18 Der Rabenbrunn – Stollen

 

Stollenname:            „Rabenbrunn – Stollen“ als Lokalitätsname

Angeschlagen:           1692               

Länge:                         1.116 m         

Seehöhe:                     800 m

 

Da sich im Alten Steinberg – Stollen ein reiches Salzmittel, besonders gegen die Tiefe zeigte, wurde zur Benützung desselben unter Kaiser Leopold I. 1692 der Rabenbrunn Stollen angeschlagen.

Die Rabenbrunn Stollen – Hauptschachtricht stand anfangs in Schottergebirge, dann eine lange Strecke in festen Kalkstein. Die anfängliche Vortriebsrichtung war gegen Südosten, zur Unterfahrung des Alten Steinberg – Stollens, vorgesehen. Nach 320 Stabel (381,4m) Streckenvortrieb wurde die Vortriebsrichtung zur Unterfahrung des Neuen Steinberg –  Stollens gegen Osten verschwenkt. Nach der Herstellung der Verbindungsstrecke mit demselben, wurde die Hauptschachtricht des Rabenbrunn – Stollens zur Unterfahrung des Alten Steinberg – Stollens wieder südöstlich verschwenkt.

Im Jahr 1725, als der Rabenbrunn – Stollen bereits auf 913 Stabel (1088,3m) ausgelängt war, fand man die ersten Salzspuren. Anfangs hatte man die Hoffnung, die im Alten Steinberg – Stollen angelegten reichen Schöpfbaue zu unterfahren. Daher wurden mehrere Suchstrecken aufgefahren, ohne jedoch auf reiche Salzmittel zu stoßen. Das Salz wurde überall nur in so kurzen Mitteln angetroffen, dass kaum ein einziger Schöpfbau angelegt werden konnte. 1737 gab man schließlich alle Hoffnung auf, mit dem Rabenbrunn – Stollen noch Salzgebirge zu finden.

Ein von der Starhembergschen – Kommission 1707 aufgedeckter Fehler war der voreilige Aufschlag des Rabenbrunn – Stollens zur Unterfahrung des Alten Steinberg - Stollens, bevor man sich durch einen Probschurf vom Alten Steinberg – Stollen aus vergewissert hätte, dort auch wirklich Haselgebirge zu finden. Wie recht Starhemberg damit hatte, erwies sich in der Folge. 20 Jahre lang hatte man daraufhin noch fortgebaut und den Rabenbrunn – Stollen insgesamt 936 Stabel (1115,7m) ausgelängt, ohne den Kalk zu verlassen; nur anfangs war Haselgebirge, aber bloß auf 21 Stabel (25,0m) Länge durchfahren worden.

                                                                                                                                                                                                                                 

Wegen dieser schlechten Aussichten und anderer, wichtigerer Streckenvortriebe wurde 1739 der weitere Vortrieb des Rabenbrunn – Stollens gänzlich eingestellt. Bloß die Hauptschachtricht samt den dabei erbauten kleinen Berghaus und die Bergschmiede wurden weiterhin instandgehalten.  

Als auch die im Alten Steinberg – Stollen zur weiteren Aufdeckung des Salzgebirges 1751 auf der Eysel – Kehr und anderen Orten betriebenen Versuchsschläge, keinen günstigen Erfolg hatten, wurden der Alte Steinberg – Stollen und der Rabenbrunn – Stollen bald nachher ganz verlassen.

 

Verwendete Quellen:

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen vom Beginne des 16. Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts“, Wien 1932

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1750 bis zur Zeit nach den Franzosenkriegen“, Wien 1934

Johann Steiner „Der Reisegefährte durch die Oberösterreichische Schweiz“, Linz 1820, Reprint Gmunden 1981

Michael Kefer „Beschreibung Hauptkarten des kk Salzberges zu Ischl“, 1820, Transkription Thomas Nussbaumer, Stand 13.09.2016

Anton Dicklberger „Systematische Geschichte der Salinen Oberösterreichs“, I. Band, Ischl 1807, Transkription Thomas Nussbaumer, Stand 06.2018