnte mit einfachen Hebezeugen, wie aus Ochsenhaut hergestellten Eimern, sogenannten „Pulgen“ und später mit hölzernen Kübeln durch einen am Schachtmund („Püttenstatt“ oder „Hornstatt“)  stehenden Haspel gehoben werden. Diese Hebevorrichtungen mussten in der Regel von 2 Mann händisch bedient werden.

 

Mit diesem Haspel musste auch der, sich am Beginn der Laugung anhäufende, ausgelaugte Salzgebirgston („Werkslaist“) ausgefördert werden. In der Regel wurden vom 25 m tief abgesenkten Schöpfschacht zwei rechtwinkelig verlaufende Strecken getrieben, aus welchen sich dann allmählich die der Laugung dienenden Werker entwickelten. Zur rascheren Größenentwicklung der Werkshohlräume musste der Werkslaist regelmäßig aufgehaspelt werden. Die einzelnen Schöpfbaue wurden in einem Abstand von 25 – 35 m zueinander angelegt.

Diese, auch für die damaligen Verhältnisse teure und umständliche Art, die Sole zu Tage zu fördern, führte schließlich dazu, den Soleerzeugungsräumen einen selbsttätigen Abfluss nach unten zu geben und damit entstanden zunächst die sogenannten Gruben- und später die Dammwehren.

Wegen der geringen Tiefe und Ausdehnung der Werker war eine verhältnismäßig große Anzahl an

Produktionswerkern notwendig, um die benötigten Solemengen produzieren zu können.

 

Die Solegewinnung aus den Schöpfwerken war deshalb sehr aufwendig und teuer.

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Abbildung 3: Schöpfbau, 1809, aus Schultes „Reisen durch Oberösterreich“

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Abbildung 4: Schöpfbau, Aufhaspeln der Sole, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 5: Solehaspel, um 1930, Salzbergbau Altaussee, Archiv Salinen Austria

2.2. Grubenwehr:

Die vielen Nachteile der Schöpfwerke konnte man durch den Einbau eines senkrechten, verdämmten Rohres von der Werkssohle auf die nächst, tiefere Etage wesentlich entschärfen. Durch diesen Rationalisierungsschritt entstand in der Mitte des sechzehnten Jahrhunderts die „Grubenwehr“ mit Selbstabfluss der Sole. 1583 wurde die erste Ablasswehr am Haller Salzberg, auf der damals höchsten Etage zwischen dem Oberberg - und Mitterberg – Stollen, errichtet.

 

Bei der Grubenwehre wurde von der oberen Stollensohle eine Pütte 24 – 27 m tief abgesetzt und bei einer Bergdicke von ca. 36 m, eine Bergfeste von 10 - 12 m unverritzt als Bodenschwebe aus Sicherheitsgründen stehengelassen. Durch diese Bergdicke wurde ein Schacht abgeteuft, durch den der Solenabfluss bewerkstelligt werden konnte. Damit war das Soleheben beseitigt, dafür aber musste der Ablass („Grube“) entsprechend verdämmt werden.

 

Bei der Grubenwehr waren die Ablassrohre mit einem Lettendamm senkrecht eingeblendet, oben mit Seihröhren und unten mit Ablasshähnen versehen, von welchen die Sole in einen Messtrog („Zimenttrog“) zum Ablassrohr geleitet wurde. Im Schacht wurden Kränze eingeschlagen, welche sowohl die Verbindung des Dammkörpers mit den umgebenden Haselgebirgsschichten bezweckten, sowie auch zur Auflage von Holzpfosten dienten, die andererseits wieder als sichere Stützen für die Ablassröhren verwendet wurden. Die Dammflügel lagen horizontal.

Aus Sicherheitsgründen musste eine etwa 10 - 12 m dicke Haselgebirgsschicht zum sicheren Eindämmen des Ablassrohres stehen gelassen werden. Dies führte zu großen Abbauverlusten und die Ausbeute des Salzlagers war mit der Grubenwehre eine sehr geringe.

 

Der Soleabfluss nach unten war wesentlich einfacher als ein Heben der Sole. Durch Wegfall des Solehebens konnte man die Werker tiefer ins Salzlager absenken. Die Bergdicke wurde bis auf rd. 36 m erhöht und dadurch die Anzahl der in Produktion stehenden Werker deutlich reduziert.

 

Aber die Werkssäuberung musste, wie bei den Schöpfbauen, nach wie vor über die Püttengrube nach oben mit Hilfe des Aufhaspelns erfolgen. Die Säuberung nahm unter allen Salzbergarbeiten die meiste Arbeitskraft in Anspruch. Am Haller Salzberg waren jährlich im zehnjährigen Durchschnitt von 1848 – 1858 über 10.000 sechsstündige Schichten dazu nötig.

 

Da der Soleabfluss bereits nach unten stattfand, dauerte es nicht lange, bis man auf den Gedanken kam, die Grubenwehr zum Absturz des Laists selbst einzurichten und die Rollwehr zu erfinden.

Im Mitterberg - Stollen waren 1575 noch 2 Schöpfbaue auszurichten.  Auf Antrag der Ischler Bergmeisterschaft sollten diese mit dem darunter liegenden Alten Steinberg – Stollen verbunden werden, um „das Säubergebirge unten ausbringen und dann der Schöpfer gar entraten, auch die halben Unkosten bei vermeldeten Säubern ersparen möchte; weil dann der hiesige Bergmeister samt dem Schaffer zu Hälle und Schellenberg gewest, daselbst es dergleichen zugerichte Wöhrgebäu in den Salzbergen gesehen habe“. Der Antrag wurde genehmigt, es sollte zuerst der, der Steinberg - Schachtricht zunächst liegende Bau, nach Schellenbergischer Form zugerichtet werden. Damit war der Anfang gemacht, die uralten Schöpfbaue durch Ablasswerke zu ersetzen, es hat aber noch lange Zeit gebraucht, sie im Salzkammergut ganz zu verdrängen.

Der unbefriedigende Nachteil der Werkssäuberung nach oben, durch die Pütte, konnte erst mit Entwicklung der „Rollwehre“ gelöst werden.

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Abbildung 6: Grubenwehr, Schema, 1809, aus Schultes „Reisen durch Oberösterreich“

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Abbildung 7: Grubenwehr, Werkssäuberung, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

2.3. Rollwehr:

 

Die Rollwehr war eigentlich eine Grubenwehr, bei der, neben den zwei Wehrröhren zum Abfluss der Sole, eine weitere, die sogenannte „Säuberrolle“ eingedämmt wurde, durch welche der Laist abgestürzt werden konnte. Dieses aus Holz gezimmerte, oben mit einem Deckel („Sturzdeckel“) versehene Rohr war während der Wässerung mit einem Sturzkegel verschlossen und zusätzlich 1,8 – 2,4 m hoch mit Laist verdämmt.

Vor einer Säuberung wurde zuerst der Laistdamm herausgenommen, der Sturzdeckel entfernt, ein aus Holzläden zusammengefügter Trichter aufgesetzt. Dann konnte der aus der Wehre geförderte Laist durch die Rolle auf den unteren Horizont, dem „Ablassoffen“, abgestürzt werden, wo er dann weiterbefördert wurde.

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Abbildung 8: Rollwehr, 1809, aus Schultes „Reisen durch Oberösterreich“

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Abbildung 10: Rollwehr, Verdämmen der Säuberrolle, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

Abbildung 9: Rollwehr, Werkssäuberung durch Säuberrolle, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

Die mit einem senkrechten Ablass versehene Rollwehre besaß mit der Säuberrolle eine einfache Vorrichtung zur Laistförderung nach abwärts. Somit konnte man sich die Anlage einer Werkspütte ersparen. Der große Nachteil eines großen Gebirgsmittelverlustes durch die 10 – 12 m mächtige Schwebe im Bereich des Dammes blieb aber noch immer bestehen.

2.4. Gemeine Dammwehr:

 

Um das Gebirgsmittel möglichst vollständig nutzen zu können, erfand man die „gemeine Dammwehr“, kurz „Dammwehr“ oder auch „Ebenwehr“.

 

Wenn man den vertikal stehenden Dammkörper der Gruben- oder Rollwehr mit den Ablassröhren horizontal legte, hatte man mit einigen unwesentlichen Abänderungen die gemeine Damm- oder Ebenwehr.

Beim Vergleich der Dammwehr mit der Gruben- oder Rollwehr, erkennt man, dass bei der Dammwehr das eigentliche Werk unmittelbar auf der Ablasssohle zu liegen kam, während dieses bei der Gruben- oder Rollwehr 11 – 12 m oberhalb derselben angelegt werden musste.  Dadurch konnte mit der Dammwehr die ganze Bergdicke, die in der Regel ca. 36 m betrug, aufgewässert werden, während bei der Gruben- oder Rollwehr ca. 11 – 12 m in der Bodenschwebe verloren gingen.

Die Dammwehr hatte aber den großen Nachteil, dass die Säuberung nach aufwärts erfolgen musste. Deshalb war die Anlage einer Pütte und das umständliche Aufhaspeln des Laists wieder erforderlich.

 

Bei der Dammwehr lag der gesamte, aus zwei Dammflügeln bestehende Dammkörper horizontal („Liegenddämme“). Die beiden aufrechtstehenden Dammflügel hatten in der Regel eine elliptische Gestalt. Weil die Liegenddämme keinen so großen Körper darstellten, wie die früheren Dammanlagen, waren die Liegenddämme in ihrer Anlage auch nicht so kostspielig.

 

 Allerdings hatten auch die Liegenddämme ihre Nachteile. Der Dammkörper konnte während der Wässerung, besonders wenn dieser in besonders reichen Kernstrichen zu liegen kam, eventuell umschnitten werden, was unkontrollierte Soleaustritte zur Folge hatte. Durch entsprechend große Dammflügel und sorgfältige Herstellung des Dammes ließ sich aber das Umschneiden und Undichtwerden des Liegenddammes auf ein Minimum reduzieren.

 

Die Dammwehre gestattete in ihrer Einfachheit die ganze Ausnützung der Gebirgsmittel. Außerdem war sie in der Errichtung und im Betrieb deutlich billiger als die anderen, älteren Wehrtypen.

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Abbildung 11: Dammwehr, 1809, aus Schultes „Reisen durch Oberösterreich“

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Abbildung 12: Dammwehr, räumliche Darstellung, 1930, aus Carl Schraml „Geschichte des oö. Salinenwesens“

Allerdings hatten Liegenddämme auch ihre Nachteile; das eventuelle Umschneiden des Dammkörpers, was aber bei allen Dämmen der Fall sein kann, war auch hier möglich. Durch entsprechend große Dammflügel und sorgfältige Herstellung des Dammes konnte aber das Umschneiden und Undichtwerden des Liegenddammes auf ein Minimum herabgedrückt werden.

Zunächst bestand ein Ablasswerk aus einem „Ankehrschurf“, einem vom oberen Horizont nach unten führenden Schrägstollen mit eingebauter Treppe („Stiegenfahrt“), an deren unteren Ende sich ein kreisrunder Hohlraum von 40m Durchmesser und 2,5m Höhe befand. Dieser Hohlraum wurde mit dem Stollensystem des unteren Horizontes über ein kurzes Stollenstück („Ablassoffen“) verbunden. Im Ablassoffen wurden mit festgeschlagenem Werkslaist zwei Rohre eingedämmt, welche Absperrvorrichtungen besaßen. Durch den Ankehrschurf wurde von oben her Süßwasser in den Hohlraum gelassen und dieser bis an die Decke vollgefüllt. Das Wasser laugte nun aus Seitenwänden („Ulme“) und der Decke („Himmel“) das Salz. Die unlöslichen Bestandteile des Haselgebirges sanken zu Boden („Werkslaist“).

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Abbildung 13: Gemeine Dammwehr, Zimenttrog zur Messung des Süßwassers, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 14: Gemeine Dammwehr, Aufzimmern des Werkskastens, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 15:  Gemeine Dammwehr, Laugung, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 16: Gemeine Dammwehr, Kastenreparatur, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 17: Gemeine Dammwehr, Solehebung nach Schaden am Ablasskasten, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 18: Gemeine Dammwehr, Aussümpfen des Werkskastens, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

Sobald mit 25 – 26% eine genügend hohe Salzkonzentration der Lauge erreicht wurde und diese zur „Sole“ gutgesprochen werden konnte, wurde sie durch das Ablassrohr „abgelassen“ und in Rohrleitungen („Strehn“) der Saline („Sudhütte“) zugeführt.

 

Mit der Zeit entstanden dadurch, nach oben immer breiter werdende, Hohlräume, mitunter bis über 20.000 m² groß. Das Laugwerk wurde durch die „intermittierende“ Wässerung schrittweise bis zum oberen Horizont vergrößert und war dann ausbenützt. Ungefähr fünfzigmal konnte so ein Werk angewässert werden, war 30 – 40 Jahre in Betrieb und hatte, bis es „tot gesprochen“ wurde, zirka 60.000 Tonnen Salz gebracht. Dazu mussten rd. 140.000 t oder 70.000 m³ Haselgebirge aufgelöst werden.

2.5. Halleiner Wehr:

Dieser Wehrtyp hatte einen liegenden Damm, wie die gemeine Dammwehr, der jedoch in dem Maße, wie das Werk aufgesotten wurde, erhöht werden musste, dass er den Werkshimmel immer um wenigstens einige Fuß überragte, damit das Wasser über den selben nicht ausfließen konnte. Da die oberste Dammebene nicht an die Firste des Langoffens reichte, der Langoffen also nicht blind verdämmt wurde, sondern der Zugang ins Werk über den Damm immer offengehalten wurde, war man in der Lage den Laist über den Damm zu schaffen und über einen Steigkasten auf die Ablasssohle abzustürzen. Durch das Abwärtssäubern konnten die Kosten der Säuberung niedrig gehalten werden.

Wegen der hohen Errichtungskosten der Halleiner Wehren, und weil sie als offene Wehren eine ständige Überschwemmungsgefahr bildeten, konnten sie sich aber nicht durchsetzen.

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Abbildung 19: Halleiner Wehr, Dammsatz, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 20: Halleiner Wehr, Werkssäuberung über Steigkasten, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

2.6. Berchtesgadener Wehr:

 

Die Berchtesgadener Wehr war eine Verbindung der gemeinen Dammwehr mit der Rollenwehr.

 

Das Werk wurde ursprünglich wie eine gemeine Dammwehr angelegt und behandelt. Hatte die Wehr eine Höhe von 7 – 9 m erreicht, bei welcher die Säuberung durch die liegende Dammwehr nicht mehr gehen konnte, wurde dann nachträglich eine Rolle eingebaut. Die Berchtesgadener Wehr ermöglichte den Selbstabfluss der Sole, Säuberung nach abwärts, ziemlich geringe Anlagekosten und hinreichenden Wetterzug und schließlich auch die Benützung des ganzen Gebirgsmittels wie die gemeine Dammwehr.

Die Berchtesgadener Wehr setzte sich nur in jenen Salzbergen durch, wo die Werkersäuberungen im großen Maßstab stattfanden. Bei reichem Gebirge, wo ohnedies wenig gesäubert werden musste, war wegen der Herstellungskosten die Berchtesgadener Wehr nicht konkurrenzfähig.

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Abbildung 21: Berchtesgadener Wehr, Aufriss, 1854, aus Huysen „Salzbergbau in Österreich“

3. Technische Verbesserungen bei der Einwässerung im 19. Jahrhundert:

 

Der Wässerung von Dammwehren hatten Ende des 18. Jahrhunderts immer noch technische Mängel an. Der größte Mangel war der geringe Durchflussquerschnitt der hölzernen Einwässerungsleitungen. Deshalb nahm die Füllung eines größeren Laugwerkes Monate in Anspruch. Diese lange Füllzeit begünstigte natürlich die Erweiterung der Werksulme und vergrößerte dadurch die Gefahr des Zusammenschneidens der Nachbarwerker. Man war daher gezwungen, viele und große Verschneidungsdämme herzustellen und zu erhalten, sie nach Bedarf zu überhöhen und verlängern. Das erforderte dauernd einen beträchtlichen Aufwand an Häuern und Verdämmern.

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Abbildung 22: Errichtung eines Verschneidungsdammes, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 23: Errichtung eines Verschneidungsdammes, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 24: Lages eines Verschneidungsdammes zwischen 2 Wehren, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

Bergmeister Schwind begann 1842 mit der Verlegung gusseiserner Wasserleitungsröhren am Ischler Salzberg. Dadurch war es möglich den langen Weg, den die in den oberen Horizonten gesammelten Wässer zur Füllung der Laugwerker zurücklegen mussten, wesentlich abkürzen, da die eisernen Leitungen im Gegensatz zu den Holzrohren unter Druck zu stehen konnten. Die rasche Zufuhr größerer Wassermengen in die Erzeugungswerker sowie die Trockenlegung der von den nässenden Holzröhren durchfeuchteten Strecken war nun möglich.

Durch die Vergrößerung des Querschnittes der Einwässerungsleitungen konnte die Füllzeit vor allem großer Werker stark abgekürzt, die Ausscheidungsgefahr verringert und die sonst nötige Anlage von Verschneidungsdämmen vermieden werden. Die Füllung großer Werker von 30 Stuben (3 400m³) Fassungsraum war nun in 10 Tagen möglich, vorher benötigte man dazu 6 bis 7 Wochen.

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Abbildung 25: Gusseiserne Röhren, um 1850, Archiv Salinen Austria

4. Werksverbüche am Ischler Salzberg um die Mitte des 19. Jahrhunderts:

Vor allem im Randbereich der Salzlagerstätte wurden die Laugwerker teilweise zu nahe an die Salzgrenze herangeführt. Dies führte zu großen Verbrüchen, die oft bis in die wasserführenden Deckschichten reichten.

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Abbildung 26: Werksniedergang, 1934, aus Janiss „Technisches Hilfsbuch für den Salzbergbaubetrieb“

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Abbildung 27: Stützkästen bei drohendem Wehrniedergang, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

1839 ging aus diesem Grund das im Ludovikahorizont gelegene das Nefzer - Werk nach Himmelsbrüchen verloren. Sprünge im Sinkwerk wiesen auf den drohenden Zusammenbruch des oberhalb gelegenen Gebirgsmittels zwischen den im Elisabethhorizont bereits niedergegangenen Freund - Werk und den vereinigten Werken Mohr und Schmied hin. Auch die im Amaliahorizont gelegene Wolfen – Wehr war niedergegangen, so dass der Verbruch sich bereits auf drei Etagen erstreckte. Die Zerstörung eines so großen Abbaugebietes brachte den Ischler Salzberg in eine schwierige Lage. Viele Werker mussten totgesprochen oder in Feier gestellt werden, um das Tiefergreifen des Niederganges zu vermeiden. Die eingedrungenen Raubwässer wurden über den Stüger – Schurf vom Amalia- auf den Elisabethstollen, von diesen über den Poniatvsky – Schurf in den Ludovikastollen und weiter über die Chotek - Kehr und die Ludovikastollen – Hauptschachtricht nach ober Tage geleitet. 

10 Jahre später ging 1849 auch der Himmel der vereinigten Werke Monsberg und Gerstorf am Elisabethhorizont nieder. Die Gefahr des Eindringens neuer Raubwässer in das Haselgebirge und des Einsturzes der ganzen Lagerkuppe bedrohte den Bestand des Ischler Salzberges. Das Oberamt fasste weitreichende Beschlüsse, die 1850 die Genehmigung des Ministeriums fanden.

Die am Elisabethhorizont verbrochenen Werker Schlögel, Wolfen und Quix waren mit Werkslaist zu versetzen, der mittels Kübelkunst aus tieferen Horizonten gehoben werden konnte. Dazu musste ein über drei Etagen reichender Schacht („Werner Schacht“), zunächst vom Elisabeth - auf den Maria Theresia - Stollen abgeteuft werden. In den Schacht wurde ein von Bergmeister Schwind entwickelter Wassertonnenaufzug eingebaut, mit dessen Hilfe Werkslaist als Versatz aus dem Maria Theresia Stollen angehoben werden konnte.

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Abbildung 28: Niedergangsrevier 1843, Grubenriss 1865, Archiv Salinen Austria

Der von Schwind an Stelle des Förderhaspels bei der Werkssäuberung eingeführte Wassertonnenaufzug gewann am Ischler Salzberg besondere Bedeutung für die Zubringung von Werklaist über den Werner Schacht als Versatz in die Verbruchräume. 1847 verbesserte Schwind diese Förderungsart durch den Gewichtsausgleich mit Hilfe eines Seiles oder einer Kette ohne Ende.

Mit Hilfes das Wassertonnenaufzuges konnten alte Werkshohlräume im Randbereich der Lagerstätte mit Werkslaist aus den Säuberungen tiefergelegener Werke ab nun kostengünstig verfüllt und somit die Lagerstättenkuppe stabilisiert werden.

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Abbildung 29: „Kübelkunst“ von Schwind, Wassertonnenaufzug, 1839, Archiv Salinen Austria

Das Beratungsergebnis, der infolge der Werksverbrüche am Ischler Salzberg 1850 vom Salzoberamt einberufenen Kommission, war, dass die Ursachen für das frühe „Zubruchgehen“ der Wehren in deren unregelmäßiger Anordnung in den Abbauhorizonten untereinander sowie in einer zu großen, flächigen Ausdehnung infolge unzureichender Beherrschung des Wässerungsbetriebes für die Solegewinnung lag.

Deshalb stellte der Salzoberamtmann Franz von  SCHWIND eine „Neue Abbauregel“ beruhend auf theoretischen Überlegungen zum Wässerungsbetrieb, über die zulässigen Himmelsflächen und über die gebirgsmechanischen Auswirkungen bei wie üblich versetzter Anordnung der Wehren in den Abbauhorizonten untereinander auf. Ab dem Jahre 1850 wurde die Abbauregel, die Anordnung der Wehren in den Abbauhorizonten untereinander „wie die Räume eines Hauses ... “ anzulegen, zur allgemein gültigen Norm bei den alpinen Salzbergbauen. Außerdem durfte die ganze Etagenhöhe nicht mehr verlaugt werden, es musste eine Bergfeste von mindestens 8 m bis zur oberen Etage stehen gelassen werden. Die Ausnützung eines Grubenfeldes lag mit Rücksicht auf die Schutzpfeiler, die beim Laugwerksbetrieb aus Sicherheitsgründen stehen bleiben mussten, nur mehr bei rund 25%.

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Abbildung 30: Werksanlagen mit Schutzpfeiler, 1934, aus Janiss „Technisches Hilfsbuch für den Salzbergbaubetrieb“

 

Nach einer Studie aus dem Jahre 1850 erreichte nur ein Viertel der angelegten und in Betrieb genommenen Wehren, wie geplant, die gesamte Abbauhöhe. Die dadurch bedingte große Anzahl an in Betrieb befindlichen Wehren erforderte ein ausgedehntes, dauerhaft befahrbares Grubengebäude, das wiederum umfangreiche Erhaltungsarbeiten zur Folge hatte.

5. Bergstürze infolge von Werksverbrüchen:

 

Werksverbüche oder auch das Zusammenwachsen alter Werkshohlräume infolge des Gebirgsdruckes verursachen entsprechende Setzungen an der Tagesoberfläche. Durch diese Setzungen kam es zu wiederholt zu großen Felsstürzen und durch diese, ausgelöste Murenabgänge.

 

Historisch belegt ist ein Bergsturz, der im Mai 1546 zur Zerstörung des Ausseer Bergwerks Michlhallbach an der Westseite des Sandlings führte. Durch eine Felsabsitzung oberhalb der Stollenmundlöcher kam das Gelände in Bewegung und verschüttete die Obertaganlagen des Bergbaubetriebes. Nachdem die Absitzung und der Gesteinsstrom einigermaßen zur Ruhe gekommen waren, stellte ein Kommission die Schäden fest und ordnete nach einer Beratung die nötigen Arbeiten in einem 14 seitigen Bericht an. Schließlich wurden der Bergschaffer und 6 Bergleute beauftragt, den oberen Stollen wieder zu öffnen. Der gefahrvolle Vortrieb durch die Erd- und Steinlawine bis zum früheren, oberen Stollenmundloch war mühsam und außerdem erfolglos. Die Bergwerksanlage war so beschädigt, dass die Instandsetzung 1560 gänzlich eingestellt wurde.

Ein weiterer, katastrophaler Felssturz fand im Jahre 1920 wiederum am Sandling statt. Ein 300 m hoher Felsturm, das Pulverhörndl, südlich neben dem Gipfelvorsprung des Sandlings aufragend, brach in der Nacht vom 12. auf 13. September 1920 nach starken Regenfällen in sich zusammen. Unmittelbar am Wandfuß erlitt der Wald- und Weidegrund eine Senkung von bis zu 40 m. Ein riesiger Gesteinsstrom wälzte sich südlich im Tal des Michlhallbaches bis zu dessen Mündung über 2,5 km weit und dann noch gut 1,2 km weit im Tal des Zlambaches, wo er nach vier Wochen zum Stillstand kam. Die Kubatur der bewegten Gesteinsmassen wurde auf 6 – 9 Mio. Kubikmeter geschätzt.

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Abbildung 31: Rutschung Michlhallbach nach Sandling - Bergsturz, 1920, Archiv Salinen Austria

Zuletzt ereignete sich 1981 an der Zwerchwand Südseite unweit des Hüttenecks ein gewaltiger Felssturz. Ein Felssturz von 130.000 m³ Gestein löste eine Mure mit mehr als 11 Mio. m³ bewegten Gesteinsmassen aus, die sogar die oberen Ortsteile von Bad Goisern bedrohten.

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Abbildung 32: Zwerchwand - Bergsturz, 1978 – 1981, Internet „komoot.de“

6. Herstellung eines Soleerzeugungswerkes im 19. Jahrhundert:

Bei der Anlage von Soleerzeugungswerken waren 4 Hauptarbeiten nötig:

  1. Die Herstellung der nötigen Strecken durch den Vortrieb des Hauptablassoffens und seine Verlängerung auf der unteren Etage, sowie die Abteufung des Sinkwerkes und der Pütte von der oberen Etage aus.

  2. Die Herstellung des eigentlichen Werksatzes.

  3. Die Herstellung des Soleablassgebäudes.

  4. Die Verdämmung des Ablassgebäudes.

 

6.1. Herstellung der nötigen Strecken:

Begonnen wurde auf der oberen Etage mit der Anlage des „Sinkwerkebentels“ als Verbindungsstrecke zum geplanten Sinkwerk, dann folgte das Abteufen des Sinkwerks und der Vortrieb des Langoffens, der bereits auf der unteren Etage lag. So konnten in kürzester Zeit eine Verbindung zwischen den einzelnen Strecken der beiden Etagen hergestellt werden, mit dem Zweck bei der Herstellung des Werkshohlraumes („Werksatz“) möglichst gute Luft zu haben. Das unter einem Winkel von 40° tonnlägig geführte Sinkwerk wurde mit einer Treppenfahrt und mit einer Röhrenleitung für das Süßwasser versehen. Auf dem Sinkwerkebentel wurde noch ein Zimenttrog zur Kontrolle der Einwässerungsmengen und am Schachtmund der Werkspütte („Püttenherd“) die Hornstätte der Aufzugmaschine („Kübelkunst“) hergestellt.

 

6.2. Herstellung des Werksatzes:

Unter dem „Werksatz“ verstand man die erste Anlage einer zukünftigen Soleerzeugungswehre, welche zuerst aus rechtwinkelig sich kreuzenden Strecken, den „Werksöffen“, und dazwischen liegenden Gebirgspfeilern von quadratischer Basis hergestellt wurde. Diese Pfeiler wurden später zur Herstellung eines offenen Raumes mit Hilfe von Wasser verlaugt.

Um 1800 geschah die Veröffnung in Form eines Netzes von Stollen, durch sogenannte „Stehöffen“ von 1,75 m Höhe und „Sitzöffen“ von 1,20 m Höhe, welche sich in einem Abstand von 1 m kreuzten.  Ab 1855 wurde der Abstand allmählich auf 3,75 m vergrößert.  1863 zeigte der Ischler Bergmeister Stapf, dass man auf das Vortreiben der Sitzöffen gänzlich verzichten konnte, denn die Gebirgspfeiler konnten durch alleinige Anlage der Parallelöffen in einem gegenseitigen Abstand von 4,0 bis 6,0 m in derselben Zeit verwässert werden. Ab 1877 ergaben praktische Versuche am Ischler Salzberg, dass die Herstellung eines Hohlraumes durch Aussprengung wesentlich billiger und schneller erfolgen konnte. Die Weiterentwicklung der Bohr- und Sprengtechnik (hydraulische und elektrische Bohrmaschinen, Einsatz von Dynamit) zu Ende des 19. Jahrhunderts ermöglichte diesen Rationalisierungsschritt.

Die Dimensionen eines Werksatzes lagen am Ischler Salzberg bei rd. 1.000 m² Grundfläche und rd. 2,3 m Höhe.

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Abbildung 33: Herstellung eines neuen Wehrsatzes, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 34: Ausschlagen der Sitzöffen, Kefer. 1836, Archiv Salinen Austria

6.3. Herstellung des Soleablassgebäudes:

 

Während der Veröffnung des Wehrsatzes wurde die Ausschlagung der beiden nötigen Dammschlitze („Dammschrämme“) in Angriff genommen. Auf den schwach geneigten Boden des Ablassoffens wurde das verspreizte Dammrohr hingelegt, an seinem vorderen Ende eine Pipe aus Eibenholz eingesteckt, der Zimenttrog zum Messen der entleerten Sole darunter gestellt und eine Zweigleitung zu der nächstgelegenen Hauptsoleleitung ausgeführt. Das andere Ende des Dammrohres reichte in das sich hinter dem Damm befindliche Sitzrecht, dort wurde es in die Zimmerung des Sitzrechtes eingelassen und mit stehenden Seihröhren versehen. Diese Seihröhren waren aus Holz gefügte Röhren, in welchen viele, nach aufwärts gerichtete, Löcher mit 2,5 cm Durchmesser eingebrannt waren. Dadurch war es möglich, dass die durch den höher geführten Einseihkasten („Werkskasten“) im Werksraum durchsitzende Sole durch diese Löcher in das Dammrohr zum Abfluss gelangen konnte.

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Abbildung 35: Bohren eines Dammrohres, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

6.4. Verdämmung des Ablassgebäudes:

Die Verdämmung des Ablassrohres geschah mit durch ein Gitter geworfenem Werkslaist, indem zuerst die tieferen Teile des Dammschrammes, das Dammrohr und schließlich die höheren Teile zugemacht wurden. Der hintere Teil des Ablassoffens wurde verblendet und mit einer feststehenden hölzernen Wand zusätzlich abgesichert.

Die Ablassdämme der Laugwerker bestanden noch um 1830 aus gut durchgearbeiteten Tagletten. Dem Werkslaist traute man die Eignung einer zuverlässigen Abdichtung nicht zu und verwendete ihn nach entsprechender Aufbereitung bloß für Verschneidungsdämme in den Laugwerkern. Die Gewinnung des Lettens, dessen Zulieferung zum Stollen und die Einführung in die Grube kostete viel Arbeit, war im Winter auch gar nicht möglich. Bergmeister Ramsauer hatte auf einer Studienreise im Jahr 1834 gesehen, dass die Berchtesgadener Bergleute mit gut zubereiteten Berglaist auch Ablaßdämme herstellten und machte sich diese Erfahrung nach seiner Rückkehr nach Hallstatt sogleich zu Nutze. Nach dem guten Gelingen der ersten Probedämme führte das Oberamt die Verdämmung mit dem neuen Verschlagmateriale unter Anleitung Ramsauers auch in Ischl und Aussee ein.

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Abbildung 36: Herstellung eines neuen Ablassdammes, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

 

7. Technische Verbesserungen um die Jahrhundertwende:

Ende des 19. Jahrhunderts kam es bei den alpinen Salinen zu einer raschen Weiterentwicklung der Bergbautechnik. Neben der Verfügbarkeit leistungsfähiger Sicherheitssprengstoffe und Zündmittel wurde vor allem die Bohrtechnik durch die Einführung mechanischer Handbohrmaschinen ab 1868 sowie hydraulischer Bohrmaschinen mit Druckwasserbetrieb ab 1878 deutlich verbessert. Am 25. Juli 1893 fand für die alpinen Salzberge zum ersten Mal im Salzberg von Ischl eine Bohrung im Haselgebirge durch elektrische Kraftübertragung mit Erfolg statt. Ab 1922 wurden nach Installation eines Kompressors beim Distler Schacht im Kaiser Leopold Stollen auch pneumatische Handwerkzeuge eingeführt.

  

7.1. Betrieb eines Soleerzeugungswerkes zu Beginn des 20. Jahrhunderts:

Wenn ein Werk neu angewässert werden sollte, wurde zuerst ein Messpunkt („Himmelnagel“) am Fuß des Sinkwerks genau positioniert. Damit konnte der Wasserstand im Werk genau kontrolliert werden.

Dann wurden die „Ablasskästen“ als Ablasseinrichtungen bis nahe an den Himmel erhöht und abgedeckt. Die Anzahl der Ablasskästen hängte einerseits von der Ausdehnung des Werkes, andererseits aber von der Durchlässigkeit des Laistes ab. Alle Ablasskästen standen untereinander durch Leitungen in Verbindung, welche im Laist liegend vom tiefsten des seichteren Sumpfes ausgingen. Die Ablasskästen blieben in der Regel zum Schutz in ihrem, unteren Teil, und zwar hauptsächlich in der Nähe des Dammes, stets mit Sole gefüllt.

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Abbildung 37: Ablasskasten, um 1920, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 38: Werk Schedl, Ablasskasten, Kaiserin Maria Theresia Stollen, um 1930, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 39: Säubern des Ablasskastens, um 1930, Archiv Salinen Austria

Die Füllung des Werkes geschah mit der größtmöglichen Menge an Süßwasser, welches vor dem Einfluss in Zimenttrögen genau gemessen wurde.

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Abbildung 40: Wasserziment bei der Einwässerung, 1925, Archiv Salinen Austria

Je reicher das Werk, je größer der Fassungsraum desselben und je größer die Werkshöhe ist, umso mehr hatte man Grund die Füllung des Werkes zu beschleunigen, weil in diesen Fällen mehr Gelegenheit zum Ausgreifen der Ulmen gegeben war. Je stärker aber diese ausgriffen, um je weiter mussten bei gleicher Bergdicke die Werksanlagen auseinander liegen, damit kein Zusammenschneiden der Werke erfolgen konnte, und umso größere Gebirgsmittel gingen dadurch verloren. Wo man nicht hinreichend Grubenwässer zur schnellen Wasserfüllung hatte, verwendete man auch eingeleitete Tagwässer zu diesem Zweck.

Die Werkshöhe sollte nie viel größer als rund 2,5 m sein, für reichere Werker war es ratsam, bis auf Mannshöhe damit herabzugehen. Neben der schnelleren Füllung des Werkes erreichte man bei Gefahr drohenden Himmel dadurch auch noch den Vorteil, dass im Fall eines Niederganges dieser nicht jene Höhe und Ausdehnung erreichen konnte, wie bei größerer Werkshöhe.

Die Füllungszeit war nach der Werksgröße und der Menge des angekehrten Wassers sehr verschieden, sie belief sich von wenigen Tagen bis auf mehrere Wochen.

Hatte das eingeleitete Wasser den Nullpunkt des Himmelsnagels und somit den Himmel erreicht, so wurde es bis auf einen kleinen Zufluss, den „Ätzer“ oder das „Ätzwasser“, abgekehrt. Das Ätzwasser hatte den Zweck, das Niveau des im Werk befindlichen Wassers in jenem Verhältnis empor zu führen, als der Himmel, mit dem es in steter Berührung bleiben sollte, durch die fortwährende Auflösung aufstieg.

Um die Abätzung nach Maßgabe der Auflösungsfähigkeit des Himmels möglichst zu beschleunigen, lies man das Wasser im Sinkwerk wenige Zoll „überrecht“, d. h. über dem Himmel, stehen. Ein Überrechtstehen von 0,3 – 0,6 m und selbst darüber konnte zwar bei festem und dicht verwachsenem Gebirge ohne Nachteil geschehen; bei milderer Beschaffenheit des Himmels aber wirkte das Wasser wegen seines höheren Druckes auch mechanisch auf den Himmel, und es lösten sich von ihm Salzwände ab, welche auf die Werkssohle in gesättigte Schichten fallend zum großen Teil unverätzt im Laist vergraben wurden.

Bei jeder Wässerung wuchs das verätzte Maß mit der offenen Werkshöhe und mit der Armut des Gebirges und es war von der Flächenausdehnung des Werkes so gut wie unabhängig. Für die übliche Werkshöhe von 2,2 – 2,5 m betrug es bei den reichsten Werkern wenige Zoll, bei den ärmsten dagegen bis 1 m und in einzelnen Fällen noch mehr.

Desgleichen variierte auch die Ätzzeit insbesondere nach Maßgabe des Gebirges. Es dauerte die gesamte Ätzzeit mit Ausschluss der Füllzeit bei reichem Gebirge 1 bis 2 Wochen, und stieg für die ärmeren Gebirgsarten auf 4, 6 ja selbst manchmal auf 8 Wochen.

Hatte die Sole zuletzt die Sudwürdigkeit erlangt, wurde sie von dem, den Wässerungsbetrieb überwachenden Beamten gutgesprochen, d. h. als vergütet anerkannt. Darauf aber sogleich, um der mechanischen Wirkung desselben am Himmel vorzubeugen, um einige Zoll vom Himmel gefällt, d. h. so viel Sole in ein Einschlagwerk geleitet, bis dieselbe um das angegebene Maß vom Himmel abgesenkt war.

Während der Abätzung wurde die Sole öfter mit der „Solenspindel“, einem messingernen Aerometer von konischer Form, rund 21,0 cm lang und in 16 altherkömmliche Grade geteilt, auf ihren Gehalt untersucht. Die Solenspindel besaß viel Stabilität im Wasser, hatte aber den Nachteil, dass ihre Teilung auf keinem klaren, vielweniger wissenschaftlichen Begriff sich basierte, und der Abstand der höheren Grade, wo eben die größte Genauigkeit notwendig gewesen wäre, der konischen Form halber immer geringer wurde. Sehr zweckmäßig ersetzte man sie daher durch die rund 32 cm lange „Prozentwaage“ mit zylindrischer Spindel, deren Teilstriche unmittelbar den Gehalt der Sole in Gewichtsprozenten anzeigten.

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Abbildung 41: Solespindel und Aerometer, 1853, aus Miller "Süddeutscher Salzbergbau"

Der Gehalt der sudwürdigen Sole betrug bei den alpinen Salzbergbauen vorschriftsmäßig 26 ¾ Prozent.

Die gutgesprochene Sole wurde in älteren, bereits ausgelaugten Wehren aufbewahrt, wo sie dann ein bis mehrere Jahre abgelagert wurde, bis sie zur Versiedung in die Saline gelangte. Während des Verweilens der Sole in Ruhe setzte sich der, in ihr suspendierte, Ton und Schlamm ab, daher gelangte die Sole vollkommen wasserklar an die Salinen. Es wurde zumeist ein beträchtliches Quantum Sole in der Art vorrätig gehalten, und zwar so viel, dass der Salinenbetrieb über ungefähr vier Monate damit in Gang gehalten werden konnte.

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Abbildung 42: Soleziment am Werksablass, 1918, Archiv ÖNB

7.2. Herstellung der Ablassdämme zu Beginn des 20. Jahrhunderts:

 

Die Herstellung des Dammes begann mit dem Nachputzen der Ablasswände in der Länge des projektierten Dammes. Das Nachputzen geschah mit dem Häuereisen bis zum gewachsenen Gebirge auf eine Tiefe von rund 0,2 m. Dies war notwendig, weil die Firste und die Ulmen durch das Aussprengen brüchig und rissig geworden waren.

 

Nach den Nachputzen wurden mit dem Häuereisen oder ab etwa 1930 auch mit Pressluftwerkzeugen die Dammflügel hergestellt. Gewöhnlich besaß der Ablassdamm drei Flügel.

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Abbildung 43: Ausschrämen der Dammschlitze, um 1930, Archiv Salinen Austria

Der 1. Flügel wurde knapp an der Peripherie am Ausgang des Werkes angelegt. Rechts und links von der Mitte der Ablassstrecke reichte dieser Flügel 5 m ins Gebirge. Die Gesamtlänge betrug 10 m und die Breite 0,5 m. Die Höhe von der Ablassstreckensohle lag bei 3,6 – 3,7 m, das heißt von der Firste des nachgeputzten Ablassoffens nach aufwärts rund 1,5 m.

Der 2. Flügel (mittlerer Dammflügel) hatte vom ersten Flügel gegen die Kehre zu, einen Abstand von 3,5 m, die Breite dieses 2. Flügels betrug 0,6 m. Von der Mitte der Strecke reichte dieser 2. Flügel rechts und links je 1,5 m ins Gebirge; die Gesamtlänge war somit 3 m.

Von der Ablasssohle abwärts hatte dieser Flügel eine Tiefe von 1 m; von der Ablassfirste aufwärts wurde dieser Flügel 1 m aufgebrochen und die Gesamthöhe betrug daher 4,2 m.

Der 3. Flügel, die Dammbrust, wurde 2 m vom mittleren Flügel entfernt gegen die Ausrichtungskehr angelegt. Von der Streckenmitte aus reichte dieser Damm je 2 m tief rechts und links ins Gebirge; die Gesamtlänge betrug 4 m und die Breite des Flügels 0,6 m. Die Tiefe von der Ablasssohle betrug 1 m, die Höhe über der Ablassfirste 1 m; die Gesamthöhe der Dammbrust also 4,2 m.

Die eingebrachte feste Damm- und Mantelmasse (Lettenmasse) lag bei einem Liegenddamm bei rund 90 m³. Der Letten wurde durchschnittlich auf 1/3 seines Volumens zusammengeschlagen, für 90 m³ Dammmasse sind so 270 m³ Verschlaggebirge nötig. Dafür setzte man Handwerkzeuge und ab etwa 1920 auch Pressluftstampfer ein.

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Abbildung 44: Werksverdämmung mit Handschlägel, um 1915, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 45: Werksverdämmung mit Handschlägel, um 1930, Archiv Arthofer

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Abbildung 46: Werksverdämmung mit Pressluftwerkzeugen, um 1930, Archiv Kranabitl

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Abbildung 47: Werksverdämmung mit Pressluftwerkzeugen, um 1930, Archiv Salinen Austria

In die Ablassdämme musste das Dammrohr, welches zum Ableiten der Sole aus dem Werk diente, eingelegt werden. Dieses Rohr war gewöhnlich aus mehreren starken Holzrohrstücken zusammengesetzt und mit Eisenschließen armiert. Das Dammrohr hatte im Dammgebäude ein Gefälle von rund 4 %. Der Abschluss des Dammrohres vor der Dammbrust geschah mit einer Pipe aus Eibenholz, später auch in Gusseisenausführung. Unterhalb der Pipe befand sich befindet sich ein Zimenttrog, an dem sich die eiserne Soleleitung (100 bis 125 mm Weite) anschloss.

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Abbildung 48: Soleziment am Werksablass, 1930, Archiv Salinen Austria

7.3. Einführung der kontinuierlichen Wässerung:

 

Die unterbrochene oder intermittierende Verlaugung war als älteste Verlaugungsart, die aus den Schöpfbauen hervorgegangen ist. Sie bestand darin, dass das Laugwerk mit dem Lösewasser bis zum Himmel gefüllt wurde, und dass der Wasserspiegel bei der erfolgten Salzlösung und Verdichtung der Sole durch sorgfältiges Nachfüllen des sogenannten Ätzwassers immer mit dem Werkshimmel in Berührung gehalten wurde, jedoch ohne Überdruck. War auf diese Weise vollgrädige Sole erzeugt, so wurde sie abgelassen und die nachfolgende Verwässerung in der gleichen Weise durchgeführt.

Diese Verlaugungsmethode war damals am geeignetsten, da zwischen je zwei Wässerungen durch Kontrollmessungen etwaige Ausschneidungen stets genau verfolgt, und, wenn erforderlich, durch die Anlage von Verschneidungsdämmen unschädlich gemacht werden konnten.

Die intermittierende Verlaugung hatte aber auch zu ungeheuren Ausschneidungen geführt, weil die alten Bergleute das Gesetz der Lösungsverdichtung nicht kannten. Erreichte nämlich das Lösewasser den Himmel nicht, so erweiterte es den Werkshimmel sofort durch intensives Ausschneiden der Werksulmen. Stand andererseits das Werk unter Überdruck von nur einigen Zentimetern, so fiel das aufgeweichte Haselgebirge zu Boden, wo eine Lösung in der hochgrädigen Sole, die sich auf der Werkssohle befand, nicht mehr stattfinden konnte. Die Nachfüllung des Ätzwassers hatte, dem Grad der Verdichtung folgend, sorgfältig und möglichst rasch in bestimmten, immer kleiner werdenden Mengen zu erfolgen.

Die Alten gaben in Unkenntnis des Verdichtungsgesetztes das Ätzwasser nur in kleinen Mengen und in langen Zeiträumen. Ungeheure Ausschneidungen traten durch die langsame Lösung ein. Erst um die Mitte des 19. Jh. wurde die 3,5 % vom Füllwasser betragende Ätzwassermenge möglichst rasch und in stets abnehmender Menge kontinuierlich nachgegeben.

Bei der kontinuierlichen Wässerung trachtete man danach, das gänzliche Entleeren und Wiederfüllen einer Wehr zu vermeiden. Sie wurde daher in dieser Weise durchgeführt, dass auf einem Bett satter Sole fortwährend süßes Wasser zugeführt und gleichzeitig ein um die Prozente der Verdichtung vermindertes Volumen an vollgrädiger Sole am Ablass abgezogen wurde.

Sie wirkte durch ein höheres spezifisches Gewicht nahe der Sinkwerksoberfläche zufolge der geringen Verschneidung im Sinne der Stabilität, erzeugte aber andererseits reicher gesalzenen Laist. Die kontinuierliche Wässerung wurde bereits im Jahre 1637 im Salzbergbau Hall versuchsweise angewandt.

Mit der Einführung der kontinuierlichen Wässerung konnte die Leistung der Wehren deutlich gesteigert werden, da laufend vollgrädige Sole abgezogen werden konnte. Somit war lediglich eine kleinere Anzahl an Wehren vorzurichten und in Betrieb zu setzen. Außerdem konnte auf die teuren Verschneidungsdämme gänzlich verzichtet werden.

7.4. Soleproduktion im Ischler Salzbergbau um 1900:

Um 1900 wurden im Salzbergbau Ischl jährlich 700.000 hl Sole erzeugt. Dazu waren 22 – 26 Wässerungen der Laugwerke, jedes lieferte durchschnittlich 30.000 hl Sole pro Wässerung, nötig. Ein Laugwerk mittlerer Größe benötigte 31.000 hl Füllwasser, da erfahrungsgemäß einige Prozente davon im Laist zurückblieben.

Die bestehenden Wasserleitungen konnten durchschnittlich 180 hl pro Stunde Füllwasser liefern. So ergabt sich ein Zeitraum von rund 7 Tagen für eine Werksfüllung. Die durchschnittliche Verlaugungszeit („Ätzzeit“) betrug 24 Tage. Die Dauer einer Wässerung samt Füllung lag somit bei rund einem Monat. Nach der Gutsprechung erfolgte der Abzug der Sole vom Himmel mit bis zu 25 cm Abstand („Fällung“). Als Entleerdauer dürften für Ischl durchschnittlich 6 Wochen angenommen werden.

Ein „Umtrieb“ (Füllung, Vergütung, Entleerung) dauerte in Ischl somit etwa 70 – 80 Tage.

Am Ischler Salzberg wurden von Eröffnung des Mitterbergstollens 1563 bis zu der des Amaliastollens 1687 insgesamt 48 Schöpfbaue angelegt. Bis 1904 folgten vom Elisabeth- bis zum Leopoldhorizont weitere 65 Laugwerke, meist als Dammwehren ausgeführt.

1906 wurden im Ischler Salzberg auf drei Horizonten in zwanzig Laugwerkern fast 130.000 m³ Sole erzeugt. Die Streckenlänge aller offenen, benutzten Stollen lag bei fast 20 km.

Bergmeister Aigner errechnete 1904, dass die von 1563 bis 1904 am Ischler Salzberg produzierte Solemenge rd. 9,4 Mio. m³ mit 3,1 Mio. t Salzinhalt betrug. Dafür wurde ein Hohlraum mit einer Grundfläche von 100 m x 100 m und einer Höhe von 400 m aus dem Berg herausgelöst.

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Abbildung 49: Dammwehr, 1978, Archiv Salinen Austria

7.5. Künstliche Verlaugung des Haselgebirges mit dem Freygang‘schen Laugapparat:

Das Prinizip des Laugapparates basierte darauf, dass zerkleinertes Haselgebirge in einer Transportschnecke mit Wasser innig gemischt werden konnte; das Taube (Laist) wurde mittels dieser Schnecke ausgetragen, während die erzeugte Soletrübe durch den Überdruck des zufließenden Wassers selbsttätig abfließen konnte.

In Ischl wurden ab 1912 mit 2 Freygangschen Laugapparaten beim Kaiser Franz Josef Erbstollen Versuche abgeführt.

Das auf 2 – 3 mm Korngröße zerkleinerte Haselgebirge wurde beim Aufgabetrichter eingebracht. Die Drehzahl der Schnecken, die Neigungswinkel der beiden Apparate und der Wasserzufluss wurden so geregelt, dass möglichst vollgrädige Sole den Abfluss verlies.

Die künstliche Verlaugung mit dem Freygangschen Laugapparat sollte den Zweck verfolgen, die bei der Werksaussprengung und beim Streckenvortrieb anfallenden salzreichen Häuerberge nach entsprechender Zerkleinerung in einer Mühle solegewinnend auszunützen, um Gebirgsmittel zu sparen, da ja diese Abfallberge sonst auf die Halde gefördert werden mussten.

In den Versuchsergebnissen wurde nicht angegeben, ob wirklich stets vollgrädige Sole erzeugt werden konnte, und wie groß die Leistung an vollgrädiger Sole war. Es wurde nur erwähnt, dass die Grädigkeit der Soletrübe zwischen 28 und 33 kg schwankte.

Die beiden Versuchsapparate arbeiteten mit einem stündlichen Haselgebirgsverbrauch von rund 3.000 kg, was 1,4 m³ entsprach. Um vollgrädige Sole zu erhalten, durften 1,4 m³ Haselgebirge nur rund 3.900 l Wasser zugeführt werden.

Wenn man bedenkt, dass zu Ischl ein besonders schmieriger und schmantiger Laist entstand, der einerseits nur mit sehr viel Wasser abgeführt werden konnte, andererseits die Steinsalzbrocken verschmiert und dadurch deren Auflösung stark beeinträchtigt war, so ist es begreiflich, dass, um einen laufenden Betrieb zu erhalten, beim Freygang‘schen Laugapparat nur mit viel Wasser gearbeitet werden konnte.

Es ist Tatsache, dass man bei den Versuchen zuerst mit der vorgeschriebenen Wassermenge arbeitete, doch musste der Betrieb ständig unterbrochen werden, weil sich die Transportschnecken stets mit Laist verlegten.

Später wurde mit mehr Betriebswasser gearbeitet; der Betrieb konnte kontinuierlicher geführt werden, aber man erzeugte dann leider nur eine trübe mindergrädige Sole mit 18 – 20 kg Salz/hl.

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Abbildung 50: Freygang'scher Laugapparat, Kaiser Franz Josef Erbstollen, 1911, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 51: Freygang'scher Laugapparat, mit Carl Schraml, um 1913, Archiv Salinen Austria

Zur geplanten Aufstellung einer weiteren Freygang’schen Verlaugungsanlage am Distler Schacht im Leopold Stollen ist es wegen der unbefriedigenden Ergebnisse der Anlage beim Kaiser Franz Josef Erbstollen nicht mehr gekommen. Die Versuche schließlich um 1915 gänzlich eingestellt.

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Abbildung 52: Projekt Freygang'scher Laugapparat, Distler Schacht. Leopold Stollen, 1911, Archiv Salinen Austria

8. Tiefenwerker:

Um 1950 führte man in den alpinen Salzbergbauen die sogenannten „Tiefenwerker“ ein. Bei einem Tiefenwerk wurde zuerst ein bis zu 90 m tiefer Schacht („Püttenschacht“) abgeteuft. Am Schachtfuß wurde die Laugkammer herausgesprengt. Das Haufwerk musste mittels einer Schachtmaschine nach oben über den Püttenschacht ausgefördert werden. Die Laugkammer wurde von oben über Leitungen mit Süßwasser bis zum Himmel befüllt. Nach Abschluss des Laugvorganges konnte die vollgrädige Sole mit Pumpen über den Püttenschacht gehoben werden. Tiefenwerke wurden zumeist mit kontinuierlicher Wässerung betrieben. Dabei wurde ständig Süßwasser zugeführt und die schwerere vollgrädige Sole vom Grund des Laugwerkes ebenfalls ständig abgepumpt.

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Abbildung 53: Normal- und Tiefenwerk, 1980, Archiv Salinen Austria

Im Gegensatz zu den als „Normalwerker“ ausgeführten Dammwehren, die bei 30 – 35 m Etagenhöhe maximal 20 – 25 m nach oben verlaugt werden konnten, wurden die Tiefenwerker bis zu 90 m tief angelegt. Sie konnten so bis zu 80 – 82 m nach oben verlaugt werden.

Die Vorrichtungszeit eines Normalwerkes betrug 20 – 22 Monate, jene eines Tiefenwerkes etwa 30 – 33 Monate. Die Vorrichtungskosten eines Tiefenwerkes im Vergleich zu einem Normalwerk waren um den Faktor 1,5 höher.

Wegen der Abbauhöhe eines Tiefenwerkes von rund 80 m im Vergleich zu jener eines Normalwerkes von 20 – 25 m sowie dem nun möglichen Mitverlaugen der bei den Normalwerkern nötigen Sicherheitsschweben und dem Wegfallen der Auffahrung und Erhaltung von zwei Zwischenhorizonten konnten die Solegestehungskosten deutlich gesenkt werden.

Außerdem waren die jährlichen Produktionsraten eines Tiefenwerkes mit ca. 50.000 – 70.000 m³ im Vergleich zu jenen eines Normalwerkes mit 20.000 – 30.000 m³ deutlich höher.

Im 2. Tiefbau des Ischler Salzberges wurden 6 Tiefenwerke errichtet und zum Teil neben Bohrlochsonden bis zur Einstellung der untertägigen Solegewinnung am Salzbergbau Ischl im Februar 2011 betrieben.

9. Bohrlochsonden:

 

Im reicheren Haselgebirge führte man ab 1960 die ersten untertägigen Bohrlochsonden ein. Im Gegensatz zum Tiefenwerk wurde bei einer Bohrlochsonde lediglich ein anfangs bis zu 120 m tiefes Bohrloch mit 200 – 300 mm Durchmesser abgeteuft. In das Bohrloch wurde eine doppelte Verrohrung eingebracht.

Der Betrieb einer Bohrlochsonde ist vom Beginn der Solegewinnung bis zu ihrer Stilllegung von 3 Phasen gekennzeichnet. Diese Phasen werden Entwicklungsphase, Vollphase und Endphase genannt.

Am Beginn der Soleerzeugung ist der Laugungshohlraum nur in Form des Bohrloches (200 - 300 mm Durchmesser) vorhanden.

In der „Entwicklungsphase“ versucht man möglichst schnell eine Hohlraumentwicklung in die Breite zu erzielen. Dies geschieht mit sogenannter „Unterwasserführung“. Dabei tritt das Wasser durch das Innenrohr („Tubing“) am bohrlochtiefsten aus und wird durch das Außenrohr („Casing“) abgezogen. Dabei probiert man möglichst wenig Gebirgsmittel in der Vertikalen zu verlieren. Die hierbei gewonnene Sole ist mindergrädig und muss in einer anderen Sondenkaverne aufgesättigt werden.

Sobald in der Breitenentwicklung der Querschnitt des geplanten Aussolungskörpers („Kaverne“) erreicht ist, tritt die „Vollphase“ ein. Die Unterwasserführung wird auf Oberwasserführung umgestellt, d.h. der Wasserzutritt erfolgt durch das Außenrohr am Kavernendach, der Soleabzug durch das Innenrohr am kavernentiefsten. Der Kaverne wird ab nun zylindrisch nach oben gezogen.

In der „Endphase“ wird das Kavernendach wiederum kuppelartig zusammengezogen. Letzteres hat gebirgsmechanische Gründe.

Eine Bohrlochsonde funktioniert nach dem Prinzip kommunizierender Gefäße. Um den Zutritt von Laugwasser in das Bohrloch zu verhindern, wird auf den Wasserspiegel ein Druckluftpolster als Sperrmedium („Blanket“) gesetzt.

Die Hohlraumentwicklung der Kaverne wird durch regelmäßige, im 2 - Jahresabstand durchgeführte, Vermessungen kontrolliert. Die echometrische Vermessung erfolgt durch Spezialunternehmen. Eine Begehung der Kaverne ist über das Bohrloch nicht möglich.

Seit 1997 werden untertägige Bohrlochsonden bis auf 300 m Tiefe abgebohrt.

Mit einer modernen, leistungsstarken Bohrlochsonde können im Schnitt stündlich 15 m³ Sole erzeugt werden. Dabei wandert das Kavernendach wegen der Lösung des Haselgebirges pro Tag rd. 2 cm nach oben. Eine Bohrlochsonde liefert in rd. 35 Jahren Betriebszeit ca. 3,6 Mio m³ Sole oder 1,2 Mio t Salz.

Im Ischler Salzberg errichtete man im 2. Tiefbau 6 Bohrlochsonden und im Kaiser Franz Josef Erbstollen 1 Bohrlochsonde. Die Bohrlochsonden wurden bis zur Stilllegung der untertägigen Soleproduktion am Ischler Salzberg im Februar 2011 betrieben.

10. Obertagesondenfeld Trauntal:

 

Ein zweiter Produktionsstandort des Salzbergbaues Bad Ischl ist das Obertagesondenfeld im Trauntal.

Im Frühjahr 1965 konnte das im Untergrund des Trauntales südlich von Bad Ischl in der Ortschaft Sulzbach vermutete Salzlager durch vibroseismische Messungen nachgewiesen werden. Aufgrund positiven Messergebnisses wurde eine Aufschlussbohrung auf den Sulzbachfeldern niedergebracht. Sie ergab im Teufenbereich von 274,10 m bis 524,00 m Haselgebirge mit einem durchschnittlichen NaCl - Gehalt von 55,5 %. Diese, zur Erlangung von weiteren geologischen Erkenntnissen, bis in das unterhalb der Salzschichten liegende Grundgebirge auf eine Teufe von 1241 m niedergebrachte Aufschlussbohrung Bad Ischl 1 (BL 1) wurde sodann zu einer Bohrlochsonde hergerichtet. Der Laugbetrieb dieser Sonde wurde im Jahre 1967 begonnen.

Auf Grund des positiven Gewinnungsergebnisses der Bohrlochsonde Bad Ischl 1 wurden zunächst in den Jahren 1974 bis 1983 noch weitere 10 Bohrungen niedergebracht und davon 9 Bohrungen für die Solegewinnung hergerichtet. Die Gewinnung von Bohrlochsole aus den Bohrlochsonden betrug 1984 bereits 350.000 Kubikmeter jährlich und lag damals bereits wesentlich über jener von der im Salzbergbau Ischl unter Tage gewonnenen Solemenge.

Zur Erkundung der südlichen und westlichen Ausdehnung des in den Sulzbachfeldern bereits durch die umfangreiche Aussolung mittels Obertagsonden aufgeschlossenen Trauntaler Salzlagers, erfolgten 1994 wieder umfangreiche geophysikalische - seismische Erkundungen. Innerhalb des vorgesehenen Erkundungsfeldes wurden sieben seismische Profile mit einer Gesamtlänge von 14 km aufgenommen. Innerhalb des Erkundungsfeldes wurde 1995/1997 knapp südwestlich von Ahorn die Erkundungsbohrung „Rabennest 3“ niedergebracht. Es wurde dabei ab einer Teufe von 153,4 m Haselgebirge bis auf eine Teufe von 578,8 m durchörtert. Die Bohrung wurde, da nicht zur Nutzung vorgesehen, wieder verfüllt.

Im Jahre 2001 wurden voraussichtlich als letzte Bohrungen auf den Sulzbachfeldern die Bohrungen „Bad Ischl 22“ und „Bad Ischl 23“ niedergebracht und anschließend in Betrieb genommen. Diese Bohrungen befinden sich bereits auf einem neuen Bergbauberechtigungsfeld (Gewinnungsfeld Bad Ischl 4), auf welchem Platz für insgesamt 29 Bohrlochsolegewinnungssonden vorhanden ist. Bei diesen Bohrungen, mit welchen Lagerstättenmächtigkeiten von 205 m und 170 m aufgeschlossen wurden, wird mit einer möglichen Soleförderung von 3 Mio. Kubikmetern gerechnet.

Eine neue Bohrung wurde inzwischen beim Kaiser Franz Josef Erbstollen in Lauffen und zwei weitere westlich der Traun in Engleithen und am Römerweg niedergebracht. Diese 3 Bohrungen sollen die Gewinnung von Sole für die Produktion von jährlich 50.000 t Salz sicherstellen. Bei ausreichender Fündigkeit der Bohrung am Römerweg sollen in diesem Bereich noch weitere Bohrungen folgen.

Der Salzbergbau Bad Ischl konnte im Geschäftsjahr 2012/2013 erstmals 1 Million m³ Rohsole erzeugen und an die Saline Ebensee/Steinkogel abgegeben. Der Salzbergbau Bad Ischl wurde durch das Sondenfeld zum derzeit zweitgrößten Soleproduzenten hinter dem Salzbergbau Altaussee.

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Verwendete Quellen:

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen vom Beginne des 16. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts“, Wien 1932

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1750 bis in die Zeit nach den Franzosenkriegen“, Wien 1934

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936

L. Janiss „Technisches Hilfsbuch für den österreichischen Salzbergbaubetrieb“, Wien 1934

Ischler Heimatverein „Bad Ischl Heimatbuch 2004“, Bad Ischl 2004                                                                                                                                 

Kurt Thomanek „Salzkörner“, Leoben 2007

Michael Klade „ÖSAG - Alpiner Salzbergbau“, Altaussee 1998

Joseph August Schultes „Reisen durch Oberösterreich“, Band I + II, Tübingen 1809, Reprint Linz 2008

August Huysen „Salzbergbau und Salinenbetrieb in Österreich, Steiermark und Salzburg“, Berlin 1854

Otto Lehmann „Die Verheerungen in der Sandlinggruppe“, Wien 1926

Franz Stadler „Salzerzeugung, Salinenorte und Salztransport in der Steiermark“, Linz 1988

Michael Mayr „Salinen und Geologie ihrer Salzlagerstätten“, Mitteilungen BOKU 13, Wien 2003

Abbildung 54; Bohrlochsondenmethode, 2006, Archiv Salinen Austria

Abbildung 55: Sondenbohrung, 1990, Archiv Salinen Austria

Abbildung 56: Sondenkopf, 1990, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 57: Sondenbohrung, Bohrturm, 1976, Archiv Salinen Austria

Abbildung 58: Sondenkopf, 1983, Archiv Salinen Austria

Abbildung 59: Ausdehnung des Trauntaler Salzlagers, 2003, aus Mayr „Salinen und Geologie ihrer Salzlagerstätten“