Streckenvortrieb

Unter Vortrieb versteht man die Herstellung untertägiger Grubenräume. Dabei unterscheidet der Bergmann zwischen Ausrichtungsstrecken, mit denen eine Lagerstätte zugänglich gemacht wird, und Vorrichtungsbauen, mit denen die Arbeitsräume direkt an der Abbaustelle errichtet werden.

 

Auffahrungen im Salzbergbau:

Wenn das Salzgebirge erreicht ist, geht der Stollen, der als „Hauptschachtricht“ bezeichnet wird, als Ausrichtungsstrecke weiter, und zwar im Ost – West gerichteten Streichen des Ischler Salzlagers. Von diesen Längsstrecken, die bis ans Ende des Salzlagers getrieben werden, zweigen dann meist rechtwinkelig die Querparallelen ab, die somit von Nord nach Süd verlaufen. Durch diese Längs- und Querparallelen („Kehren“) wird die betreffende Etage („Horizont“) zum Abbau vorgerichtet. Die einzelnen Stollen liegen mit 30 – 40 m Etagenhöhe vertikal („saiger“) untereinander. Die Verbindung zwischen den einzelnen Horizonten erfolgt über geneigte, mit Treppen versehene Grubenbaue („Schürfe“) oder vertikale Schächte.

 

Händischer Vortrieb:

Bei hartem Gestein wurden bis ins 18. Jh. hinein Schlägel und Eisen als Vortriebswerkzeuge verwendet. Der Meißel, das sogenannte Eisen, wurde nie direkt mit der Hand gehalten, sondern hatte mittig eine Lochöffnung eingearbeitet, in die ein Holzstiel exakt hineinpasste. So konnte man das Eisen sicher am Gestein ansetzen. Die Schläge auf das Eisen wurden mit dem Schlägel durchgeführt.

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Abbildung 1: Streckenvortrieb mit Schlägel und Eisen, Schwazer Bergbuch, 1556, Internet

Bei der Vortriebsarbeit wurde das Eisen in der linken Hand gehalten und in der rechten Hand hielt man den Schlägel. Durch gezielte Schläge auf den Kopf des Eisens wurde das Gestein auseinandergesprengt. Bei größeren Gesteinsbrocken kamen Eisenkeile zur Anwendung, die durch schwere Fäustel ins Gebirge eingetrieben wurden.

Pro Tag schaffte der Hauer so eine Vortriebsleistung von rund 1 cm. Ein oft wiederholter Spruch besagt, dass ein Mann mit der Arbeit eines ganzen Tages, soviel an Gestein lösen konnte, wie in seinen umgedrehten Hut hineinpasste.

Aus diesem Grund strebte man Stollen mit geringen Querschnitten an. Die Stollenhöhe betrug oft nur 1,9 m und die Stollenbreite im Mittel 0,9 m.

Im weicheren Haselgebirge konnte der Vortrieb mit dem Bergeisen allein erfolgen.

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Abbildung 2: Streckenvortrieb mit Schlägel und Eisen, Rekonstruktion, Salzbergbau Dürrnberg, 1980, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 3: Streckenvortrieb mit Bergeisen im Haselgebirge, Kefer, 1836, Archiv Salinen Austria

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Abbildung 4: Streckenvortrieb mit Bergeisen im Haselgebirge, Salzbergbau Hallstatt, um 1910, aus Brandstätter „Salzkammergut“

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Abbildung 5: Nachreißen mit Bergeisen im Haselgebirge, Salzbergbau Hallstatt, um 1910, aus Brandstätter "Salzkammergut"

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Abbildung 6: Berg- oder Kerneisen, um 1930, Archiv Salinen Austria