Seit wann gibt es Bergbau?

Die Frage „Seit wann gibt es Bergbau?“ ist nicht einfach zu beantworten, da schriftliche Aufzeichnungen kaum 1 Jahrtausend in die Vergangenheit reichen.

 

Um die Frage zu beantworten „Was war vorher?“ ist man auf Archäologen und vielfach auf engagierte Bergleute angewiesen, die nach Spuren in der Vergangenheit suchen.

 

Seit mindestens 6000 Jahren wissen die Menschen die Bodenschätze der Alpen zu nutzen. So alt ist Österreichs ältester Bergbau in Mauer bei Wien, in dem Feuerstein gewonnen wurde. 12 m tiefe Schächte, Strecken und Querschläge sowie große Halden zeugen noch heute von den Aktivitäten der steinzeitlichen Bergleute.                                                                                                                                          

 

Eine Reihe Kupferbergbaue von Schwaz in Tirol über die Kelchalm bei Kitzbühel bis nach Mühlbach am Hochkönig wurden bereits in der Bronzezeit vor 4000 Jahren betrieben. Insgesamt wurden 3,3 Mio t Roherz gewonnen und daraus rd. 50.000 Kupfer erschmolzen. Die ostalpine Kupferproduktion hatte europäische Bedeutung.

Vor 3000 Jahren begann man Salz in Hallstatt bergmännisch abzubauen.  Und in römischer Zeit waren das Norische Eisen aus Kärnten sowie das Tauerngold begehrte Handelsprodukte.

Ein Beweis für frühe bergbauliche Tätigkeit ist der Gletschermann „Ötzi“. In den Haaren des vor 5300 Jahren verstorbenen Mannes fand man äußerst hohe Konzentrationen an Kupfer und Nickel.  Dies legt die Vermutung nahe, dass Ötzi in der Erzverhüttung tätig war. Außerdem war Ötzi mit einem ostalpinen Kupferbeil bewaffnet.                                                                                                                                                

Auch in anderen Bereichen der Welt gibt es interessante, teils noch viel, viel ältere Bergbauspuren.

Die älteste Grubenkarte zum Beispiel stammt aus der Zeit des Ägyptischen Herrschers Ramses des IV, der vor 3300 Jahren lebte. Auf ihr sind Straßen, Goldabbaue und Unterkünfte von Bergleuten zu sehen.

In Nordamerika wurde von 3000 – 1200 v. Chr. auf der Isle Royale in Michigan von einem unbekannten Volk etwa 500.000t Kupfererz abgebaut. Das zugehörige Kupfer wurde jedoch nie gefunden. Wohin die nicht unbeträchtliche Menge Kupfer verschwunden ist, wird vermutlich ein großes Rätsel der Archäologie bleiben.

Die weltweit ältesten Spuren von Bergbau findet man dort, wo die Menschheit ihren Ursprung nahm – nämlich in Afrika. Leider liegt im schwarzen Kontinent vieles der Vergangenheit im Dunkeln. Aufzeichnungen aus präkolonialer Zeit existieren praktisch nicht. Die meisten Funde prähistorischen Bergbaus wurden erst im Zuge des großtechnischen neuzeitlichen Bergbaues gemacht.

Die Wurzeln des klassischen Bergbaues liegen im südlichen Afrika in den Ngwenya Bergen im heutigen Swaziland. Dort befindet sich einer der ältesten untertägigen Bergbaue der Welt, der auf ein unglaubliches Alter von 43.000 Jahren datiert werden konnte.                                                                                   

Gegenstand des weiträumigen Bergbaues, der bis zu 30m Teufe erreichte, war Hämatit in Form des silberglänzenden Eisenglimmers. Das Eisenerz wurde in Steinmörsern zerkleinert und vermutlich für kultisch – kosmetische Zwecke eingesetzt. Zweifellos rieben sich die steinzeitlichen Jäger Gesicht, Hände und Körper mit mineralischen Farben ein und fertigten dann die selbst heute noch farbkräftigen Höhlenmalereien an. Im Laufe der fast 20.000 Jahre andauernden Bergbauperiode wurden in den Ngwenya Bergen mehrere Tausend Tonnen Erz gefördert.

Als letztes Beispiel möchte ich noch den Fund eines Rhodesien – Mannes, einer 200.000 Jahre alten Frühmenschenform, nennen. Knochen und Zähne dieses Frühmenschens konnten in einer durch den Bergbau in Broken Hill in Sambia aufgeschlossenen Kalksteinhöhle entdeckt werden.                                                                                                             

Der Wohnraum dieses Mannes war einmalig:                                                                                                        

Zink- und Bleiphosphatkristalle übersäten förmlich die Decke seiner Wohnhöhle. Der Verdacht liegt also nahe, dass es sich bei ihm um den wirklich ältesten Bergmann der Welt handeln könnte!

Bergbau prägte viele Jahrtausende die Geschicke der Menschen. Ohne ihn wären Fortschritt und Wohlstand undenkbar. Bergleute können zu Recht stolz sein, das Erbe in einen Jahrtausende alten Beruf angetreten zu haben.