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Neue Perneckerstrasse

Ischler Wochenblatt, 3. Juni 1883:


Die Eröffnung der neuen Perneggerstraße.

Vergangenen Sonntag um 3 Uhr Nachmittags wurde die Eröffnung der neuen Fahrstraße nach

dem Thale von Pernegg in feierlicher Weise und unter Theilnahme von fast ganz Ischl begangen.

Ueber den Verlauf dieser schönen Feier brachte das „Fremdenblatt" einen so wahrheitsgetreuen und

stimmungsvollen Bericht, daß wir nicht umhin können, denselben bis auf einzelne Ergänzungen zu

reproduzircn.

„Vor vier Jahren-wurde der Bau aus Initiative des Bürgermeisters Koch, hauptsächlich um dem

damals herrschenden Arbeitsmangel abzuhelfen, in Angriff genommen. Das Unternehmen lag auch im

Interesse der k. k. Salinen- und Forstverwaltung und es muß rühmend hervorgehoben werden, daß

das gemeinnützige Werk auch von dieser Seite die opferwilligste und entgegenkommendste Unterstützung

fand.

Nach einigen herrlichen Frühlingstagen hatten wir gerade heute einen trüben Morgen, selbst die

Zimnitz setzte ihre berüchtigte Wolkenkappe auf, und Alles schien regendrohend. Gerade aber als wollte

der Himmel die geplante Feier nicht stören, lichtete sich wider Erwarten das Gewölk und Nachmittags

3 Uhr zog Jung und Alt in Hellen Karawanen und gefolgt von einer stattlichen Wagenreihe gegen Pernegg

zu. Am Punkte, wo sich die neue Straße von der alten abzweigt, waren zwei mit Flaggen und Tannen

reisig geschmückte Obelisken errichtet, die eine Laubguirlande mit der Devise „Viribus unitis" verband.

Eine tausendköpfige Menge im Sonntagsstatt, unter mischt mit den kleidsamen Trachten der hiesigen Landleute, hatte sich am Platze eingefunden. Sämmtliche Behörden waren im weitem Halbkreise aufgestellt

und als der Bezirkshauptmann von Gmunden, Ritter v. Raab, mit dem Bürgermeister Koch angekommen war, übergab der k. k. Oberingenieur Karl v. B al z b er g Namens der Salinenverwaltung Ischl als Bauleiterin die Straße der Gemeinde und der Oeffentlichkeit mit folgender Ansprache:

„Hochgeehrte Versammlung!

Mir fällt heute die ehrenvolle Ausgabe zu, ein

Werk zu eröffnen, dessen Zustandekommen, trotz vielfacher Schwierigkeiten, getreu dem Wahlspruche unseres erhabenen Herrschers, nur mit „vereinten Kräften"

möglich war. Die Realisierung eines lang gehegten, wenn auch

bis vor Kurzem frommen Wunsches der Bewohner P e r n e g g s sowohl als auch derer von Ischl,

wurde durch die rastlose Thätigkeit unseres verehrten Bürgermeisters Herrn Franz Koch, wie auch durch

die Munificenz der hohen Ministerien der Finanzen und des Ackerbaues im Jahre 1880 in nahe Aussicht gestellt. Dieser Bau sollte aber gleichzeitig die so drückende Armuth unserer schönen Gegend lindern

helfen, lindern in Zeiten, wo dieselbe am fühlbarsten war.

Durch diesen edlen Zweck, dadurch, daß nahezu die ganze Bausumme den bedürftigen Bewohnern von

Ischl und Umgebung zugeführt werden mußte, er wuchsen jedoch für die Bauleitung, die ihre Arbeiter

nicht nach der Tüchtigkeit auswählen, die gerade die für den Ban ungünstigsten Zeitperioden wählen mußte, Schwierigkeiten, die noch durch Elementar-Ereignisse vermehrt wurden.

ES mußten die mitunter Granit-Härte aufweisenden Gesteinsschichten der Klamm unter schwierigen

Verhältnissen durchbrochen werden; es mußten rollende Gesteinsschichten gestützt werden, und als dann die Wolkenbrüche der Jahre 1882—1883 kamen, wurde ein Theil dieser Arbeiten zerstört, um mit unendlicher Mühe wieder von neuem hergestellt werden zu müssen.

Trotzdem besiegten wir mit Gottes Hilfe diese Schwierigkeiten, ohne die für die Verhältnisse etwas

knapp bemessene Bausumme zu überschreiten, und ich bin heute schon in der angenehmen Lage, die

Straße dem öffentlichen Verkehre übergeben zu können, — möge sie für ewige Zeiten die Bewohner

des freundlichen Pernegger Thales uns näher rücken, möge sie dem hohen Aerare und der Gemeinde Ischl

reichlich die Interessen des aufgewendeten Kapitals vergüten.

Ich eröffne hiemit im Namen des hohen Aerars die Straße, und rufe dessen erhabenem Herrn, unserem

allergnädigsten Kaiser und König ein dreimaliges, donnerndes „Hoch!"


Nun trat Bürgermeister Koch vor und sprach:

„Ich erlaube mir die geehrte Versammlung Namens der Gemeinde-Vorstehung auf das achtungsvollste

zu begrüßen und allen, insbesondere dem Herrn k. k. Bezirkshauptmann, sowie den sämmtlichen

anwesenden Behörden verbindlichst zu danken, daß sie die heutige Feier durch ihre Anwesenheit auszeichnen. Die verehrte Bauleitung übergab soeben die neue Straße der Oeffentlichkeit und ich bin erfreut und stolz, öffentlich erklären zu können, daß dieselbe ein Werk einträchtigen und friedlichen Zusammenwirkens ist.

Der Wunsch, arbeitsuchenden Leuten Beschäftigung zu verschaffen, gab mir vor 4 Jahren den

ersten Impuls, die Sache in Angriff zu nehmen und dankbar constatire ich hiemit, daß mein Bestreben von

der Gemeinde-Vertretung auf das Bereitwilligste unterstützt wurde.

In gerechter Erkenntniß der Verhältnisse wurde mir von Seite der verehrten Salinen- und Forst-

Verwaltung Ischl die entgegenkommendste Mithilfe zu Theil und dadurch die volle Durchführung des

Baues ermöglicht.

Ich erachte es als meine Pflicht, hiemit öffentlich den wärmsten Dank auszudrücken Sr. Exzellenz dem

Herrn Finanzminister v. Dunajewski, Herrn Hofrath Walach von Hallborn, sowie der verehrten Forst- und Domänen-Direktion in Gmunden für die kräftige Förderung und finanzielle Unterstützung des Unternehmens.

Uebergehend auf die technische Ausführung des Werkes danke ich der Salinen-Verwaltung von Ischl

für die übernommene Bauleitung und spreche die vollste Anerkennung aus dem Herrn k. k. Ober-Ingenieur Karl v. Balzberg für die mit eben so viel fachmännischer Tüchtigkeit als unermüdlicher Hingebung durchgeführte Arbeit, sowie ich einer angenehmen Pflicht Nachkomme, der werkthätigen und hingebenden

Leistungen des k. k. Wehrmeisters Herrn Martin Stögner und des Vorarbeiters Alois Gamsjäger mit allem Lobe zu gedenken.

Aus den flüchtigen Skizzen über unser Zusammenwirken dürfte sich ergeben, daß Staats- und Gemeinde-Interessen, friedlich und vernünftig geeint, ersprießliche Resultate ergeben und mit Freude und

Stolz betone ich an dieser Stätte und in diesem feierlichen Momente, daß entgegen nachbarlich beliebter

Anschauung wir die Thätigkeit von Salinen- und Forstverwaltung nicht als eine hemmende, wohl aber

als eine fördernde und segenbringende erachten!

Die neue Straße wurde so ganz getreu dem Grundsätze: „Mit vereinten Kräften" erbaut, wir wollen denselben auch bei künftigen Unternehmen befolgen, und in Ehrfurcht des erhabenen

Trägers dieser Devise gedenkend, erlaube ich mir ein dreifaches Hoch auszubringen auf Sc. Majestät Kaiser

Franz Josef 1."

Begeistert stimmte die tausendköpfige Menge ein, die Salinenkapelle intonirte die Volkshymne,

Pöller knallten und sandten ihre bläulichen Rauchringel über die dunklen Tristen hinaus und nach

gegenseitiger Beglückwünschung setzte sich die ganze frohe Menge unter Vorantritt der trefflichen Salinenkapelle der neuen Straße entlang in Bewegung.

Währenddem der alte Fahrweg über steile Berge nach Pernegg führte, zieht die Straße nun durch eine

schattige Thalschlucht, sanft ansteigend, dorthin. Der Weg ist völlig eingerahmt von herrlichen Buchenbeständen und in der Tiefe links rauscht der klare Sulzbach.

Ein Blick nach rückwärts gleitet über die üppigen Felder und Obstgärten nächst Reiterndorf

nach den Hängen der Hohen Schrott und des Wild zerklüfteten Höllengebirges. Zu höchster landschaftlicher Schönheit gestaltet sich der Straßenzug eingangs der sogenannten Sulzbach-Klamm, wo sich der Wildbach durch die enge malerische Felsschlucht in mehrfachen Absätzen zur Tiefe stürzt. Hier waren bedeutende Felsensprengungen und Ausmauerungen erforderlich, um den Eintritt in das Thal zu ermöglichen, welches sich nun bald im vollem Reize seiner stillen Abgeschiedenheit dem Besucher eröffnet. Einen geradezu reizenden Anblick gewährten die farbenbunten Gruppen von Frauen und Kindern, welche auf den Anhöhen, unter Bäumen gelagert, das Nahen des Zuges erwarteten. An der Einmündung der Straße nach Pernegg war eine geschmackvolle Triumphpforte mit den Aufschriften: „Mit Gottes Segen!" und

„Glück aus!" errichtet, vor welcher die Jugend von Pernegg in der kleidsamen Tracht unserer Alpenbewohner, an der rechten Seite die Mädchen, an der linken die Knaben ausgestellt waren, und wo die Bewohner unter Führung des k. k. Oberberg-Berwalters Aigner, welcher in seiner Ansprache hervorhob,

daß Bürgermeister Koch zu dem nun vollendeten Werke die Initiative ergriffen, ihren Dank für die

Erbauung der neuen Straße in rührender Weise ausdrückten.

Bürgermeister Koch erwiederte mit herzlichen Worten, er wünsche, daß die neue Straße der

Ortschaft Pernegg und ihrer Bevölkerung zum Wohle gereichen, und reicher Berges - Segen den Fleiß der

Arbeiter lohnen und das Aufblühen des Ortes fördern möge.


In der nahen Ortschaft löste sich der endlose Zug auf, die Musik postirte sich auf einer Anhöhe

neben dem Gasthause „zum schlauen Fuchs" und brachte heitere Weisen zum Vortrag, man kampirte

im Freien, und das Ganze gestaltete sich zu einem förmlichen Volksfeste, wie es sich kaum heiterer und inniger denken läßt.

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