Kunstgüterbergung im Ischler Salzberg 1944/45

 

Der während des II Weltkrieges zuständige Gaukonservator für Oberdonau und spätere Landeskonservator für Oberösterreich Franz Juraschek, hat neben Aussee auch den Ischler Salzberg als Bergungsort für gefährdete Kunstschätze vorgeschlagen.

Besonders nachdem Aussee zum „Bergungsort des Reiches“ geworden ist, wich Juraschek zuerst in die Seitenstollen des Erbstollen bei Bad Ischl aus. Bei den geborgenen Gütern handelte es sich um Akten des Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Hofkammerakten der 16. Und 17. Jh., - immerhin 120 Kisten – und um Klosterbesitz.

Ab Nov. 1944 wurde beschlossen, die Wiener staatlichen Sammlungen im Ischler Salzberg einzulagern, nachdem festgestellt wurde, dass hier ähnliche Verhältnisse herrschten als im Ausseer Salzberg.

Dafür wurden der I. und II. Blindhorizont vorgesehen, der über den Distlerschacht vom Erbstollen und von Perneck, vom Leopoldstollen, erreichbar waren. Aufgrund der leichteren Erreichbarkeit vom Erbstollen wurden danach alle Einlagerungen über den Erbstollen durchgeführt.

Im II. Blindhorizont wurde der sogenannte Bahnhof, der zum Verschub der Grubenbahn diente, für die Bergung vorbereitet. Zusätzlich wurde noch das Ebenseer Werk mit 1100 Quadratmeter, im I. Blindhorizont für Einlagerungen freigegeben. Ein vom I. zum II. Blindhorizont führender Schurf, wurde später verschüttet, damit niemand ungebeten die Lagerräume erreichen konnte. Anfang 1945 war der „Bahnhof“ so verkleidet, dass nur ein Gleis frei blieb. Der übrige Raum war für die Lagerung von Gemälden vorgesehen. Er wurde an beiden Enden mit schweren hölzernen Bohlentüren verschlossen. Das machte den Eingang absolut sicher. Nur die Lüftungsrohre blieben frei.

Wertvolle Bestände aus geistlichem Besitz wurden jetzt auch im Ischler Erbstollen statt im Ausseer Salzberg gelagert. Ein Transport nach dem anderen gelangten aus Wien ein. Aus fast allen staatlichen Sammlungen stammten Schätze: Da gab es 150 Kisten aus der Nationalbibliothek mit Handschriften und Druckwerken, von denen jede einzelne Seite schon eine Kostbarkeit darstellt. Bestände aus den Naturhistorischen Museum, dem Völkerkundemuseum, dem Kunstgewerbemuseum, dem Kunsthistorischen Museum, der Liechtenstein-Galerie und aus dem Grazer Landesarchiv wurden angeliefert.

Bilder von so bedeutenden Künstlern wie Rembrandt, Raffael, Brueghels, Albrecht Dürer, Jan van Eycks, Rubens und auch von „modernen“ Malern wie Munch, Monet, Klimt und Kokoschka wurden in Ischl eingelagert. Daneben aus den Antikensammlungen die Goldschatzfunde, Elfenbeine, Vasen, Schmuck und Statuetten.

So berühmte Bilder wie Brueghels „Bauerntanz“, „Turmbau zu Babel“ und der „Vogeldieb“, Rembrandts „Große Selbstbildnis“ und Raffaels „Madonna im Grünen“ waren darunter zu finden. Sogar die „Venus von Willendorf“, jener weiblichen Figur aus der Älteren Steinzeit war in Ischl eingelagert.

Eine besondere Bewandtnis hatte es auch mit dem „Tassilokelch“ aus dem Stift Kremsmünster:  Offiziell war er in der Bergung Aussee untergebracht, aber nachdem sich die Vortrefflichkeit und Sicherheit des Ausseer Salzberg in Fachkreisen herumgesprochen hat, und 1943 zum offiziellen Bergungsort für Hitler wurde, wurde er heimlich von Gaukonservator Franz Juraschek im Ischler Salzberg eingelagert.

Am 18. April 1945 trat in der Generaldirektion der Salinen ein Krisenstab zusammen, um jene Maßnahmen zu besprechen, die nötig seien, um der Ischler Bergung die Einlagerung einer Bombe wie in Aussee zu ersparen.

Die Bergung soll nach diesem Plan vollkommen unzugänglich gemacht werden. Das „Füllort“ des Distlerschachtes im Erbstollen soll vollkommen mit Gestein zugeschüttet, „verstürzt“ werden. Den Aufzug will man bis zur Decke des Leopold Horizontes, also bis zu seinem obersten Endpunkt hinaufziehen und dort stilllegen. Die Treppen, die neben dem Aufzug hinaufführen, die sogenannten „Fahrten“, sollen unter- und oberhalb des I. und II. Tiefbaus herausgerissen und die Verschüttung des Schurfes zwischen I. und II. Tiefbau verstärkt werden. Diese Arbeiten wurden bis 5. Mai 1945 fertiggestellt.

Der Endstand der Ischler Bergung betrug:  1520 Gemälde, 122 Säcke mit Gobelins, 278 Mappenkisten mit Katasterkarten und 484 Kisten. Insgesamt 150 Tonnen Bergungsgut.

Am 1. Juni 1945 konnten mit Erlaubnis der Besatzer auch die Arbeiten zur Freilegung der Schätze im Salzberg begonnen werden, und zwar im Erbstollen und im Werk XII am I. Tiefbau. Der II. Tiefbau blieb zunächst noch verschüttet, aber auch seine Öffnung wurde bald darauf in Angriff genommen. Am 13. Juni 1945 war dann auch die Hauptbergung am „Bahnhof“ im II. Tiefbau wieder zugänglich. Es erwies sich, dass das Bergungsgut sich in ausgezeichnetem Zustand befand.

 Am 7. August 1946 erfolgte der erste große Rücktransport von Ischl nach Wien für eine Ausstellung in der Schweiz.

Am 25. April 1947 verließ der letzte große Transport mit Kunstgütern den Salzberg von Ischl. Nach einer Kontrolle der Räume in Gegenwart des Gendarmerie - Kommandanten erfolgte die Schlusskommissionierung und die Salinendirektion übernahm wieder die alleinige Aufsicht über den Berg.

 

 

Verwendete Quellen:

Katharina Hammer „Glanz im Dunkel“, Altaussee 1996

Franz Juraschek „Heimatblätter Oberösterreich“, Linz 1947

Britischer Informationsdienst „Weltpresse“, 9. Juli 1947

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