Die Bergsäge beim alten Maria Theresia Berghaus am Ischler Salzberg:

Für jeden Salzbergbetrieb war eine Säge von großer Bedeutung, da der Grubenbetrieb große Mengen an „Ladwerk“ (dicke Bretter) für den Ausbau sowie die Soleerzeugung benötigte. Daher gab es an jedem Salzberg mindestens eine, meist aber mehrere Sägen, die deshalb auch zu den ältesten Anlagen des jeweiligen Salzberges zählten.

In Ischl sind am Salzberg drei Sägen bekannt: als Älteste die Steinberg – Säge mit der „Schafferklause“, die beim Ludovika Stollen errichtete Grabenbach – oder Graben – Säge und eine dritte, ab 1867, beim alten Maria Theresia Berghaus.

Im folgenden Bericht soll hauptsächlich auf die letztgenannte Säge, auch Bergsäge genannt, eingegangen werden, da die anderen Sägen samt den dazugehörigen Klausanlagen bereits im 2012 erschienenen Artikel von Franz Federspiel „Neues vom alten Ischler Salzberg“ umfassend behandelt wurden.

 

Situation der Bergsägen am Ischler Salzberg im 18. Jahrhundert:

Am Ischler Salzberg bestanden ursprünglich zwei Brettersägen, die am Steinberg und die unterhalb des Ludovika Stollens gelegene Graben - Säge.

Die Steinberg - Säge dürfte mit der Inbetriebnahme des Salzabbaues am Steinbergrevier bereits unmittelbar nach 1563 erbaut worden sein. Laut einem Hinweis in der „Salinen - Geschichte“ von Dicklberger (Band 1, S. 388) bestand die Steinberg – Säge schon vor 1586.

Abbildung 1: Steinberg - Säge, Umbauplan, 1842, Archiv Salinen Austria

Abbildung 2: Steinberg - Säge, Grundriss, Umbauplan, um 1845, Archiv Salinen Austria

Durch die Konzentration des Salzabbaues auf das Pernecker Salzlager und dem damit verbundenen Tieferrücken der Abbaustollen wurde die Graben - Säge beim Ludovika – Berghaus errichtet. Das genaue Errichtungsdatum dieser, vermutlich um das Jahr 1700 erbauten Säge, konnte in den Akten noch nicht aufgefunden werden. Der erste bekannte urkundliche Hinweis vom 25. September 1769 gibt Auskunft darüber, dass die Graben - Säge samt der zugehörigen Klause nach einem Brand um den angeschlagenen Kostenaufwand von 292 fl 52 kr wieder neu aufgebaut wurde. Im Zuge des Umbaues wurde über die ganze Länge der Klause zur Aufbewahrung des Sägezuschnittes eine neue Vorratshütte errichtet.

Die Graben - Säge samt der zugehörigen Klause war 1816 wieder gänzlich verfallen und wurde in den drei folgenden Jahren neu hergestellt. 1839 zeigte sich das Holzwerk der Klause neuerlich vermorscht, auch das Wasserrad und der Fluder waren erneuerungsbedürftig.

Abbildung 3: Ludovika Berghaus, Situationsplan mit Graben – Säge, 1839, Archiv Salinen Austria

Wegen der zu erwartenden, hohen Reparaturkosten entschloss sich 1839 der damalige Ischler Bergbaubetriebsleiter Franz v. Schwind, die Graben - Säge überhaupt aufzulassen und dafür die Steinberg - Säge leistungsfähig auszubauen.

Beim Umbau der Steinberg – Säge gelang es Schwind durch die Verwendung eines oberschlächtigen Wasserrades und einer Riemenübersetzung im Getriebe, der erste derartige Sägeantrieb in der Monarchie, die Schnittholzerzeugung auf das Vierfache der bisherigen zu steigern. Dadurch konnte der Schnittholzbedarf des gesamten Ischler Salzberges durch den alleinigen Betrieb der Steinberg - Säge befriedigt werden.

Abbildung 4: Steinberg - Säge, Entwurf oberschlächtiges Wasserrad, 1840, Archiv Salinen Austria

Der Betrieb der Graben – Säge dürfte nur noch in kleinerem Umfang weitergelaufen sein, da die Bringungskosten der Schnittware von der Steinberg – Säge zu den Pernecker Stollen über einen eigens angelegten Güterweg sehr aufwendig war. Zu diesem Zweck ersetzte Schwind 1839 die desolate Grabenbach – Klause durch eine hölzerne Wehr. Nachdem, die Graben – Säge im Jahre 1856 neuerlich abgebrannt war, wurde sie endgültig aufgelassen.

Abbildung 5: Graben - Säge mit Ludovika Berghaus, 1838, Archiv Salinen Austria

Abbildung 6: Verbindungsweg Steinberg - Säge zur Graben - Säge, 1838, Archiv Salinen Austria

Abbildung 7: Ludovika Berghaus, Situationsplan nach Abtragung Graben – Säge, 1859, Archiv Salinen Austria

Überstellung der Steinberg – Säge zum alten Maria Theresia Berghaus:

Nachdem im Jahre 1775 der neue Steinberg - Stollen als letzter Stollen des Steinbergrevieres stillgelegt wurde, produzierte die Steinberg – Säge nur mehr für die, wesentlich weiter unten im Tal liegenden Pernecker Stollen. Nach der endgültigen Schließung der Grabenbach – Säge im Jahre 1856 musste von nun an der gesamte Schnittholzbedarf aufwendig von der Steinberg – Säge ins Tal transportiert werden.

Aus diesem Grund wurde um 1865 der Plan, die Steinberg – Säge näher zu den Pernecker Stollen zu überstellen, gefasst. Dabei wurden verschiedene Aufstellungsorte geprüft: am Grabenbach bei der Einmündung des Gaisbachs gegenüber dem Josef Stollen sowie direkt am Sulzbach oder, über einen Fluder mit dem Sulzbach verbunden, beim alten Maria Theresia Berghaus.

Abbildung 8: Projekt Überstellung Steinberg - Säge zum Josef Stollen, um 1865, Archiv Salinen Austria

In Hinblick auf den damaligen Vortriebsschwerpunkt im Kaiserin Maria Theresia Stollen und auf kurze Transportwege fiel die Entscheidung, die Säge zum alten Maria Theresia Berghaus zu überstellen. Die Überstellung der Steinberg – Säge an den neuen Standort erfolgte im Jahre 1867. Durch die Verwendung des alten Sägeantriebs sowie Teile des alten Sägegebäudes Konten die Kosten mit insgesamt 669 fl 81 ½ kr geringgehalten werden. 

Abbildung 9: Überstellung Steinberg - Säge zum alten Maria Theresia Berghaus, 1865, Archiv Salinen Austria

Abbildung 10: Überstellung Steinberg - Säge zum alten Maria Theresia Berghaus, 1865, Archiv Salinen Austria

Abbildung 11: Überstellung Steinberg - Säge zum alten Maria Theresia Berghaus, 1866, Archiv Salinen Austria

Beschreibung des Getriebewerks der Brettersäge:

 

Mit dem, von Franz Kreuzhuber, Manipulations Zögling Ite Klasse, am 14. März 1868 erstellten Bericht existiert eine genaue, zeitgenössische Beschreibung des historischen Sägeantriebs:

„Wo große Wasserkraft vorhanden ist, kommen gewöhnlich zum Betriebe der Bretersägen unterschlächtige Wasserräder von 2 bis 3 Fuss Durchmesser und 5 bis 6 Fuss Breite in Anwendung.

Hierortige sezt dieselbe ein oberschlächtiges Wasserrad von 12 Fuss Durchmesser mit Transmission in Betrieb.

Ein an dem Wasserradgrundt befestigtes Kammrad von 6 Fuss Durchmesser sezt ein Triebrad und mit demselben eine Riemenscheibe von 6 Fuss Durchmesser, - diese mittels Riemen eine zweite Riemenscheibe von 1 ½ Fuss Durchmesser, mit ihr ein hölzernes Schwungrad von 6 Fuss Durchmesser und zugleich einen eisernen Werfel in Bewegung, dessen Arm in seinem Umlaufe eine mit dem Saggefäße /: Saggatern :/ verbundene Stange mit sich führt, welche denselben in einer senkrechten Führung auf- und niederschiebt.

Der Saggatern ist aus 4 Holzstücken in Form eines Thürstockes zusammengefügt, an dessen kurzen Stücken das Sagblatt festgeschraubt ist.

Da die Säge immer auf demselben Platze ihre Bewegung macht, ist eine Vorrichtung nothwendig, den zu schneidenden Gegenstand der Leistung der Säge angemessen vorzuschieben. Diese Vorrichtung /: Sagwagen :/ ist ein 27 Fuss langes Gestelle, beweglich auf einer horizontalen Gleitbahn und zur leichteren Bewegung mit kleinen Walzen versehen.

Zur Vorwärtsbewegung desselben führt der Saggatern am untern Querholz eine 7 Fuss lange horizontale Stange mit sich, deren Ende in einer Welle befestigt ist, diese hält eine am Ende mit einem eisernen Schuh versehene Stange im Gelenke, welche bei jeder Bewegung des Saggatern ein mit einem eisernen Ringe mit Einschnitten /: Schubring :/ umgebenen Rade von 3 ½ Fuss Durchmesser einen Stoß versezt und dadurch dasselbe langsam dreht. Während des Zurückgreifens ersterer hält eine zweite Stange den Schubring wegen Abgleiten fest. Das an dem eisernen Gründl des Schubringes befestigte, dem Triebrade ähnliches Rad schiebt den Sagwagen durch die an demselben nach der ganzen Länge angebrachten Kämme der Leistung der Säge entsprechend vor.

Zur Rückwärtsbewegung des Sagwagens in seine vorige Stellung dient ein zweites oberschlächtiges Wasserrad von 6 Fuss Durchmesser, dessen Welle ein Seil, welches über eine am Ende der Bahn angebrachte kleine Rolle geht und an dem Sagwagen befestigt ist, umwickelt.

Bei der Vorwärtsbewegung des Sagwagens wickelt derselbe das Seil von der Welle wieder ab.“

Im nachfolgenden Plan ist das ursprüngliche Gewerk der Steinberg – Säge so dargestellt, wie es im Bericht von Franz Kreuzhuber 1868 bei der Überstellung beschrieben wird. Lediglich das zweite, kleinere Wasserrad zur Rückwärtsbewegung des Sagwagens wurde erst am neuem Standort beim alten Maria Theresia Berghaus ergänzend dazugebaut.

Abbildung 12: Getriebewerk der Steinberg – Säge, 1857, Archiv Salinen Austria

Säge - Fluder:

Nach der Überstellung wurde das Betriebswasser für die Säge nicht mehr durch eine Klause, sondern durch einen kleinen Polster im Sulzbach zugeleitet. Dazu konnte der seit etwa 1825 bestehende „Schmiedenfluder“ aus dem Sulzbach verwendet werden. Dieser Fluder musste für den Betrieb der Bergschmiede errichtet werden, da ab 1825 größere Wassermengen aus dem Grabenbach über den Wasserschurf in den Elisabeth Stollen abgeleitet wurden, um das für die Laistaussschwemmung im Maria Theresia Stollen benötigte Betriebswasser zur Verfügung stellen zu können. Die Restwassermenge am Grabenbach war für den Betrieb der Bergschmiede beim Maria Theresia Stollen häufig zu gering.

Der Fluder wurde als ein offenes, aus geschnittenen Pfosten gezimmertes Holzgerinne mit 72 m Länge und 0,6 m Breite ausgeführt. Bereits im Jahre 1881 musste der 1867 erneuerte Fluder wegen Schadhaftigkeit beseitigt und ein neues Fluderrinnwerk samt Wasserfang und Radhütte um einen Kostenbetrag von 719 fl 81 kr. errichtet werden. Weitere derartige Reparaturen am Fluder waren in den Jahren 1891, 1905 und 1933 erforderlich.  

Abbildung 13: Säge - Fluder, 1904, Archiv Salinen Austria

Leistung der beiden Säge – Wasserräder:

Das oberschlächtige Wasserrad zum Antrieb der Gattersäge hatte bei 3,7 m Durchmesser und 1,0 m Breite je nach Wasserbeaufschlagung eine Leistung von 4 – 5 PS; das ebenfalls oberschlächtige Wasserrad („Schimmelrad“) zur Rückwärtsführung des Sägewagens mit 1,7 m Durchmesser und 0,75 m Breite 1 – 2 PS.

Abbildung 14: Säge - Wasserräder, 1866, Archiv Salinen Austria

Abbildung 15: Bergsäge mit altem Maria Theresia Berghaus, um 1930, Archiv Kranabitl

Abbildung 16: Bergsäge beim alten Maria Theresia Berghaus (linker, oberer Bildrand), um 1930, Archiv Salinen Austria

Umbau des Getriebewerks der Bergsäge:

1879 wurde zur besseren Zerkleinerung des Brennholzes in den neben der Bergsäge gelegenen Brennholz – Vorratsstadl eine Kreissäge eingebaut. Diese Kreissäge konnte mittels einer Transmissionsübersetzung direkt von der Säge betrieben werden.

Im Jahre 1893 musste das Getriebe der Bergsäge wegen Schadhaftigkeit ausgebessert werden.

Die aufwendige Erhaltung des Säge – Fluders und der Wasserräder sowie die geringe Leistung der Bergsäge veranlassten die Betriebsleitung im Jahre 1950 diese Säge auf elektrischen Betrieb umzubauen. Zu diesem Zweck wurde ein stationärer Elektromotor mit 750 Umdrehungen/Minute eingebaut. Vom Antriebsrad des Elektromotors mit 325 mm Durchmesser führte ein Riemen zu einer Riemenscheibe mit 1550 mm Durchmesser auf der Hauptwelle. Auf die Hauptwelle war bachseitig ein zweiter Riementrieb aufgesetzt, der ein Riemenrad mit 900 mm Durchmesser auf der Hauptwelle mit einem Riemenrad mit 730 mm Durchmesser auf der Wasserradwelle zur Bewegung des Sägegatters verband. Über einen weiteren, bergseitig angeordneten Riementrieb wurde mittels einer Kette die Vor- und Rückwärtsbewegung des Sägewagens ermöglicht.

Abbildung 17: Umbau der Brettersäge auf elektrischen Betrieb, 1951, Archiv Salinen Austria

Im Zuge der Elektrifizierung des Sägeantriebs wurde auch eine Saumsäge eingebaut. Zu diesem Zweck musste das Sägegebäude baulich verlängert werden.

Abbildung 18: Einbau der Brettersaumsäge, Projekt 1949, Archiv Salinen Austria

Abbildung 19: Errichtung Ladwerkstadel, 1951, Archiv Salinen Austria

Schließung des Sägebetriebes:

Die Bergsäge beim alten Maria Theresia Berghaus blieb bis Mitte der 1980er Jahre in Betrieb. Seit der Abwanderung des Bergbautriebes aus Perneck zum neuen Betriebsstandort beim Kaiser Franz Josef Erbstollen in Lauffen im Jahre 1989 steht das Sägegebäude leer. 

Abbildung 20: Letzte Schichtanfahrt aus Perneck, 29.06.1989, Archiv Salinen Austria

Abbildung 21: Bergsäge nach der Betriebseinstellung, 1991, Archiv Kranabitl

Abbildung 22: Altes Maria Theresia Berghaus mit Saumsäge im Hintergrund, 1991, Archiv Kranabitl

Revitalisierung der Bergsäge:

Die Interessensgemeinschaft Mitterbergstollen (IGM) setzte sich im Sommer 2020 die Erhaltung und Öffnung der Bergsäge im Rahmen von Führungen entlang des Viasalis Rundweges zum Ziel.

Das historische Sägewerk ist gut erhalten und als ein einmaliges, im Salzkammergut sonst kaum mehr vertretenes technisches Denkmal besonders schützenswert. Das aus dem Jahre 1847 stammende, aus hölzernen Zahnrädern aufgebaute Sägegetriebe ist in seinen wesentlichen Elementen bis heute erhalten geblieben.

Die IGM möchte 2021 mit Unterstützung der Salinen Immobilien AG die Gebäudesubstanz sichern, im Bereich der ehemaligen Saumsäge einen Schauraum einrichten und die Technikgeschichte der Säge im Rahmen von Diplomarbeiten dokumentieren lassen.

Abbildung 23: Bergsäge, 2018, Archiv Kranabitl

Abbildung 24: Sägewagen und Sägegatter, 2020, Archiv Kranabitl

Abbildung 25: Sägegetriebe, Kammrad, 2020, Archiv Kranabitl

Abbildung 26: Sägegetriebe, Kammrad mit Triebrad und 1. Riemenscheibe, 2020, Archiv Kranabitl

Verwendete Quellen:

Franz Federspiel „Neues vom alten Ischler Salzberg“; in: Mitteilungen des Ischler Heimatvereines, Folge 31, 2012, S. 18-25

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936

Michael Kefer „Handkarten des Ischler Salzberges“, 1829, Transkription Thomas Nussbaumer, Archiv Salinen Austria

Josef Hütter „Der Ischler Salzberg in Wort und Bild“, Manuskript, Bad Ischl 1938, Archiv Salinen Austria

Franz Kreuzhuber „Relation über das Getriebewerk der Brettersäge am kk Salzberge Ischl“, Manuskript, Ischl 1868, Transkription Thomas Nussbaumer, Archiv Salinen Austria

Ischler Lagerbuch Nr. 13 „Sägegebäude“ und Nr. 48 „Fluder für die Säge“, Archiv Salinen Austria

Anton Dicklberger „Systematische Geschichte der Salinen Oberösterreichs“, I. Band, Ischl 1817, Transkription Thomas Nussbaumer

Pläne aus den Planarchiv Salzbergbau Bad Ischl, Salinen Austria