03 Der Kaiser Leopold – Stollen

 

Stollenname:            „Kaiser Leopold – Stollen“

                                    Kaiser Leopold II (Sohn Maria Theresias), Regentschaft 1790 - 1792

Angeschlagen:           1. Mai 1794 – gemeinsam mit „Unteren Kaiser Franz – Stollen“

Länge:                         1.800 m

Seehöhe:                    643 m

Der Kaiser Leopold – Stollen wurde gemeinsam mit dem Unteren Kaiser Franz Stollen am  1. Mai 1794 angeschlagen.

Um 1800 war der Kaiser Leopold – Stollen erst auf 100 Stabel (119,5 m) ausgelängt worden.

Der Ischler Berggeschworene Michael Kefer legte 1815 dem Salzamt einen Plan vor, durch den Einbau von Aufzugsmaschinen den Kaiser Leopold – Stollen entbehrlich zu machen und dessen Vortrieb einzustellen. Dafür wollte Kefer den Unteren Kaiser Franz Stollen schwunghaft weiter betreiben lassen.

Es wäre so der erste Blindhorizont im Kammergut entstanden. Die Hofkammer ging indessen auf den Vorschlag nicht ein, weil sie keinen Vorteil erblickte. Der Betrieb würde sehr erschwert werden und die Säuberung nach aufwärts umständlicher und teurer werden. Der Kaiser Leopold – Stollen sollte im Gegenbau weiter vorgetrieben werden, doch mit geringeren Ansteigen, um an nutzbarer Bergdicke nichts zu verlieren.

Bis zum Jahre 1850 erreichten weder der Kaiser Leopold – Stollen und noch der  Untere Kaiser Franz – Stollen auch nur die Salzgrenze.

Die Arbeit im dichten und harten Kalk des Leopold Stollens bereitete den Häuern große Schwierigkeiten, das Feldort rückte in vier Wochen nur um 1 ½ Stabel (1,8m) vor, der Jahresvorgriff blieb daher lange auf durchschnittlich 18 Stabel (21,5m) beschränkt.

Die Hofkammer rügte 1827 den geringen Fortschritt, in zehn Jahren waren nur 171 Stabel (204,3m) vorgetrieben worden. Bis zur Erreichung des noch 541 Stabel (646,5m) entfernten Salzstockes würden daher noch gut 30 Jahre vergehen. Zur Beschleunigung des Vortriebes sollte nunmehr vom Pohl - Schurf aus sowohl der Gegen- wie der Vorwärtsbau mit zwei Passen eingeleitet werden.

Ein Wassereinbruch im Jahre 1832 verzögerte den Vortrieb des Hauptortes und veranlasste die Bergverwaltung zur zeitweiligen Einstellung des Gegenbaues. 1834 standen aber alle Orte wieder in Betrieb. Man hoffte mit der verstärkten Belegschaft den Leopold Stollen in acht Jahren bis zum Wokurka- und in weiteren 15 Jahren bis zum Pohl - Schurf beenden zu können. Zur Bewetterung des Stollens diente eine am Dicklberger - Schurf aufgestellte Wassertrommel.

1842 erfolgte programmgemäß der Durchschlag vom Dicklberger - zum Wokurka - Schurf. Fünf Jahre später stießen die Häuer in der 840. Klafter (1.592,6m) des Hauptstollens auf die aus dem Maria Theresia Stollen absitzende Schwefelquelle.

Der Kaiser Leopold – Stollen wurde mit einer Höhe von 2,2 m und einer Breite von 1,15 m aufgefahren; daraus ergab sich eine Querschnittsfläche von rd. 2,5 m². Sein Gefälle lag bei rund 2,2 %.

Der Kaiser Leopold – Stollen führte 1800 m durch taubes Mittel bis er Haselgebirge erreichte. Der Stollen wurde anfänglich in reiner N – S Richtung vorgetrieben, um dann später gegen die Salzgrenze hin nach NNW – SSE umzuschwenken.                     

 

1850 genehmigte die Bergbaudirektion die Auffahrung der Lobkowitz – Kehr im tauben Liegenden des Kaiser Leopold – Stollens. Von der Lobkowitz – Kehr sollte die Ausrichtung des Salzlagers durch Querparallelen in südlicher Richtung gegen das Hangende hin erfolgen.

In den Jahren 1874 – 1875 wurde von der im Leopold – Stollen gelegenen Rosenfeld – Kehr der Sondierungsschacht Dunajewski auf 94 m abgeteuft und vom Schachtfuß noch ein Bohrloch niedergebracht, das bei 160 m Tiefe im Haselgebirge stecken blieb. Damit war der Beweis für die Erstreckung des Pernecker Salzlagers gegen die Teufe hin erbracht.

Um auch die tieferen Partien des Salzbergwerkes zu erfassen, wurde 1895 bei Sulzbach unweit von Lauffen der Kaiser Franz Josef-Erbstollen angeschlagen.

Außerdem wurde vom Kaiser Leopold – Stollen als dem tiefsten Horizont Pernecks, der Freiherr von Distler – Schacht 180 m tief abgeteuft.

In den Jahren 1957 bis 1960 wurde der Zentralschacht vom Maria Theresia - Stollen zum Franz Josef - Erbstollen mit einer Höhe von 203,8m durch eigenes Personal abgeteuft.

 

Der im Kalkstein angesetzte Zentralschacht ersetzte 1964 den zwischen dem Leopold Stollen und dem Niveau des Franz Josef Erbstollen angelegten Freiherr von Distler Schacht. Der im Haselgebirge aufgefahrene Distler - Schacht erforderte ein Übermaß an Erhaltungsarbeiten.

1923 hat der Salzbergbau am Radgrabenbach unweit des Maria Theresia - Stollens ein Stauwerk für ein kleines Elektrizitätswerk umgebaut. Das Stauwerk hatte ursprünglich für ein Wasserrad zum Antrieb des Schmiedehammers beim Maria Theresia - Stollen gedient.

Von diesem Stauwerk wurde eine Druckrohrleitung DN 120 mm zum Mundloch des Kaiser Leopold - Stollens verlegt. Diese hatte eine Länge von 250 m bei einem Nutzgefälle von  45 m.

Die hydromotorische Einrichtung bestand aus einer Peltonturbine mit zwei Einlassdüsen und einem Wasserverbrauch von 13 bis 15 l/s. Die Turbine war ein Fabrikat der Firma Josef Oser, Krems, und hatte eine Leistung von 6,5 PS. Der angetriebene Gleichstromgenerator lieferte eine Spannung von 220 V bei etwa 4 kW Leistung.

Laut Wasserbuch diente die Anlage zur Beleuchtung der salinarischen Gebäude und des Salzbergbaues. Dieses kleine E – Werk wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aufgelassen und der Salzberg über den Kaiser Franz Josef - Erbstollen vom eigenen Kraftwerk Lauffen mit elektrischer Energie versorgt.

1954 kam es zu mehreren großen Werksniedergängen im Kaiser Leopold - Stollen. Sole war in den Sulzbach abgeflossen und hatte den Fischbestand vernichtet.

 

Ab den 1920er Jahren nutzte man den Leopold – Stollen als Ausfahrtsstrecke für die Fremdenbefahrung. Dadurch konnte die attraktive Rutsche des Pohl – Schurfes, der vom Maria Theresia – in den Leopold – Stollen führt, in den Führungsweg eingebaut werden.     Ab etwa 1953 wurde nach dem Stollennachriss und der Indienststellung der Ruhrthaler Grubenlok G22 Z wieder mit Mannschaftshunten aus dem Maria Theresia – Stollen ausgefahren.

Ab dem Jahr 1957 waren alle Laugwerke der Pernecker Stollen, die über dem Horizont des Leopold Stollen lagen, ausbenützt und die in den tiefer liegenden Horizonten erzeugte Sole wurde seither über den Zentral- bzw. Distler - Schacht und den Franz Josef Erbstollen abgegeben. Dadurch konnten 1957 die Soleleitungen im Leopold Stollen und in weiterer Folge auch der gesamte Pernecker Strehn samt den Solestuben aufgelassen werden.

Von der Zwerchwand - SW - Seite stürzten im September 1978, Februar 1980 und März 1981 ungefähr 130 000 m³ aus der 120 m hohen Felswand, wobei die bis hausgroßen Felsblöcke aus Tressensteinkalk auf Haselgebirge und Mergel talwärts flossen. Diese Bergstürze können mit Laugwerksniederbrüchen im Ischler Salzberg, vor allem im Horizont des Leopold – Stollens, in Verbindung gebracht werden.

 

Leopold Stollen – Wehren um 1966:   

21 Wehren (um 1966 18 Wehren in Betrieb, 2 Wehren in Bau)

Mayerhofer (XIX) - Wehr (in Bau), Vogl (XX) - Wehr (um 1966 in Bau),                      Schauberger (XVIII) - Wehr (in Bau), Ressel - Wehr, Rotter - Wehr, Münzer (XIV) - Wehr, Mayerhoffer (XIII) -  Wehr, Krenn - Wehr, Griessenböck - Wehr, Backhaus - Wehr,        Balzberg - Wehr, Janiss - Wehr, Pickl - Wehr, Sorgo - Wehr, Posanner - Wehr,              Kirnbauer - Wehr, Haupolter - Wehr, Schraml - Wehr, Bretschneider - Wehr, Krempl - und Birnbacher - Wehr (verschnitten).

1983 wurde das desolate Stollengebäude abgetragen, eine Betonstützmauer als Hangschutz errichtet und das Portal aus rosa Kalksteinquadern restauriert. Am Stollenvorplatz wurden zusätzliche Parkflächen für die Fremdenbefahrung geschaffen.

Gegenwärtig befindet sich im Kaiser Leopold – Stollen ein von der Fa. Rieger „Ischler Waffen“ privat genutzter Schusskanal. Zu diesem Zweck wurde der Stollen nach 100 m verschlossen und der Eingangsbereich mit einer massiven Stahltür abgesperrt.

Unweit des Leopold - Stollens im Bereich des Parkplatzes und der Garagen findet man noch Eisenschlacken, die vermutlich von einer im 16. Jahrhundert betriebenen Schmelzhütte stammen, in der die am Rainfalz gewonnenen Erze verhüttet wurden.

 

Zur Einsparung aufwendiger und langer Stollenvortriebe von obertage aus wurden unterhalb des Leopold – Stollens 2 Tiefbaue angelegt. Diese Tiefbaue können nur über die beiden Schachtanlagen (Distler – und Zentral – Schacht) sowie über mehrere Schürfe (schräggeneigte Grubenbaue mit Treppen) vom Leopold- und Erbstollen – Niveau aus erreicht werden.

Ursprünglich war geplant im 180 m hohen Gebirgsmittel zwischen dem Erbstollen – und Leopold – Niveau insgesamt 6 Tiefbauscheiben mit je 30 m Mächtigkeit anzulegen.

I. Tiefbau:

Nach Fertigstellung des Dister – Schachtes im Jahre 1895 konnte mit den Vorarbeiten für den Aufschluss des ersten Blindhorizontes am Ischler Salzberg begonnen werden.

Ab 1904 begann man ausgehend vom Distler – Schacht 30 m unterhalb des Leopold – Niveaus mit den Streckenauffahrungen für den I. Tiefbau.

Der I. Tiefbau diente zur Soleableitung der im Leopold – Horizont angelegten Werker. Außerdem wurden im I. Tiefbau insgesamt 13. Werksanlagen errichtet.

Im I. Tiefbau wurde im Dezember 1944 das Werk XII, das sogenannte Ebenseer Werk, zur Einlagerung von Kunstgegenständen freigegeben. Das Werk hatte eine Lagerfläche von 1100 m² und einen Fassungsraum von 2700 m³.

Ein vom I. in den II. Tiefbau führender Schurf wurde 1945 verschüttet, damit niemand ungebeten die Einlagerung erreichen konnte.

In den 1950er Jahren wurde auch im Pernecker Salzberg ein Ehrenplatz für die gefallenen Salzbergarbeiter geschaffen. Im I. Tiefbau ist ein Laugwerk den Gefallenen zum Gedenken als „Heldenwerk“ getauft worden. Am Sinkwerk wurde eine Tafel mit den Namen der im      2. Weltkrieg verbliebenen Arbeitskameraden angebracht.

Da die Strecke aber in den 1980er Jahren aufgelassen werden musste, wurde die Tafel in die Bergkapelle am Salzberg versetzt.

I. Tiefbau – Wehren um 1983:

13 Wehren

Lepez - Wehr, Köck - Wehr, Grundmüller - Wehr, Krieger - Wehr, Rettenbacher - Wehr, Heldenwerk, Gmunder - Wehr, Lauffen - Wehr, Ebensee - Wehr, Werk 6, Hampl - Wehr, Werk 8, Mock - Wehr, Mitterauer - Wehr.

 

II. Tiefbau:

Ab 1934 begann man ausgehend vom Distler – Schacht 37 m unterhalb des I. Tiefbaues und 67 m unterhalb des Leopold – Niveaus mit den Streckenauffahrungen für den II. Tiefbau.

Im Bereich des Distler – Schachtes wurde ein großzügiges, zweigleisiges Füllort, der sogenannte „Bahnhof“ aufgefahren. Die Häuerberge förderte man über den Distler – Schacht und den Franz Josef – Erbstollen auf eine obertägige Halde aus.

Im Dezember 1944 wurde neben den beiden neu errichteten Lagerräumen im Kaiser Franz Josef – Erbstollen und dem Werk XII im I. Tiefbau der II. Tiefbau zur Gänze für die Bergung der Kunstschätze freigegeben.

Stieg man im II. Tiefbau aus der Förderschale des Distler – Schachtes, so kam man zuerst am „Füllort“ an, einem Raum, der etwa 8 mal 4 m maß und dem Be- und Entladen des Aufzugs diente. Von dort zweigte schräg nach rechts der „Bahnhof“ ab, ausgestattet mit 2 Gleisen zum Verschub der Grubenbahn, die auch für diesen Abbauhorizont errichtet war, und daher breiter als die übrigen Stollen im Berg.

Diesem „Bahnhof“ kam im späteren Verlauf noch eine wichtige Rolle zu. Von ihm zweigten mehrere Stollen ab, die ebenfalls mit Bergungsgut belegt werden konnten.

Anfang 1945 war der „Bahnhof“ so verkleidet, dass nur ein Gleis frei blieb. Der übrige Raum war für die Lagerung von Gemälden vorgesehen. Er wurde an beiden Enden mit schweren hölzernen Bohlentüren verschlossen. Das machte den Eingang absolut sicher. Nur die Lüftungsrohre blieben frei.

Die Bergung Ischl – Lauffen umfasste mit dem Stichtag 27. Feber 1945 folgende Objekte:

518 Kisten, 668 Gemälde und 171 Gobelinsäcke. Sie erstreckte sich vorwiegend auf den        II. Tiefbau des Bergwerkes mit seinen verschiedenen Stollen, die Bilder waren im „Bahnhof“ untergebracht, und nur einige Kisten des Kunstgewerbemuseums lagerten damals im Werk XII des I. Tiefbaues.

In einem Bericht wird auf die „entsetzliche Brandgefahr“ hingewiesen, die dadurch entstehe, dass bisher nur im sogenannten „Bahnhof“, also in dem verschließbaren Bilderdepot elektrisches Licht eingeleitet sei. Überall sonst müsse in den engen Stollen mit offenem Licht, mit Grubenlampen also gearbeitet werden, und dass bei Mengen von Holzwolle und anderem Verpackungsmaterial, das überall in den Gängen vorhanden war. Man bat in Wien Akkumulatoren zu beschaffen, die an Ort und Stelle aufgeladen werden könnten.

II. Tiefbau – Wehren um 1983:  

6 Tiefenwerker (Pütten) und 3 Bohrlochsonden

Pütte 2, Pütte 3, Pütte 4, Pütte 6, Vogl - Pütte, Pütte 9, Bohrlöcher 1/II, 2/II und 3/II

1989 erfolgten noch umfangreiche Aus- und Vorrichtungsarbeiten im II. Tiefbau für für Bohrlochsolegewinnung unter Tage. Es wurden die Bohrlöcher 4/II – 6/II abgeteuft.

Zur Zeit der Einstellung der Soleproduktion 2010 wurden die Pütte 4/II als Sturzwerk für Häuerberge und die Pütte 6/II für die Badeschlammgewinnung benützt.

 

Verwendete Quellen:

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1750 bis zur Zeit nach den Franzosenkriegen“, Wien 1934

Carl Schraml „Das oberösterreichische Salinenwesen von 1818 bis zum Ende des Salzamtes 1850“, Wien 1936

Ischler Heimatverein „Bad Ischl Heimatbuch 2004“, Bad Ischl 2004

Leopold Schiendorfer „Perneck – Ein Dorf im Wandel der Zeit“, Linz 2006

Walter Medwenitsch „Die Geologie der Salzlagerstätten Bad Ischl und Altaussee“, Mitteilungen der Geologischen Gesellschaft, 50. Bd. 1957, Wien 1957

Katharina Hammer „Glanz im Dunkel“, Altaussee 1996