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13 Der Kaiser Matthias – Stollen + Eisenerz

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Stollenname:            „Erzherzog Matthias – Stollen“, ab 1612 „Kaiser Matthias – Stollen“

                                    Kaiser Matthias, Regentschaft 1612 – 1619, Sohn Kaiser Maximilians II.

Angeschlagen:          1577            

Länge:                        420 m

Seehöhe:                   959 m

1577 beschlossen die Bergverständigen des Salzamtes, nachdem schon 14 Jahre lang so viel herum gesucht und doch nichts Besonderes gefunden wurde, nur noch einen Probschurf aus der Neuhauser – Kehr im Obernberg – Stollen in eine Wehr umzugestalten und zur Ableitung der Sole unterhalb einen neuen Berg aufzuschlagen. Es war dies der Erzherzog Matthias – Stollen, der nach neunjährigem Vortrieb im Kalk endlich auf gesalzenes Haselgebirge stieß.

Die Matthias Stollen – Hauptschachtricht erreichte, wie erwartet, bald wieder die rückwärtige, östliche Salzgrenze. Ein probeweise angelegter Querbau erschloss jedoch gutes Haselgebirge auf größerer Länge.

Zur zweckmäßigeren Aufschließung des Ischler Salzberges wurden 1584 zwei Bergbeschauen vorgenommen. Im Erzherzog Mathias – Stollen sollte, weil sich das Salzgebirge veredelt hatte, hinter dem sogenannten Wasser - Bau ein neuer Bau gesetzt werden. Im Matthias – Stollen war man in der Zwischenzeit mit der Hauptschachtricht und zwei Probschürfen aus dem Salz in das wasserführende Kalkgestein gefahren.

1586 wurde beim Ischler Salzberg wieder eine Bergbeschau vorgenommen. Dabei ergab sich, dass der vom Erzherzog Mathias – Stollen abgeteufte Probschurf über eine ganze Bergdicke anhaltend, gutes Salzgebirge angetroffen hatte. Deshalb sollten die ungewissen Untersuchungsarbeiten in den Schurfstollen am Obereck („Moosegg“) und am Roßmoos rasch eingestellt und der Erzherzog Matthias – Stollen mit einem neuen Bergaufschlag, dem Neuberg – Stollen, unterfahren werden.

Situation der Schöpfbaue und Wehren im Kaiser Matthias – Stollen um 1654:

Insgesamt 9 Schöpfbaue;                                                                                                              

Wasser -, Erzherzog Matthias -, Seeauer-, Rettenbacher-, Hippelsroider-, Kain-, Unserer lieben Frauen-, Haimb- und Klein Trattel – Bau.                    

Die 9 Schöpfbaue waren bereits vor 1648 verschnitten und wurden als Fürsten – sowie Kain und Trattel – Wehr mit Ablässen im Frauenholz – Stollen weiter verlaugt.

Die Matthias Stollen – Hauptschachtricht hatte bis zur Erreichung des Salzgrenze 387 Stabel (461,3m) Länge. 6 Stabel (7,2m) nach der Salzgrenze befand sich ein Probschurf in den Neuberg – Stollen hinunter. Auf der Fortsetzung der Matthias Stollen – Hauptschachtricht wurden 9 Baue angelegt. Nämlich der Wasser – und Erzherzog Matthias – Bau, die unter einem Himmel lagen und 42 Stuben (4.754m³) Sole enthielten. Die beiden Baue wurden vom Neuberg – Stollen aus mit einem Wehrofen unterfahren und als Fürsten – Wehr bezeichnet.  1725 brach die Sohle der im Matthias – Stollen gelegenen Fürsten – Wehr in die im Neuberg – Stollen unterhalb gelegene Raßfellner – Wehr durch. Die Fürsten – Wehr wurde später noch bis in den St. Johannes – Stollen hinauf verlaugt und erst um 1744 verlassen.

Die folgenden Baue, nämlich der Seeauer-, Rettenbacher-, Hippelsroider-, Kain-, Fraun-, Haimb- und Klein Trattel - Bau enthielten zusammen 60 Stuben (6.792m³) Sole und lagen gleichfalls unter einem Himmel. Sie wurden ebenfalls vom Neuberg – Stollen aus mit einem Wehrofen unterfahren und zu einer Ablass – Wehr vorgerichtet.  Diese Wehr wurde bei der Verlaugung im Matthias – Stollen als Kain und Trattel – Wehr bezeichnet. Bei ihrer weiteren Verwässerung in den St. Johannes – Stollen hinauf wurde sie in Zierler – Wehr umbenannt. Die Zierler – Wehr war noch bis 1807 in Betrieb.

Hinter diesen Bauen war die Matthias Stollen – Hautschachtricht noch 16 Stabel (19,1m) lang. Ihr Feldort lag bereits im tauben Gebirge.

                                                         

1654 betrug die noch unverlaugte Bergdicke vom Matthias – bis zum Obernberg – Stollen rund 10 Stabel (11,9m). Zur Gewinnung dieser Bergdicke und zur höheren Auswässerung der im Erzherzog Matthias – Stollen angelegten Wehren wurde 1725 der St. Johannes – Stollen eröffnet.

1656 befand sich in der Nähe des Matthias – Stollens ein teils gemauertes, teils hölzernes Berghaus. Als dieses später abgetragen wurde, verwendete man das noch brauchbare Holzwerk zur Errichtung einer, unweit des Neuberg -  Stollens unter dem Namen Taxhaus erbauten, Holzstube. In dieser Holzstube wurden Bergbestandsknechte untergebracht.                                                                                                                                                                              

Die Starhembergsche Visitationskommission von 1707 fand den Matthias – Stollen schon verschlagen, hinter dem Dammablass lagen niedergebrochene Wehren, die durch Raubwässerung noch ausgebeutet wurden, wobei die erzeugte Sole durch die Hauptschachtricht abfloss.

Die Einleitung des für die Verlaugung in den tieferen Stollen nötigen Süßwassers erfolgte aus dem Bach und den Quellen im Bereich des Matthias – Stollen Mundloches. Das in Holzröhren gesammelte Wasser wurde über die Matthias Stollen – Hauptschachtricht in den Berg hineingeleitet.

Ab 1769 wurde das zur Verwässerung der Wehren nötige Wasser durch einen Tagschurf oberhalb des St. Johannes – Stollen und von diesen über den Saherböck – Schurf auf die Matthias Stollen – Hauptschachtricht geleitet.

Ab 1784 wurde das zur Soleerzeugung nötige Wasser in einem „Einwässerungshüttel“ oberhalb des Matthias – Stollens aufgefangen und über den neu errichteten Einwässerungsschurf auf die Matthias Stollen – Hauptschachtricht abgeleitet. Von dort gelangte das Wasser, je nach Bedarf, entweder durch den Pfarrer Weissbacher – Schurf und die nachfolgenden Schürfe zu den auf der Abendseite (Westseite) in den tieferen Stollen gelegenen Wehren. Die morgenseitigen (östlichen) Wehren konnten über den v. Adlersberg – Umbau und den Weilenböcker – Schurf sowie die nachfolgenden Schürfe erreicht werden.

Situation der Wehren im Matthias – Stollen um 1850:  

Insgesamt 3 Wehren, um 1850 alle totgesprochen;                                                                            

Preuner und Raßfellner – Wehr, von Frauenholz - über Neuberg - bis Matthias – Stollen hinauf verlaugt.                                                                                      Zierler – Wehr und Fürsten – Wehr von Matthias –  auf St. Johannes – Stollen hinauf verlaugt.

Der Einwässerungsweg führte bis 1933 im Matthias – Stollen über den Einwässerungs – Schurf auf die Hauptschachtricht und auf dieser weiter zum in den Neuberg – Stollen hinunterführenden Plenzner – Schurf. Außerdem kam eine weitere Wasserleitung aus dem St. Johannes – Stollen über den Saherböck – Schurf auf die Hauptschachtricht herunter.

1931 wurde bei der Hauptbefahrung beschlossen, den Matthias – Stollen aufzulassen, weil die Einwässerung zukünftig aus dem Törlbach über den Maria Theresia – Stollen erfolgen sollte. Deshalb wurden 1932 Abschlussdämme am Ende des Stollens sowie am Kopfe des Plenzner – und Weissbacher – Schurfes errichtet. Eine letzte Befahrung zur Kontrolle der Dämme erfolgte am 5. Februar 1934. Anschließend wurden die Stolleneingänge des Matthias – Stollens und des Einwässerungs – Schurfes endgültig verriegelt.

 

Verwendete Quellen:

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen vom Beginne des 16. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts“, Wien 1932

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1750 bis zur Zeit nach den Franzosenkriegen“, Wien 1934

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936

Leopold Schiendorfer „Perneck – Ein Dorf im Wandel der Zeit“, Linz 2006

Johann Steiner „Der Reisegefährte durch die Oberösterreichische Schweiz“, Linz 1820, Reprint Gmunden 1981

Georg Kanzler „Ischls Chronik“, Ischl 1881, Reprint Bad Ischl 1983

Michael Kefer „Beschreibung Hauptkarten des kk Salzberges zu Ischl“, 1820, Transkription Thomas Nussbaumer, Stand 13.09.2016

Anton Dicklberger „Systematische Geschichte der Salinen Oberösterreichs“, I. Band, Ischl 1807, Transkription Thomas Nussbaumer, Stand 06.2018

Grubenkarte um 1700

Felsritzzeichen nahe dem Matthias Stollen

Einwässerungsschurf in den Matthiasstollen

Errichtet  1784 - In Betrieb bis 1934

Ab 1784 wurde Wasser in einem „Einwässerungshüttel“ oberhalb

des Matthias – Stollens aus dem Sulzbach und von einer starken

Quelle (Kaltenbrunn-Quelle)

aufgefangen und über den neu errichteten Einwässerungsschurf auf die

Matthias Stollen – Hauptschachtricht abgeleitet.

 

Von dort gelangte das Wasser, je nach Bedarf, entweder durch den

Pfarrer Weissbacher – Schurf und die nachfolgenden Schürfe zu den

auf der

Abendseite (Westseite) in den tieferen Stollen gelegenen Wehren.

Die morgenseitigen (östlichen)

Wehren konnten über den v. Adlersberg – Umbau und den

Weilenböcker – Schurf sowie

die nachfolgenden Schürfe erreicht werden.

 

Bergmeister Franz v. Schwind begann 1842 mit der

Verlegung gusseiserner Wasserleitungsröhren am Ischler Salzberg. Dadurch war es möglich den langen Weg, den die in den oberen Horizonten

gesammelten Wässer zur Füllung der Laugwerker zurücklegen mussten, wesentlich abzukürzen, da die eisernen Leitungen im Gegensatz zu den Holzrohren unter höheren Druck stehen konnten. Die rasche Zufuhr größerer Wassermengen in die Erzeugungswerker sowie die Trockenlegung

der von den nässenden Holzröhren durchfeuchteten Strecken war nun möglich.

 

Im September 2018 wurde von Mitgliedern der IGM das Mundloch des Einwässerungsschurfes freigelegt, dabei kam ein überraschend gut erhaltenes Portal zu Tage.

 

Text: Archiv Salinen Austria, Archiv IGM                                            

Wasserbassin zur Einwässerung in den Matthiasstollen

Errichtet  1883 - In Betrieb bis 1934

1883 wurde zur Sicherung des Maschinen- und Wässerungsbetriebes in

wasserarmen Zeiten 

die Herstellung eines großen Wassersammeltroges aus Beton in der

Nähe des

Matthias – Stollens an Stelle des seit Alters her bestehenden

vermorschten Sammelkastens

aus Holz genehmigt.

Dieser, mit einer einfachen hölzernen Hütte überdeckte

Wassersammeltrog, diente

zur Speisung der Fördermaschine und für den Laugbetrieb.

 

Im September 2018 wurde von Mitgliedern der IGM beim

ca. 100 m3 fassenden

Wasserbassin beim Matthiasstollen der Beckenrand von Bäumen befreit,

welche zum Einem die Sicht auf dieses Bauwerk einschränkten,

andererseits durch ihre Wurzeln die Betonmauer zu sprengen drohten.

Dieses Wasserbassin wird von der sehr ergiebigen "Kaltenbrunn-Quelle" gespeist.

 

Dieses Becken ist das grösste noch erhaltene Bauwerk welches aus"Pernecker Romanzement"- hydraulischem Pernecker Kalk, oder auch "Hydrauer" genannt, errichtet wurde. Dieser wurde in grossem Mengen im Zementwerk beim Josefstollen hergestellt.

 

Text: Archiv Salinen Austria, Archiv IGM