07 Der Kaiserin Elisabeth – Stollen

 

Stollenname:            „Kaiserin Elisabeth – Stollen“

                                    Gattin von Kaiser Karl VI., Heirat am 01.08.1708 in Barcelona

Angeschlagen:          1712                          

Länge:                        750 m

Seehöhe:                    812 m

 

Der Kaiserin Elisabeth – Stollen wurde 1712 eröffnet, um den nächst höher gelegenen Kaiserin Amalia – Stollen zu unterfahren, um das tiefer liegende Salzgebirge nützen zu können.                                                                                                                                                     

Nachdem dieser Stollen zuerst als „Neuer Aufschlag“ bezeichnet wurde, erhielt er ab 1730 den Namen „Kaiserin Elisabeth – Stollen“.

Im Jahre 1737 erreichte man nach 25 Jahren Vortriebsarbeit auf der Hauptschachtricht des Kaiserin Elisabeth – Stollens die Salzgrenze.

Neben dem Stollenmundloch befand sich eine gemauerte Bergschmiede und eine Hauerswohnung. Als aber 1783 das mittlere Berghaus und die Schmiede neben dem Kaiserin Maria Theresia – Stollen erbaut wurden, brach man noch im selben Jahr die beiden nun nutzlos gewordenen Gebäude am Kaiserin Elisabeth – Stollen ab.

Situation der Wehren in Elisabeth – Stollen um 1800:

Länge vom Mundloch bis zur Salzgrenze 620 Stabel (739,0m), von da bis zum Feldort 440 Stabel 4 Kehren und 6 brauchbare Wehren.

Für den Elisabeth – Stollen wurde eine Bergdicke von 48m anstatt der üblichen 30 – 35m gewählt. Dadurch war es möglich, mit geringeren Auffahrungsaufwand ein mächtigeres Salzgebirgsmittel zwischen dem Ludovika – und Elisabeth – Stollen zu verlaugen. Wegen der zu großen Bergdicke verbreiteten sich die nebeneinander angeordneten Wehren im Laugbetrieb so stark, dass sie zu verschneiden drohten. Die dabei entstehenden, sehr großen Wehrkammern hätten die nötigen Bergfesten so geschwächt, dass es zu Verbrüchen gekommen wäre. Deshalb war beim Laugbetrieb große Vorsicht geboten. Um ein ungewolltes Verschneiden der Laugkammern vermeiden zu können, wurden umfangreiche Verschneidungsdämme angelegt. Der Vorteil geringerer Aufschließungskosten bei größeren Bergdicken war damit wieder mehr als verspielt.

 

Bei der geringen Mächtigkeit des Haselgebirgsstockes in den oberen Horizonten griffen die Werker nicht selten bis zur Salzgebirgsgrenze aus, das bloßgelegte taube Nebengestein führte dann zu Verbrüchen, die wieder Niedergänge in den Nachbarwerken auslösten.

1839 ging das Nefzer - Werk im Ludovika – Stollen dadurch verloren. Sprünge im Sinkwerk der Nefzer – Wehr wiesen auf den drohenden Zusammenbruch des oberhalb gelegenen Gebirgsmittels zwischen den im Elisabeth – Horizont bereits niedergegangenen Freund – Werk und den vereinigten Wehren Mohr und Schmied hin. Auch die benachbarte Wolfen – Wehr im darübergelegenen Amalia – Horizont war niedergegangen, sodass sich der Verbruch bereits auf drei Etagen erstreckte. Damit waren alle Maßnahmen das vereinigte Mohr – und Schmied – Werk im Elisabeth – Horizont doch noch halten zu können vergeblich.

 

Die Zerstörung eines so großen Abbaugebietes brachte den Ischler Salzberg in eine schwierige Lage. Viele Werker mussten totgesprochen oder in Feier gestellt werden, um das Tiefergreifen des Niederganges zu vermeiden und die Chotek - Kehr im Ludovika Stollen, den Stüger – Schurf vom Amalia – auf Elisabeth – Horizont sowie Poniatovsky - Schurf vom Elisabeth – auf Ludovika – Horizont zur Ableitung der Raubwässer sichern zu können.

 

10 Jahre nach dem Verbruch der Nefzer – Wehr im Ludovika – Horizont ging 1849 auch der Himmel des vereinigten Monsberg - und Gerstorf - Werkes im Elisabeth – Horizont nieder. Die Gefahr des Eindringens neuer Raubwässer in das Haselgebirge und des Einsturzes der ganzen Lagerkuppe bedrohte den Bestand des gesamten Ischler Salzberges.

 

 

 

 

Das Oberamt fasste nach intensiven Beratungen mit Bergbausachverständigen der anderen Salzbergbaue folgende Beschlüsse, die 1850 die Genehmigung des Ministeriums fanden:

Die am Elisabeth – Horizont verbrochenen Wehren Schlögel, Wolfen und Quix wären mit Werkslaist so rasch als möglich zu versetzen. Der nötige Werkslaist sollte mittels einer zu errichtenden Kübelkunst aus tieferen Horizonten angehoben werden. Dazu war ein über drei Etagen reichender Schacht (Werner Schacht) vom Elisabeth - auf den Maria Theresia - Stollen abzuteufen. Die Abteufarbeiten am Werner – Schacht wurden umgehend in Angriff genommen.

 

Der von Schwind eingeführte Wassertonnenaufzug gewann nun am Ischler Salzberg besondere Bedeutung für die Zubringung von Werklaist über den Werner Schacht als Versatz in die Verbruchsräume im Elisabeth – Horizont. Durch die rasche Verfüllung konnte eine weitere Ausbreitung der Verbruchszone vermieden werden.

 

Die Verbruchszone reichte schließlich vom wasserführenden, tauben Hangenden mehr als 290m ins Salzgebirge hinab.

Situation Wehren im Elisabeth – Stollen um 1850: 

Insgesamt 8 Wehren, davon 1 totgesprochen und 1 brauchbar. Freund - Wehr, Mohr - und Schmidt - Wehr (verschnitten), Monsperg - und Gerstorf - Wehr (verschnitten), Schlögel - und Wolfen - Wehr (verschnitten);  Quix - Wehr um 1850 in Betrieb.

 

Verwendete Quellen:

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1750 bis zur Zeit nach den Franzosenkriegen“, Wien 1934

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936

August Aigner „Der Salzbergbau in den österreichischen Alpen“, Berg- und Hüttenmännisches Jahrbuch, Wien 1892

Leopold Schiendorfer „Perneck – Ein Dorf im Wandel der Zeit“, Linz 2006

Johann Steiner „Der Reisegefährte durch die Oberösterreichische Schweiz“, Linz 1820, Reprint Gmunden 1981

Georg Kanzler „Ischls Chronik“, Ischl 1881, Reprint Bad Ischl 1983

Michael Kefer „Beschreibung Hauptkarten des kk Salzberges zu Ischl“, 1820, Transkription Thomas Nussbaumer, Stand 13.09.2016